Wissenschaftler und Mediziner schlagen Alarm: Immer häufiger kursieren in sozialen Netzwerken Videos und Erfahrungsberichte über das sogenannte „Krötenlecken“ – einen gefährlichen Trend, bei dem Menschen versuchen, durch das Ablecken bestimmter Krötenarten oder das Inhalieren ihres getrockneten Sekrets psychedelische Rauscherlebnisse zu erzeugen.
Ursprünglich stammt dieser Trend aus den USA, insbesondere aus den Bundesstaaten Arizona und New Mexico. Dort lebt die Colorado River Kröte (Incilius alvarius, früher Bufo alvarius), deren Hautdrüsen das stark halluzinogen wirkende 5-MeO-DMT (5-Methoxy-Dimethyltryptamin) absondern. Dieser Stoff gilt als eines der potentesten bekannten Psychedelika – und ist zugleich ein hochgefährliches Nervengift, das bei falscher Dosierung tödlich wirken kann.
Lebensgefährliche Risiken für den Menschen
Der Toxikologe Professor Holger Barth von der Universität Ulm warnt eindringlich vor diesem Trend:
„Es ist nicht vorhersehbar, wie hoch die Konzentration der Giftstoffe in einem Krötensekret ist. Schon kleinste Mengen können starke Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Der Konsum kann zu Atemnot, Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zu Herzstillstand führen.“
In Laborstudien konnte gezeigt werden, dass Krötengifte neben halluzinogenen Substanzen auch Bufotenin und Bufotoxin enthalten – Stoffe, die auf das zentrale Nervensystem wirken und massive Störungen von Herzrhythmus und Blutdruck verursachen können. Eine medizinisch kontrollierte Dosierung ist dabei unmöglich, da jede Kröte unterschiedliche Mengen der Substanzen produziert, abhängig von Lebensraum, Jahreszeit und Stresslevel.
Gefahr für Tiere und Natur
Neben der gesundheitlichen Gefahr für Menschen leiden auch die Tiere unter diesem Trend. Der Amphibienforscher und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), Dr. Axel Kwet, kritisiert die Entwicklung scharf:
„Es ist furchtbar, dass dieser gefährliche Unsinn nun auch in Europa Nachahmer findet. Krötenlecken ist für alle Beteiligten katastrophal – für den Menschen wegen der toxischen Wirkung, und für die Tiere, weil sie durch den Umgang mit Menschen extremem Stress ausgesetzt sind oder sogar sterben.“
In den USA wurde bereits beobachtet, dass die Population der Colorado River Kröte durch das Einsammeln und Missbrauchen der Tiere stark zurückgegangen ist. Auch in Europa warnen Biologen davor, dass Nachahmungen des Trends Wildtiere gefährden könnten.
Rechtliche Konsequenzen
Der Konsum oder Besitz von 5-MeO-DMT ist in vielen Ländern, darunter auch in Deutschland und der Schweiz, illegal. Der Wirkstoff ist in der Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) gelistet, was bedeutet, dass Herstellung, Handel und Besitz strafbar sind. Wer also Krötengift konsumiert oder weitergibt, macht sich strafbar – zusätzlich zu den gesundheitlichen Risiken.
Experten raten dringend ab
Gesundheitsexperten, Tierschützer und Behörden sind sich einig: Das Krötenlecken ist kein harmloser oder „natürlicher“ Weg zu spirituellen Erfahrungen, sondern ein lebensgefährliches und grausames Experiment. Das Krötengift wirkt völlig unkontrollierbar – und ein einziger Fehlversuch kann tödlich enden.
Dr. Barth fasst es klar zusammen:
„Wer glaubt, sich mit Krötengift bewusstseinserweiternde Erlebnisse zu verschaffen, spielt mit seinem Leben. Das ist kein Trip, sondern ein medizinischer Notfall mit ungewissem Ausgang.“
Fazit
Das Krötenlecken ist ein hochriskanter Trend, der weder gesundheitlich noch spirituell zu rechtfertigen ist. Neben Lebensgefahr für Konsumenten bedeutet er Tierquälerei und Gesetzesverstöße. Fachleute appellieren daher an die Öffentlichkeit, sich nicht von Social-Media-Mythen verführen zu lassen und auf keinen Fall mit natürlichen Giften zu experimentieren.
Kröten sind keine Drogenlieferanten – sie sind schützenswerte Lebewesen.
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