Emma Bloomberg, Tochter des ehemaligen New-York-Bürgermeisters und Unternehmers Michael Bloomberg, gehört zu den „Women of the Year 2026“ von USA TODAY. Ausgezeichnet werden Frauen, die mit ihrer Arbeit einen besonderen Einfluss auf Gesellschaft und Gemeinschaft haben.
Schon in ihrer Kindheit spielte Politik eine Rolle. Jedes Jahr am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, mussten Emma und ihre Schwester Georgina ihrem Vater die Unabhängigkeitserklärung der USA vortragen. Als Kind empfand sie das als mühsam – heute sagt sie, dass diese Tradition ihr politisches Denken geprägt habe.
„Ich bin Patriotin“, sagt Bloomberg. Wenn sie auf ihr Leben zurückblicke, denke sie oft: „Only in America“ – nur in Amerika seien solche Chancen möglich. Diese Überzeugung treibt auch ihre heutige Arbeit an.
Hilfe für kleine Organisationen
Bloomberg ist Gründerin und Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Murmuration. Ihr Ziel ist es, kleinen lokalen Initiativen Zugang zu Daten, Technologie und strategischen Werkzeugen zu verschaffen – Ressourcen, die normalerweise großen Unternehmen oder politischen Organisationen vorbehalten sind.
Viele Bürgerinitiativen hätten zwar Engagement und Ideen, seien aber gegenüber gut finanzierten Institutionen klar im Nachteil. Häufig arbeiteten Freiwillige noch mit Notizblöcken und handgeschriebenen Listen, während etablierte politische Organisationen mit großen Datensystemen arbeiten.
Murmuration will genau diese Lücke schließen. Die Plattform ermöglicht lokalen Gruppen beispielsweise Zugriff auf Wählerdaten und Analysewerkzeuge, die für Wahlkampagnen oder politische Initiativen entscheidend sein können.
Michael Buman, Leiter der Organisation LEE, die Menschen für lokale politische Ämter ausbildet, beschreibt den Effekt so:
Wenn der politische Wettbewerb „David gegen Goliath“ sei, dann sei Murmuration „die größte Steinschleuder, die man bekommen kann“.
Der Weg zur Gründerin
Bloombergs Karriere verlief keineswegs geradlinig. An der Princeton University studierte sie zunächst mittelalterliche Literatur – ein Studienfach, das ihre Eltern nach eigenen Angaben mehrfach skeptisch kommentierten.
Später folgten Masterabschlüsse in öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft an der Harvard University. Danach arbeitete sie kurz für die Stadtverwaltung von New York während der Amtszeit ihres Vaters.
Anschließend verbrachte sie mehrere Jahre bei der Robin Hood Foundation, einer Organisation, die Armut in New York bekämpft. Dort erkannte sie ein wiederkehrendes Problem: lokale Initiativen hatten oft wenig Ressourcen, obwohl sie wichtige gesellschaftliche Arbeit leisten.
2014 gründete sie schließlich Murmuration.
Ein Netzwerk nach dem Vorbild der Natur
Der Name der Organisation ist von einem Naturphänomen inspiriert: dem „Murmuration“, dem beeindruckenden Formationsflug von Staren. Dabei orientiert sich jeder Vogel an den Bewegungen seiner unmittelbaren Nachbarn.
Bloomberg wollte ein ähnliches Netzwerk schaffen: Viele unabhängige Organisationen, die voneinander lernen und gemeinsam stärker werden.
Heute arbeitet Murmuration mit 269 Organisationen in 26 US-Bundesstaaten zusammen. Dazu gehören Initiativen für Wahlrechtsreformen ebenso wie lokale Elternbewegungen, die sich für bessere Schulen einsetzen.
Ein Beispiel ist die Organisation Memphis Lift, die sich für bessere Bildungschancen einsetzt. Während ihre Treffen früher nur in kleinen Räumen stattfanden, sind inzwischen mehr als 14.000 Eltern aktiv beteiligt.
Veränderung beginnt lokal
Für Bloomberg liegt der Schlüssel zur Erneuerung der Demokratie vor allem auf lokaler Ebene. Während nationale Politik oft polarisiert und von lautem Streit geprägt sei, funktioniere Zusammenarbeit in Gemeinden häufig besser.
„Unsere Kinder gehen auf dieselbe Schule oder wir sehen uns auf der Straße“, sagt sie. „Wir müssen miteinander auskommen – auch wenn wir nicht in allem einer Meinung sind.“
Hoffnung trotz politischer Zweifel
Bloomberg weiß, dass viele junge Menschen inzwischen skeptischer gegenüber dem amerikanischen Traum sind. Studien zeigen, dass nur noch rund 39 Prozent der Generation Z glauben, dass harte Arbeit automatisch zu sozialem Aufstieg führt.
Trotzdem bleibt sie optimistisch. Gerade junge Menschen engagierten sich zunehmend freiwillig in ihren Gemeinden.
„Sie verlieren nicht die Hoffnung, dass sie in ihren eigenen Gemeinschaften etwas verändern können“, sagt sie.
Ihr Rat fürs Leben
Auch ihren eigenen Kindern gibt sie eine klare Botschaft mit: Man müsse nicht schon früh einen festen Lebensplan haben.
„Das Leben verläuft nicht linear“, sagt Bloomberg. „Wenn sich Chancen ergeben, nutze sie. Und wenn sie nicht kommen – dann geh hinaus und finde sie.“
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