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Diplomatie, Diskretion und Dollar – Norwegens Elite stolpert über alte Kontakte

jorono (CC0), Pixabay
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Norwegen, Land der Fjorde, des Friedensnobelpreises und – ganz überraschend – der äußerst großzügigen Testamentseinträge: Die norwegische Top-Diplomatin Mona Juul hat ihren Botschafterposten abgegeben. Grund dafür sind weniger diplomatische Verstimmungen im Nahen Osten als vielmehr alte Bekanntschaften mit einem Mann, dessen Name inzwischen als internationales politisches Fettnäpfchen mit Eigenleben gilt: Jeffrey Epstein.

Nach Einleitung von Ermittlungen legte Juul ihre Ämter als Botschafterin in Jordanien und im Irak zurück. Zuvor war sie bereits suspendiert worden – offenbar, um in Ruhe darüber nachzudenken, wie genau zehn Millionen Dollar für die eigenen Kinder in einem Testament gelandet sein könnten, das man selbst wirklich nie bestellt hatte.

Dabei galt Juul jahrzehntelang als Aushängeschild norwegischer Diplomatie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Terje Röd-Larsen war sie maßgeblich an den geheimen Verhandlungen beteiligt, die in den 1990er‑Jahren zu den Oslo-Friedensabkommen führten. Heute stellt sich die Frage: War damals wirklich alles geheim – oder nur nicht gut genug archiviert?

Außenminister spricht von „richtiger Entscheidung“ – sagt also nichts Neues

Norwegens Außenminister Espen Barth Eide erklärte Juuls Rücktritt zu einer „richtigen und notwendigen Entscheidung“. Übersetzt aus dem diplomatischen Norwegisch heißt das: „Das wird uns sonst ewig auf die Füße fallen.“ Man werde weiterhin mit Juul sprechen, um das „Ausmaß der Verbindungen“ zu klären – ein Ausdruck, der irgendwo zwischen Kaffeeplausch und Befragung im Verhörraum angesiedelt ist.

Akten, Akten – überall Akten

Auslöser des aktuellen Politbebens war die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen weiterer Epstein-Dokumente durch das US-Justizministerium. Ein gigantischer Papierberg, der offenbar das halbe internationale Establishment kennt – oder zumindest schon einmal gegrüßt hat.

Neben Juul tauchen darin auch andere bekannte norwegische Namen auf, etwa Ex-Premier Thorbjørn Jagland sowie Børge Brende, früher Außenminister und heute Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos – also genau dort, wo man sich diskret trifft, um über Diskretion zu reden.

Königshaus nicht ganz außen vor

Besonders unangenehm dürfte es für Norwegens Königsfamilie geworden sein. Kronprinzessin Mette‑Marit räumte „peinliche Fehler“ ein, nachdem bekannt wurde, dass ihr Name in den neuen Epstein-Akten mindestens tausend Mal auftaucht. Tausend. Mal. Man könnte fast meinen, das Dokument sei ein Roman – leider kein guter.

Rücktrittsfieber auch international

Der Aktenregen beschränkt sich nicht auf Norwegen. Auch in Großbritannien, Frankreich und den USA fordern Politiker Rücktritte – teilweise prophylaktisch, teilweise sehr laut.

In den Vereinigten Staaten nahm der republikanische Abgeordnete Thomas Massie zuletzt Handelsminister Howard Lutnick ins Visier. Er behauptete, Lutnick sei nach Epsteins Verurteilung noch geschäftlich mit ihm verbandelt gewesen – inklusive Aufenthalt auf dessen berüchtigter Privatinsel. Massies Empfehlung:
„Er sollte dem Präsidenten das Leben leichter machen und einfach zurücktreten.“
Eine politische Version von: „Es wäre jetzt wirklich angebracht, still zu gehen.“

Zwar gilt weiterhin: Die bloße Erwähnung in den Akten ist kein Beweis für Fehlverhalten. Aber in diesen Tagen scheint schon eines klar zu sein:
Wer jemals in Epsteins Nähe war, steht jetzt sehr plötzlich im Mittelpunkt unerwünschter Aufmerksamkeit – ganz egal, ob Diplomat, Minister oder Kronprinzessin.

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