Europa muss sich dringend auf eine mögliche Erderwärmung von bis zu 3 Grad einstellen. Das fordert der Europäische Wissenschaftliche Beirat für Klimawandel (ESABCC). Laut dem Klimaforscher Maarten van Aalst sei der Schutz vor Extremwetter „keine Raketenwissenschaft“, sondern vielfach eine Frage des gesunden Menschenverstands.
Van Aalst, Mitglied des Beirats und Generaldirektor des Königlich-Niederländisches Meteorologisches Institut (KNMI), betont: Die Aufgabe sei zwar gewaltig, aber durchaus zu bewältigen. Europa zahle bereits jetzt den Preis für mangelnde Vorbereitung. Viele Maßnahmen seien zu zögerlich, kämen zu spät und reichten nicht aus.
In einem aktuellen Bericht warnt der ESABCC vor einer globalen Erwärmung von 2,8 bis 3,3 Grad bis zum Jahr 2100 – also deutlich mehr als das Ziel des Pariser Klimaabkommen von 2015, das die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzen sollte. Die Experten empfehlen sogar, noch extremere Szenarien in Betracht zu ziehen.
Die Folgen sind längst spürbar: 2021 starben im Ahrtal in Deutschland 134 Menschen bei Starkregen, 2024 kamen in der Region Valencia in Spanien 229 Menschen bei Überschwemmungen ums Leben. Hitzewellen fordern europaweit jedes Jahr zehntausende Todesopfer, viele davon stehen im Zusammenhang mit steigenden Temperaturen durch fossile Energien. Auch Waldbrände erreichten zuletzt Rekordausmaße.
Besonders alarmierend: Selbst wohlhabende Regionen Europas sind zunehmend überfordert. Frühwarnsysteme und Schutzmaßnahmen müssten dringend verbessert werden, so van Aalst. Extreme Wetterereignisse träfen inzwischen auch Länder hart, die sich bislang sicher fühlten.
Der Beirat empfiehlt verpflichtende Klimarisiko-Analysen, eine stärkere Verankerung von Klimaschutz und Anpassung in allen Politikbereichen sowie deutlich mehr Investitionen – auch aus privaten Quellen. Konkrete Kostenschätzungen nennt der Bericht jedoch nicht.
Van Aalst, der auch am letzten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mitwirkte, warnt eindringlich: Eine Welt mit 3 Grad Erwärmung sei mit schnell wachsenden Risiken verbunden. In manchen Bereichen stoße selbst die Anpassung an ihre Grenzen. Entscheidend bleibe deshalb, die Erderwärmung möglichst zu begrenzen.
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