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Empörung in Indien: Prada kopiert traditionelle Kolhapuri-Sandalen – und kassiert

qimono (CC0), Pixabay
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In der westindischen Stadt Kolhapur schlagen die Wellen hoch – und das liegt nicht am Monsun, sondern an einem Sandalenskandal. Tausende Kunsthandwerker, die dort seit Jahrhunderten die berühmten Kolhapuri Chappals – handgefertigte Ledersandalen – herstellen, werfen dem italienischen Luxuslabel Prada dreistes Design-Plagiat vor.

Prada präsentierte bei der Mailänder Fashion Week eine neue Kollektion edler Ledersandalen, die frappierend an die traditionellen Modelle aus Kolhapur erinnern – nur eben ohne jegliche Erwähnung der Herkunft. Statt 8 bis 10 US-Dollar pro Paar, wie sie in Indien üblich sind, könnten Pradas Varianten bald für bis zu 1.000 Pfund über den Laufsteg wandeln. Der empörte Kommentar eines örtlichen Handwerkers: „Haben die Goldsohlen?“

Ein Handwerk mit Geschichte – und Problemen

Die Ursprünge der Kolhapuri-Sandale reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ursprünglich von der marginalisierten Chamar-Gemeinschaft gefertigt, gewann das Handwerk Anfang des 20. Jahrhunderts an Anerkennung, als Kolhapurs damaliger Herrscher den Schuhmachern königliche Unterstützung gewährte. Heute sind landesweit rund 100.000 Menschen in der Sandalenproduktion tätig – doch meist unter prekären Bedingungen.

Die Löhne sind niedrig, die Arbeitsumstände oft miserabel. Viele Frauen übernehmen aufwendige Gravurarbeiten und verdienen dennoch nur wenige Dollar am Tag. Steigende Lederpreise, ein Verbot der Rinderschlachtung und der Importzwang für Büffelleder aus anderen Bundesstaaten machen die Situation nicht besser. Zudem überschwemmen Billigkopien aus Kunststoff den Markt und unterbieten die Originale.

Kulturelle Aneignung oder weltweite Bühne?

Die Empörung über Pradas Sandalen-„Inspiration“ war groß – besonders, weil keine Anerkennung der ursprünglichen Handwerker erfolgte. Inzwischen hat das Label eingeräumt, dass die Entwürfe auf Kolhapuri-Vorbildern basieren, und Gespräche mit dem indischen Industrieverband MACCIA angekündigt.

Dessen Präsident, Lalit Gandhi, setzt sich für ein Patent auf das Design ein und will internationale Schutzrechte durchsetzen. Zwar genießen Kolhapuri-Sandalen in Indien seit 2019 den Status einer „geschützten geografischen Angabe“ (GI), doch global fehlt ein bindender Schutz vor Design-Diebstahl.

Mehr als Mode: ein kulturelles Erbe

Für Designerin Ritu Beri ist die Lage klar: „Es geht um Respekt und Anerkennung – nicht nur um Ästhetik.“ Indien müsse verstärkt auf Co-Branding, Lizenzmodelle und internationale Schutzmechanismen setzen, um seine kulturellen Güter vor Ausbeutung zu schützen.

Trotz des Ärgers sehen einige Händler auch Chancen: „Das Design, das Prada zeigte, war hier eigentlich gar nicht besonders beliebt – aber jetzt wollen alle genau dieses Modell,“ sagt der Händler Rohit Balkrishna Gavali. Kunden aus Dubai, den USA und Katar hätten bereits Bestellungen aufgegeben.

Fazit:
Ein altes Handwerk trifft auf moderne Modeindustrie – und wird endlich gehört. Ob daraus echter Respekt, bessere Löhne und faire Partnerschaften entstehen, hängt nun nicht nur von Prada ab, sondern auch davon, wie Indien künftig mit seinem immensen kulturellen Erbe umgeht. Derzeit läuft eine Klage gegen Prada, in der Entschädigung und eine offizielle Zusammenarbeit mit den Handwerkern gefordert werden. Ein Gespräch zwischen MACCIA und Prada ist für kommende Woche geplant.

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