Die Enthüllungen rund um Jeffrey Epstein reißen nicht ab – und mit der Veröffentlichung tausender neuer E-Mails gerät nun auch Kathy Ruemmler, ehemalige Chefjuristin im Weißen Haus unter Barack Obama, zunehmend ins Zwielicht.
Obwohl Ruemmler keine strafrechtlichen Vorwürfe drohen, zeigen über 100 E-Mail-Kontakte sowie mehr als 50 geplante Treffen mit Epstein zwischen 2014 und 2019 eine enge, persönliche Verbindung – weit über ein rein berufliches Verhältnis hinaus. Epstein bezeichnete sie mehrfach als seine „Verteidigerin“ und vertraute ihr offenbar auch bei der Planung seiner PR-Strategie zur Abwehr von Missbrauchsvorwürfen.
„Rehashed crap“ – Medienstrategie gegen Missbrauchsberichte?
In einer E-Mail von Juni 2018 reagierte Ruemmler auf einen Bericht zu Epsteins Vergehen mit den Worten: „Eine Novelle aus aufgewärmtem Mist“. Sie behauptet heute, damit die Berichterstattung gemeint zu haben – nicht die Vorwürfe selbst. Trotzdem zeigt ein Chatverlauf von 2019, dass Epstein sich bei einer Stellungnahme an die Washington Post auf einen „Ruemmler-Vorschlag“ stützte. Diese enthielt u.a. die Behauptung, Epstein sei von Ermittlern „unnötig hart“ verfolgt worden.
Auch bei der Reaktion auf die Enthüllungen der Miami Herald war Ruemmlers Name im Spiel. In einem Austausch mit Journalist Michael Wolff fragte Epstein, ob ihre Kontakte helfen könnten, die Story zu diskreditieren.
Goldman Sachs hält zu Ruemmler – trotz Kritik
Trotz dieser Enthüllungen bleibt Ruemmler Chief Legal Officer bei Goldman Sachs und Co-Vorsitzende des Reputationsrisiko-Ausschusses der Bank. Vorstandschef David Solomon lobte sie kürzlich öffentlich als „hervorragende Juristin“.
Goldman Sachs verteidigt sie mit dem Argument, dass es sich um eine rein berufliche Beziehung gehandelt habe. Doch interne Quellen des Unternehmens äußern laut CNN Zweifel: Die neuen Enthüllungen würden diese Darstellung zunehmend unglaubwürdig machen.
„Ich bedaure, Epstein je gekannt zu haben“
Ruemmler selbst distanziert sich inzwischen öffentlich von Epstein. Sie sagt, sie habe ihn nie vertreten, sei nicht von ihm bezahlt worden und habe keine Kenntnis von strafbaren Handlungen gehabt. Ihre Kontakte zu Epstein erklärt sie mit dessen Rolle als „Business-Kontakt“, der sie potenziellen Mandanten vorgestellt habe.
Trotzdem zeigen zahlreiche Mails und Kalendereinträge ein weit persönlicheres Verhältnis – inklusive Einladungen zu Dinnern, Gesprächen über Beauty-Termine und persönliche Nachrichten. In einem Text scherzte Epstein sogar über seine Vergangenheit, worauf Ruemmler nicht reagierte.
Fazit
Die Korrespondenz zwischen Ruemmler und Epstein legt nahe, dass sie eine enge Vertraute war – nicht nur Anwältin. Dass sie bis heute eine Schlüsselrolle bei Goldman Sachs innehat, wirft angesichts der Enthüllungen ernste Fragen zur unternehmerischen Verantwortung auf.
Kommentar hinterlassen