Es sollte eine große Feier werden – mit lautem Knall und viel Showeffekt. Doch für einen 37-jährigen Vietnamesen endete das Vorhaben nicht auf der Tanzfläche, sondern vor dem Amtsgericht Tirschenreuth. Der Mann hatte im Dezember 2024 versucht, mehr als zwei Tonnen illegaler Feuerwerkskörper aus Tschechien nach Deutschland zu schmuggeln – und wurde nun zu elf Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Geldauflage von 50.000 Euro verurteilt.
Die Ermittler sprechen von einem der größten Böllerfunde in der Oberpfalz seit Jahren. Der 37-Jährige hatte auf einem Markt in Prag gewaltige Mengen an Pyrotechnik eingekauft – darunter berüchtigte Produkte wie „Dum Bum“, „La Bomba“ oder „Magic Show“. Diese Feuerwerksbatterien sind in Deutschland nicht zugelassen und wegen ihrer enormen Sprengkraft besonders gefährlich.
Zwischen Essensboxen und Explosivstoff: Die brisante Fracht
Mit einem Kleintransporter voller Verpackungen für asiatische To-go-Gerichte wollte der Mann die Pyrotechnik über die Grenze bei Waldsassen bringen. Doch zivile Beamte der Grenzpolizei schöpften Verdacht. Zwischen den unscheinbaren Kartons entdeckten sie 124 große Feuerwerksbatterien, die insgesamt 170 Kilogramm reinen Sprengstoff enthielten.
„Eine solche Menge hatten wir noch nie auf unserer Dienststelle“, sagte ein erfahrener Polizist später vor Gericht.
Was wie eine harmlose Schmuggelfahrt aussah, entpuppte sich als hochgefährlicher Transport. Wäre der Sprengstoff im Wagen explodiert, hätten die Folgen verheerend sein können. Laut Gutachtern hätte die geladene Menge gereicht, um eine Autobahnbrücke zu sprengen.
„Das ist kein Spaß – das ist Sprengstoff“
Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte überrascht über das Ausmaß seiner Tat. Staatsanwalt und Richter machten ihm jedoch deutlich, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Richter Markus Fillinger ließ während der Verhandlung ein kurzes Video abspielen, das zeigte, was bei einem Fahrzeugbrand mit vergleichbarer Ladung passiert: Das Auto zerfetzt in tausend Stücke. Als der 37-Jährige das sah, entfuhr ihm ein ungläubiges „Oh“.
„Sie hatten deutlich mehr Sprengstoff an Bord“, fügte der Richter hinzu. Wäre es zu einem Unfall gekommen, hätte das ganze Dorf Schaden nehmen können. Der Mann, der die Böller zur Eröffnung zweier Restaurants in Oberfranken und Thüringen einsetzen wollte, zeigte sich reumütig.
Teure Lehre: Haftstrafe, Geldauflage und Entsorgungskosten
Das Gericht verurteilte ihn zu elf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer hohen Geldauflage von 50.000 Euro zugunsten gemeinnütziger Organisationen. Zusätzlich muss der 37-Jährige die Kosten für Transport, Lagerung und Vernichtung der beschlagnahmten Pyrotechnik übernehmen – ein weiterer finanzieller Schlag.
Schon der Einkauf war teuer genug: Rund 7.000 Euro hatte er für die illegalen Böller in Prag bezahlt. Nun summieren sich die Gesamtkosten seines „Feuerwerksprojekts“ auf ein Vielfaches – und enden mit einer Vorstrafe.
Behörden schlagen Alarm: Böllerschmuggel nimmt zu
Mit dem näher rückenden Jahreswechsel verzeichnen die Behörden erneut einen Anstieg beim Schmuggel verbotener Pyrotechnik. Besonders an den Übergängen von Bayern nach Tschechien häufen sich die Funde.
Erst am vergangenen Sonntag entdeckte die Bundespolizei bei Waldsassen 6.000 Böller des Typs „Dum Bum“ in einem Kofferraum – eine Woche zuvor waren es 600 Stück.
Die BaFin, Polizei und Zoll warnen eindringlich vor dem Kauf solcher Feuerwerkskörper auf tschechischen Märkten oder im Internet. Diese Produkte unterliegen nicht den deutschen Sicherheitsstandards und können beim Zünden oder schon während des Transports lebensgefährliche Explosionen verursachen.
Warnung mit Signalwirkung
Der Fall aus Tirschenreuth zeigt, wie gefährlich und folgenreich der Handel mit illegaler Pyrotechnik sein kann. „Was auf den ersten Blick nach einer großen Feier aussieht, kann im schlimmsten Fall Leben kosten“, betonte der Staatsanwalt.
Für den 37-Jährigen dürfte die geplante Restaurant-Eröffnung nun einen bitteren Beigeschmack haben. Statt eines spektakulären Feuerwerks bleibt ihm nur die Erkenntnis: Wer mit illegalen Böllern handelt oder sie schmuggelt, spielt nicht mit Licht und Farbe – sondern mit Sprengstoff.
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