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„Es geht um Einflusszonen“: Warum Putin auf Maduros Sturz möglicherweise nicht sofort reagiert

serbuxarev (CC0), Pixabay
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Im Mai letzten Jahres empfing Russlands Präsident Wladimir Putin den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro im Großen Kremlpalast – kurz vor den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland. Es war ein symbolträchtiger Moment, der Putins wichtigste Allianz in der westlichen Hemisphäre unterstrich. Flankiert von Außenminister Sergej Lawrow lobte Putin die „enge Zusammenarbeit“ zwischen Moskau und Caracas, die „maßgeblich der persönlichen Aufmerksamkeit“ Maduros zu verdanken sei.

Nach vertraulichen Gesprächen und einem offiziellen Frühstück unterzeichneten die beiden ein Abkommen über strategische Partnerschaft und Kooperation. Doch mit dem Sturz Maduros durch eine von US-Präsident Donald Trump angeordnete Militäroperation wurden die Grenzen dieser Partnerschaft offengelegt – und gleichzeitig strategische Möglichkeiten für den Kreml sichtbar, wie auf die neue Ära US-amerikanischer Kanonenbootpolitik zu reagieren ist.

Russlands diplomatische Reaktion auf die Operation ließ nicht lange auf sich warten. In einem Telefonat mit Venezuelas nunmehriger Interimspräsidentin Delcy Rodríguez verurteilte Lawrow den „bewaffneten Angriff“ der USA und bekundete „Solidarität mit dem venezolanischen Volk“, wie es in einer Mitteilung des Außenministeriums hieß.

Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Montag sprach der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja von einem „neuen Schub für Neokolonialismus und Imperialismus“, den Washington provoziere. Doch auffällig still blieb ausgerechnet die Stimme, die in Russland am meisten zählt: Wladimir Putin äußerte sich weder zum Sturz Maduros noch zur Beschlagnahmung eines russisch geflaggten Öltankers durch US-Streitkräfte.

Im Gegensatz dazu verurteilte Chinas Präsident Xi Jinping die Aktion als „einseitige Schikane“. Beobachter fragen sich nun, wie Moskau auf das neue militärische Selbstbewusstsein Washingtons reagieren wird.

Auf den ersten Blick scheint Maduros Sturz eine weitere geopolitische Niederlage für Putin zu sein. Im Dezember 2024 floh Syriens Präsident Assad – langjähriger Verbündeter Moskaus – nach dem Zusammenbruch seines Regimes nach Russland. Im Juni 2025 griffen die USA iranische Nuklearanlagen an – ein direkter Angriff auf einen weiteren strategischen Partner Russlands.

Moskau stellte damals klar, dass das Partnerschaftsabkommen mit Teheran keine militärische Beistandspflicht beinhalte. Auch gegenüber Venezuela war das Bündnis mehr symbolischer Natur. Die US-Operation zur Festnahme Maduros führte daher nicht zu einer militärischen Reaktion Russlands.

Für Russlands Rüstungsindustrie ist die Aktion eine Blamage: Unter Maduros Vorgänger Hugo Chávez hatte Venezuela seine Streitkräfte mit russischer Technik modernisiert – darunter S-300- und Buk-Luftabwehrsysteme. Maduro prahlte, das Land habe 5.000 russische Kurzstreckenraketen „strategisch positioniert“. Doch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spottete: „Anscheinend haben die russischen Luftabwehrsysteme nicht besonders gut funktioniert.“

Und doch könnte der Vorfall Putin strategisch nutzen. Trumps demonstrative Durchsetzung einer US-Einflusszone in Lateinamerika – von einigen als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet – liefert dem Kreml rhetorische Munition, um eigene imperiale Ambitionen, etwa in der Ukraine, zu legitimieren. Die Drohung, als Nächstes Grönland zu „übernehmen“ – ein autonomes Territorium Dänemarks und NATO-Mitglieds – dürfte ebenfalls auf Putins Zustimmung stoßen. Moskau nutzt seit Jahren Risse innerhalb der westlichen Allianz, um seine Interessen durchzusetzen.

Bei einem orthodoxen Weihnachtsgottesdienst am 7. Januar – dem Tag, an dem auch Maduro festgenommen und ein russischer Tanker beschlagnahmt wurde – zeigte sich Putin mit Soldaten und deren Familien. Seine Botschaft: Die russischen Streitkräfte führen einen heiligen Auftrag aus.

„Der Herr kam auf die Erde, um die Menschheit zu retten“, sagte Putin. „Und ebenso erfüllen die Soldaten Russlands diese Mission – das Vaterland zu verteidigen, das Mutterland zu retten. Sie tun dies wie beauftragt vom Herrn.“

Das Bild eines abtransportierten Maduro auf dem Weg in ein New Yorker Gerichtsgebäude könnte die Erinnerung an Putins eigenes Scheitern bei einem erfolgreichen Regimewechsel in der Ukraine wecken. Doch seine Botschaft bleibt klar: In der globalen Machtpolitik gilt weiterhin das Recht des Stärkeren.

 

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