Nach der unbefristeten Suspendierung von „Jimmy Kimmel Live!“ am 17. September melden sich in den USA immer mehr Nutzer mit Kündigungen von Disney+ und Hulu zu Wort. Unter den Hashtags #CancelDisney und #CancelDisneyPlus posten Fans Screenshots ihrer Abo-Beendigungen. Auslöser ist der Vorwurf, Disneys TV-Sender ABC habe Kritik an Präsident Donald Trump mundtot gemacht.
Was passierte?
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Nexstar Media, einer der größten ABC-Affiliate-Gruppen, kündigte an, Kimmels Sendung nicht mehr auszustrahlen. Kurz darauf zog ABC die Show komplett aus dem Programm.
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Vorausgegangen waren Kimmels Kommentare vom 15. September zur Erschießung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk. Kimmel kritisierte Versuche, den mutmaßlichen Täter politisch zu instrumentalisieren; Konservative warfen ihm eine MAGA-Zuordnung ohne gesichertes Motiv vor.
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FCC-Vorsitzender Brendan Carr nannte Kimmels Aussagen „das krankhafteste Verhalten“ und drängte Disney zum Handeln – verbunden mit dem Hinweis auf mögliche Konsequenzen für Lizenzen.
Reaktionen von Fans und Prominenten
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Nutzer kündigen massenhaft: „Das ist kein slippery slope, das ist eine Klippe – und Disney ist gesprungen“, heißt es u. a. auf Reddit.
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Stars schalten sich ein: Tatiana Maslany („She-Hulk“) rief ihre Fans zum Kündigen von Disney+, Hulu und ESPN auf; Misha Collins und Wil Wheaton kündigten öffentlich ihre Abos.
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David Letterman warnte vor „managed media“ und warf Disney vor, „aus Angst einem autoritären Kurs zu folgen“.
„Zensur oder Business?“ – Pence widerspricht
Ex-Vizepräsident Mike Pence sieht keine staatliche Zensur, da die Entscheidung bei ABC gelegen habe. Zugleich meinte er, er hätte es bevorzugt, wenn der FCC-Chef sich nicht eingemischt hätte. Für Kritiker bleibt der Punkt: Carrs öffentliche Drohung habe faktisch politischen Druck erzeugt.
Warum auch Hulu betroffen ist
Hulu gehört zu Disney; deshalb richtet sich der Boykott auch gegen dieses Angebot (#CancelHulu). Beobachter sehen in den Kündigungen eine Signal-Aktion, mit der Zuschauer vermeintliche Einschnitte in die Meinungsfreiheit sanktionieren wollen.
Einordnung
Der Fall berührt die Schnittstelle von Presse- und Kunstfreiheit, Konzernentscheidungen und politischer Einflussnahme. Während Disney sich bislang nicht zu Abozahlen äußerte, zeigt die Wucht der Reaktionen, wie schnell Content-Entscheidungen in der Streaming-Ökonomie markenübergreifend durchschlagen können. Ob es bei einem kurzfristigen Protest bleibt – oder ob der Boykott langfristige Kundenzahlen trifft –, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
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