Der ehemalige venezolanische General Hugo Carvajal – bekannt als „El Pollo“ – könnte im Drogenprozess gegen den gestürzten Präsidenten Nicolás Maduro als Kronzeuge auftreten. Carvajal, einst enger Vertrauter von Maduro und Geheimdienstchef unter Hugo Chávez, wurde 2021 in Spanien verhaftet und später in die USA ausgeliefert. Im Juni 2025 bekannte er sich in New York schuldig wegen Drogen- und Waffenschmuggels.
US-Behörden werfen Carvajal vor, eine zentrale Rolle im sogenannten „Kartell der Sonnen“ gespielt zu haben – einem Netzwerk hochrangiger venezolanischer Militärs und Politiker, das tonnenweise Kokain in die USA und nach Europa geschmuggelt haben soll. Laut früheren DEA-Ermittlern war Carvajal „der Macher“, der Treffen zwischen venezolanischen Offiziellen und Drogenkartellen koordinierte.
Carvajal schrieb im Dezember 2025 einen Brief an Präsident Trump und „das amerikanische Volk“. Darin bietet er an, umfassend auszusagen – auch über mögliche Verbindungen des Maduro-Regimes zu kolumbianischen Guerillas, kubanischen Agenten und der Terrororganisation Hisbollah. Zudem behauptet er, das Wahlsystem „Smartmatic“ sei vom Regime manipuliert worden und könne auch in den USA Wahlen beeinflussen – eine Behauptung, die Trump und seine Verbündeten bereits 2020 aufgestellt hatten, jedoch bisher unbelegt blieb. Smartmatic weist die Vorwürfe zurück.
Trotz seines Geständnisses wurde bislang keine offizielle Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit der US-Staatsanwaltschaft getroffen. Experten zufolge müsste Carvajal sehr belastbares Material liefern, um als glaubwürdiger Zeuge anerkannt zu werden – insbesondere angesichts seiner eigenen tiefen Verstrickung in die Drogenkriminalität.
Maduro und seine Frau Cilia Flores haben am 5. Januar in New York auf „nicht schuldig“ plädiert. Ihre Auslieferung erfolgte nach einer umstrittenen US-Militäraktion in Venezuela. Die Trump-Regierung rechtfertigt das Vorgehen mit dem Kampf gegen den internationalen Drogenhandel und Terrorismus.
Ob Carvajals Aussagen im Prozess zugelassen werden, hängt nun von der Einschätzung der US-Justiz ab – und davon, ob seine Informationen über das Regime als unverzichtbar gelten.
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