Start Politik Gesellschaft Emotionen und Affekte werden Salonfähig in der Forschung

Emotionen und Affekte werden Salonfähig in der Forschung

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Die Affektlogik von Ciompi war/ist eine Theorie zum Zusammenspiel von Fühlen, Denken und Verhalten. Als Theorie von Emotion, Kognition und Aktion, formulierte Ciompi eine Reihe von grundlegenden Zusammenhängen. In diesem Rahmen wurde der Begriff des Affekts als übergefühlsartige Befindlichkeiten aller Art verwendet und als eine ganzheitliche körperlich-seelische Gestimmtheit definiert.

Das Konzept wurde im Buch „Affektlogik“ von Luc Ciompi (1982) erstmals präsentiert[1]. Interessanterweise war nach diesem Feuerwerk erst einmal Pause. Die Ideen wurden vor allem in systemischen Therapieansätzen verwendet, aber dann weniger rezipiert.

Ute Frevert und ihr Team am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin untersuchten nun Emotionen in der Politik[2]. Sie gehen davon aus, dass sich Menschen als soziale Wesen für die Gefühle anderer interessieren. Im Gegensatz zu vielen Wirtschaftstheorien sind für Frevert Gefühle überall da wichtig, wo Menschen miteinander zu tun haben. Die Ergebnisse von Frevert zeigen, dass viele Aspekte der Geschichtsschreibung in neuem Licht erscheinen, wenn Emotionen einbezogen werden. Donald Trump brach etwa gezielt mit den Konventionen, um seine Wähler zu mobilisieren.

Nun haben wir mit diesen beiden Ansätzen zwei Bausteine, welche eigentlich zusammen gehören sollten. Beide Ansätze betrachten die gesellschaftlichen Vorgänge in der Politik isoliert voneinander. Nimmt man nun neue Medienplattformen hinzu, wie etwa Twitter, so zeigen sich sehr lebendige Beispiele von Emotionen und Politik. Diese werden sogar täglich aktualisiert, leider aber kaum beforscht. Forschung macht ja gerade dann Sinn, wenn wir ihre Ansätze auf die Realität anwenden und Verallgemeinerungen treffen können.

Gerade die letzten Jahre haben uns gezeigt wie sehr wir eine übergreifende Theorie der Emotionen brauchen würden, um die aktuellen Vorgänge in der Gesellschaft besser zuordnen zu können. Derzeit erleben wir nun einen Wildwuchs in den sozialen Medien, welcher kaum mehr kontrollierbar und verstehbar erscheint.

Die Forschung braucht einen neuen Keppler oder Kant, um die fehlenden Puzzleteile zusammen zu führen und eine erweiterte Theorie der praktischen Emotionsvorgänge zu begründen. Wir dürfen gespannt sein.

Salvatore Giacomuzzi

[1] http://www.ciompi.com/de

[2] https://www.mpg.de/18101870/regieren-mit-gefuehl

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