Kinder- und Jugendpsychiater schlagen Alarm: Die Zahl junger Menschen, insbesondere Mädchen, die wegen Essstörungen behandelt werden müssen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Eva Möhler, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärte in der Rheinischen Post, dass soziale Netzwerke dabei eine wachsende Rolle spielen.
Gefahr durch „Skinny-Trends“
Auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Pinterest verbreiten sich immer wieder sogenannte „Skinny-Trends“ oder Pro-Ana-Inhalte (Pro-Anorexie). Diese glorifizieren extrem dünne Körperbilder, geben gefährliche Tipps zum Hungern oder regen zu ungesundem Essverhalten an. Laut Möhler können solche Inhalte bei Jugendlichen nicht nur bestehende Unsicherheiten verstärken, sondern auch aktiv zur Entwicklung einer Essstörung beitragen.
Eltern oft überfordert
Viele Eltern seien mit der Kontrolle des Medienkonsums ihrer Kinder schlicht überfordert – sowohl zeitlich als auch technisch. Die Algorithmen sozialer Medien befeuern das Problem, indem sie Betroffenen immer wieder ähnliche Inhalte vorschlagen, sobald einmal Interesse signalisiert wurde. So geraten Jugendliche schnell in eine Spirale aus ungesunden Vergleichen, Selbstkritik und riskantem Verhalten.
Alarmierende Zahlen
Besonders auffällig ist die Altersverschiebung: Von 2003 bis 2023 hat sich die Zahl der 10- bis 17-jährigen Mädchen, die wegen Magersucht in einer Klinik behandelt werden, verdoppelt. Die Gesamtzahl aller Behandlungsfälle bei Essstörungen blieb zwar im Zwanzigjahresvergleich fast gleich, doch immer jüngere Patientinnen sind betroffen.
Forderung nach klaren Regeln
Die Kinderpsychiater fordern deshalb strengere gesetzliche Vorgaben für soziale Netzwerke, darunter:
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Bessere Inhaltskontrolle und Löschung gesundheitsgefährdender Trends
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Transparente Altersverifikation und Schutzmechanismen für Minderjährige
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Aufklärungskampagnen über die Risiken bestimmter Online-Inhalte
Möhler betonte, dass Prävention im digitalen Zeitalter nicht nur Aufgabe von Familien und Schulen sei, sondern auch klare gesetzliche Rahmenbedingungen brauche.
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