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Direktzug von Deutschland nach London rückt näher – Berlin und London unterzeichnen Absichtserklärung

TheOtherKev (CC0), Pixabay
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Deutschland und Großbritannien wollen erstmals eine durchgehende, umstiegsfreie Bahnverbindung zwischen beiden Ländern schaffen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und seine britische Amtskollegin Heidi Alexander haben dazu in Berlin eine bilaterale Absichtserklärung unterzeichnet. Kern des Projekts ist die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce, die sämtliche organisatorischen, rechtlichen und technischen Hürden für eine solche Verbindung aus dem Weg räumen soll.

Das langfristige Ziel: In den kommenden Jahren sollen die ersten Direktzüge aus Deutschland über den Eurotunnel nach London fahren – ohne Umstieg in Brüssel oder Paris. Damit würde eine Lücke im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz geschlossen, die Bahnreisen zwischen deutschen Metropolen und der britischen Hauptstadt deutlich attraktiver machen könnte.

Brexit macht Grenzformalitäten zur Herausforderung

Ein zentrales Hindernis sind die Grenzkontrollen seit dem Brexit. Pass- und Zollabfertigungen müssen sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise stattfinden. Im Flugverkehr wird dies unkompliziert an Flughäfen abgewickelt, im Zugbetrieb erfordert es jedoch spezielle Infrastrukturlösungen:

  • Kontrollbereiche in deutschen oder britischen Bahnhöfen, in denen die Reisenden vor der Abfahrt abgefertigt werden.

  • Kontrollen an Bord während der Fahrt, was allerdings den betrieblichen Ablauf verlangsamen könnte.
    Die Taskforce soll praxistaugliche Modelle entwickeln, die die Anforderungen beider Länder erfüllen und den Reiseablauf für Passagiere möglichst reibungslos gestalten.

Technische und betriebliche Fragen

Neben den Grenzformalitäten stehen auch technische Zulassungen im Fokus. Für Fahrten durch den Eurotunnel müssen Züge spezielle Sicherheitsstandards erfüllen, beispielsweise besondere Brandschutz- und Evakuierungssysteme. Außerdem sind Genehmigungen für den Einsatz sowohl im deutschen als auch im britischen Schienennetz erforderlich.
Ein weiteres Thema ist die Integration in den internationalen Fahrplan, um kurze Reisezeiten und optimale Anschlüsse zu gewährleisten.

Mögliche Streckenführungen

Als wahrscheinlichste Verbindung gilt derzeit eine Hochgeschwindigkeitsstrecke über Köln, Brüssel und Lille, von wo aus der Anschluss an den bestehenden Eurostar-Verkehr nach London möglich ist. Denkbar sind aber auch direkte Verbindungen ab Frankfurt oder Berlin, wobei in letzterem Fall Zwischenhalte in Hannover und Köln wahrscheinlich wären.

Klimafreundliche Alternative zum Flugzeug

Bahnreisen zwischen Deutschland und Großbritannien sind derzeit nur mit mindestens einem Umstieg möglich, was viele Reisende zum Flugzeug greifen lässt. Mit einer Direktverbindung könnte sich die Reisezeit deutlich verkürzen und der CO₂-Ausstoß pro Passagier im Vergleich zum Flug massiv sinken. Das Projekt würde somit nicht nur die Verkehrsanbindung verbessern, sondern auch zur Erreichung der Klimaziele beitragen.

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