Mehrere Lizenznehmer des international tätigen Immobilienunternehmens Engel & Völkers sind in finanzielle Schieflage geraten – und das offenbar aufgrund einer überraschenden Entscheidung des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB). Das VZB, das als institutioneller Investor in verschiedene Projekte der Engel-&-Völkers-Gruppe involviert ist, hat vereinbarte Zahlungen kurzfristig verweigert. Die Folgen sind gravierend: Innerhalb weniger Wochen mussten gleich mehrere Gesellschaften Insolvenz anmelden.
EV Digital Invest AG als erstes betroffen
Besonders hart getroffen hat es die EV Digital Invest AG (EVDI), eine Crowdinvesting-Plattform unter Engel-&-Völkers-Lizenz. Das Unternehmen, das Immobilienprojekte über digitale Beteiligungsmodelle finanziert, stellte einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Grund: Ein zugesagtes Darlehen des VZB in Millionenhöhe wurde plötzlich nicht ausgezahlt. Der Vorstand von EVDI wirft dem Versorgungswerk einen klaren Bruch der vertraglichen Pflichten vor und spricht von einer „existenzbedrohenden Entscheidung“.
Kettenreaktion bei weiteren Lizenznehmern
Kurz darauf folgten zwei weitere Engel-&-Völkers-Ableger: Die EV Work Edition GmbH, Betreiber von Co-Working-Flächen, und die EV Venture Management AG, die Start-ups im Immobilien- und Dienstleistungsbereich betreut, meldeten ebenfalls Insolvenz an. Beide Unternehmen mit Sitz in der Hamburger HafenCity waren ebenfalls in Finanzierungsstrukturen eingebunden, bei denen das VZB eine tragende Rolle spielte.
VZB weist Verantwortung zurück
Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin weist die Vorwürfe zurück. Man habe die Zahlungen ausgesetzt, um das Vermögen der Mitglieder zu schützen. Zudem habe es aufsichtsrechtliche Bedenken hinsichtlich der Vertragsstrukturen gegeben. Ein Sprecher betonte, dass die Insolvenz der Engel-&-Völkers-Partner nicht allein auf die Entscheidung des VZB zurückzuführen sei, sondern auch auf deren eigene wirtschaftliche Lage.
Auswirkungen auf Engel & Völkers
Engel & Völkers selbst zeigt sich alarmiert und prüft mögliche rechtliche Schritte. Auch wenn das Unternehmen betont, dass die betroffenen Gesellschaften rechtlich eigenständig agieren, sorgen die Insolvenzen für einen Imageverlust. Branchenkenner sehen darin zudem ein Warnsignal: Lizenzmodelle, die stark von einzelnen Finanzierungsquellen abhängig sind, geraten in Krisen schnell ins Wanken.
Unsichere Zukunft für Anleger und Kunden
Für Anleger der EVDI sowie Kunden der betroffenen Gesellschaften ist die Lage ungewiss. Während bei EVDI über eine mögliche Fortführung unter neuer Finanzierung verhandelt wird, müssen sich Mieter und Projektpartner von EV Work Edition und EV Venture Management auf Verzögerungen und Vertragsänderungen einstellen.
Fazit: Die Ereignisse zeigen, wie abhängig selbst etablierte Marken wie Engel & Völkers von der Stabilität ihrer Finanzpartner sind. Der Konflikt zwischen den Lizenznehmern und dem VZB dürfte noch länger nachwirken – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch rechtlich.
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