Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihre abwartende Haltung fort und hat die Leitzinsen im Euroraum erneut nicht verändert. Der für Banken besonders wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, während der Hauptrefinanzierungszinssatz bei 2,15 Prozent verharrt. Damit reagiert die Notenbank auf ein weiterhin unsicheres wirtschaftliches Umfeld, das zuletzt durch die Regierungskrise in Frankreich und die anhaltenden US-Zölle geprägt war.
Bereits im Juli hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, dass man angesichts der globalen Unsicherheiten keine voreiligen Schritte unternehmen werde. Diese Strategie setzt sich nun fort: Nach acht aufeinanderfolgenden Zinssenkungen in den vergangenen zwölf Monaten hält die EZB die Geldpolitik nun stabil, um den Markt nicht weiter zu verunsichern.
Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig
Trotz internationaler Handelskonflikte zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum robuster als erwartet. Die Wachstumsprognose für 2025 wurde leicht nach oben korrigiert: Die EZB erwartet nun ein Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von 1,2 Prozent, nachdem im Juni noch 0,9 Prozent prognostiziert worden waren. Gründe für den vorsichtigen Optimismus sind unter anderem geplante europäische Verteidigungsausgaben in Milliardenhöhe, die wirtschaftliche Impulse setzen dürften.
Für die Jahre 2026 und 2027 bleibt die Notenbank dagegen etwas verhaltener. Die Prognose für 2026 wurde leicht auf 1,0 Prozent gesenkt (zuvor 1,1 %), für 2027 bleibt sie mit 1,3 Prozent stabil.
Inflation bleibt nahe der Zielmarke
Auch die Inflation im Euroraum bleibt ein zentrales Thema. Für 2025 erwartet die EZB eine jährliche Teuerungsrate von 2,1 Prozent, knapp über dem angestrebten Zielwert von 2,0 Prozent. Für die Folgejahre zeigt sich ein moderater Abwärtstrend: 1,7 Prozent für 2026 (zuvor 1,6 %) und 1,9 Prozent für 2027.
Damit liegt die mittelfristige Preisentwicklung im gewünschten Korridor, was der EZB den geldpolitischen Spielraum verschafft, weiter auf Stabilität zu setzen – insbesondere in einem Umfeld, in dem geopolitische Risiken, wie die hohe französische Staatsverschuldung, neue Unsicherheiten mit sich bringen könnten.
Ausblick
Die EZB zeigt sich vorsichtig optimistisch, bleibt jedoch wachsam. Mit stabilen Zinsen, robustem Wachstum und einer Inflation nahe der Zielmarke könnte der Euroraum vorerst auf einem wirtschaftlich tragfähigen Kurs bleiben – vorausgesetzt, externe Schocks bleiben aus. Die nächsten geldpolitischen Entscheidungen dürften maßgeblich von der weiteren Entwicklung in Frankreich, den globalen Märkten und der Verbraucherpreisdynamik abhängen.
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