Was wie eine Szene aus einem Kriminalfilm klingt, hat sich tatsächlich in Mitteldeutschland abgespielt: Eine mutmaßlich organisierte Diebesbande soll über Monate hinweg Kupfer, Aluminium und andere wertvolle Metalle gestohlen haben. Ein unscheinbarer Kassenzettel soll den Ermittlern entscheidend geholfen haben, den Tätern auf die Spur zu kommen.
Die Kriminalpolizei Nordhausen hat nach monatelangen Ermittlungen einen bedeutenden Schlag gegen eine mutmaßlich organisierte Metalldiebesbande geführt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppierung aus Halle-Neustadt, deren Mitglieder im Verdacht stehen, in mehreren Bundesländern gewerbsmäßig Buntmetalle und Werkzeuge gestohlen zu haben.
Der entstandene Schaden soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen.
Ein Kassenzettel als entscheidende Spur
Besonders bemerkenswert ist ein Detail der Ermittlungen: Ein weggeworfener Kassenzettel soll der Polizei geholfen haben, die Spur zu den mutmaßlichen Tätern aufzunehmen.
Auch Überwachungsaufnahmen spielten offenbar eine wichtige Rolle. Bei einem Einbruch auf einem Firmengelände nahe Perleberg in Brandenburg wurden mehrere Männer gefilmt, die Kabeltrommeln in einen Transporter luden.
Die Ermittler konnten nach Medienberichten Personen auf Videoaufnahmen identifizieren und ihre Erkenntnisse miteinander verknüpfen.
Sonderkommission „Harpyie“ ermittelt monatelang
Bereits vor mehreren Monaten hatte die Kriminalpolizei Nordhausen die Sonderkommission „Harpyie“ eingerichtet.
Die mutmaßlichen Täter sollen insbesondere Baustellen, Solarparks, Windparks und Unternehmen ins Visier genommen haben. Dabei verschwanden unter anderem Kupferkabel, Aluminiumplatten und Werkzeuge.
Bei einer Observation in Leipzig konnten Polizisten schließlich mehrere Verdächtige bei einem mutmaßlichen Einbruch stellen. Anschließend folgten umfangreiche Durchsuchungen in Halle-Neustadt.
Fünf Verdächtige in Untersuchungshaft
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden befanden sich am 26. Oktober fünf Männer in Untersuchungshaft. Insgesamt waren damals 14 Tatverdächtige bekannt, während sich die Untersuchungen auf ein möglicherweise wesentlich größeres Netzwerk erstreckten.
Die Polizei beschlagnahmte zehn Fahrzeuge, die mutmaßlich für Straftaten eingesetzt worden waren.
Allein auf einer Baustelle für eine Starkstromtrasse in Thüringen soll ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro entstanden sein.
Metalldiebstahl entwickelt sich zum Millionenproblem
Die Ermittlungen verdeutlichen ein wachsendes Problem für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber.
In Thüringen registrierte die Polizei 2023 noch 230 Buntmetalldiebstähle. In den Jahren 2024 und 2025 waren es jeweils mehr als 400 Fälle.
Die Aufklärungsquote lag dabei unter 25 Prozent.
Für die Täter sind insbesondere Kupfer und Aluminium aufgrund ihrer hohen Marktpreise attraktiv. Für geschädigte Unternehmen entstehen neben dem Materialverlust häufig zusätzliche Kosten durch Bauverzögerungen, Reparaturen und Betriebsunterbrechungen.
Ermittlungen könnten noch weitere Fälle aufklären
Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen geht davon aus, dass die bisherigen Erkenntnisse möglicherweise erst einen Teil des tatsächlichen Tatgeschehens abbilden.
Weitere Ermittlungen sollen klären, wie umfangreich das Netzwerk tatsächlich war, welche Einbrüche den Verdächtigen zugeordnet werden können und über welche Wege das gestohlene Metall verkauft wurde.
Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Fazit: Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie aus einem zunächst unscheinbaren Beweisstück eine umfangreiche kriminalistische Untersuchung entstehen kann. Ein weggeworfener Kassenzettel könnte damit zum Symbol einer der bemerkenswertesten Ermittlungen gegen organisierte Metalldiebstähle in Mitteldeutschland werden.
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