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Erklärung: Was ist die Straße von Hormus – und warum ist sie so bedeutend?

CharlesRondeau (CC0), Pixabay
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Die Straße von Hormus ist eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt – und gerade jetzt steht sie erneut im Fokus internationaler Spannungen. Nach den Angriffen der USA und Israels auf iranische Nuklearanlagen drohen iranische Hardliner mit einer Blockade der Meerenge. Eine solche Eskalation könnte die weltweite Energieversorgung massiv gefährden.

Geografie und Bedeutung

Die Straße von Hormus ist eine nur 21 Meilen (ca. 34 Kilometer) breite Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Sie bildet den einzigen Seeweg für den Export von Erdöl aus den ölreichen Golfstaaten in alle Welt. Iran kontrolliert das nördliche Ufer der Meerenge.

Täglich werden etwa 20 Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus transportiert – das entspricht rund einem Fünftel der weltweiten Ölproduktion, so die US-Energiebehörde EIA. Damit gilt sie als eines der zentralen Nadelöhre der globalen Energieversorgung.

Eskalation lässt Ölpreise steigen

Nach den US-Luftangriffen auf iranische Nuklearanlagen am Wochenende stieg der Ölpreis zunächst deutlich an. Brent-Rohöl – der internationale Referenzwert – kletterte kurzzeitig auf über 80 US-Dollar pro Barrel, der höchste Stand seit Januar. Analysten warnen, dass eine Blockade der Straße die Preise rasch auf über 100 Dollar treiben könnte.

Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt davon ab, ob Teheran tatsächlich Vergeltung übt – insbesondere durch eine Blockade der Straße. Hossein Shariatmadari, ein einflussreicher Berater des iranischen Obersten Führers Ayatollah Khamenei, sagte: „Nach dem Angriff auf Fordow ist jetzt unsere Zeit gekommen.“ Die Straße sei von „absoluter Bedeutung für die Weltwirtschaft.“

Engpass mit geopolitischer Sprengkraft

Zwar ist die Meerenge offiziell 21 Meilen breit – doch für Supertanker stehen nur zwei jeweils zwei Meilen breite Schifffahrtsrouten zur Verfügung. Diese verlaufen durch iranische und omanische Hoheitsgewässer. Eine Blockade – etwa durch Minen, Schnellboote oder Raketenstellungen – wäre technisch möglich, aber politisch riskant.

Die Mehrheit des durch Hormus transportierten Rohöls geht nach Asien: Laut EIA gingen 2024 etwa 84 % des Rohöls und 83 % des Flüssigerdgases, die durch die Meerenge liefen, in asiatische Märkte. China – größter Abnehmer iranischen Öls – importierte allein im ersten Quartal 2025 rund 5,4 Millionen Barrel pro Tag durch die Straße. Auch Indien (2,1 Mio.) und Südkorea (1,7 Mio.) sind stark abhängig.

Dagegen sind die USA und Europa mit jeweils rund 400.000 bis 500.000 Barrel pro Tag deutlich weniger betroffen.

Risiken einer Blockade

Dennoch sehen viele Analysten eine vollständige Schließung der Straße von Hormus als „letztes Mittel“. Die Energieexpertin Vandana Hari erklärt: „Iran hat viel zu verlieren und wenig zu gewinnen.“ Eine Blockade würde nicht nur die Beziehungen zu Nachbarstaaten wie Oman oder Katar belasten, sondern auch Chinas Wohlwollen aufs Spiel setzen – ein Risiko, das Teheran sich kaum leisten könne.

Trotzdem bleibt die Lage fragil. Ein einziger Zwischenfall könnte die Seewege gefährden, Investoren verunsichern und eine weltweite Wirtschaftskrise auslösen.

Internationale Reaktionen

Chinas Außenministerium forderte am Montag alle Konfliktparteien zur Deeskalation auf: „Die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Stabilität in der Region liegt im gemeinsamen Interesse der internationalen Gemeinschaft“, erklärte Sprecher Guo Jiakun.

Auch Indien versucht zu beruhigen: Der indische Energieminister Hardeep Singh Puri versicherte auf der Plattform X, dass Indien seine Ölversorgung inzwischen diversifiziert habe und kurzfristig nicht auf Lieferungen durch die Straße von Hormus angewiesen sei.


Fazit:
Die Straße von Hormus ist mehr als nur ein geografischer Engpass – sie ist ein geopolitisches Machtinstrument. In Zeiten wachsender Spannungen kann sie zum Spielball strategischer Interessen werden – mit potenziell verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

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