Die Europäische Zentralbank (EZB) will die digitale Revolution des Geldes vorantreiben: Spätestens im Jahr 2029 soll der digitale Euro Realität werden – als offizielle, sichere und staatlich kontrollierte Ergänzung zum Bargeld. Der EZB-Rat beschloss nun in seiner Sitzung im italienischen Florenz, die Vorbereitungen für die digitale Währung des Euroraums zu intensivieren.
Damit reagiert die Notenbank auf den rasanten Wandel im Zahlungsverkehr – und auf die Dominanz amerikanischer Anbieter wie PayPal, Mastercard und Visa, die bislang den europäischen Markt beherrschen.
Digitale Zahlungen „made in Europe“
Der digitale Euro soll kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zum Bargeld sein – so betont es die EZB immer wieder. Ziel ist es, den Bürgerinnen und Bürgern eine sichere, staatlich garantierte digitale Zahlungsmöglichkeit zu bieten, die unabhängig von privatwirtschaftlichen Plattformen funktioniert.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits mehrfach betont, dass Europa seine „finanzielle Souveränität“ im digitalen Zahlungsverkehr stärken müsse.
„Wenn wir in Zukunft digital bezahlen, sollte das mit einer europäischen Lösung geschehen – nicht nur mit US-Kreditkarten oder Tech-Konzernen“, so die Notenbankchefin.
So sieht der Zeitplan aus
Nach aktuellem Stand könnte der digitale Euro 2026 einen rechtlichen Rahmen bekommen. Falls das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten bis dahin zustimmen, soll 2027 ein Pilotprojekt beginnen – mit ersten Tests und ausgewählten Transaktionen.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte der digitale Euro ab 2029 offiziell eingeführt werden.
Laut EZB werden die Gesamtkosten des Projekts bis 2029 auf etwa 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Anschließend sollen die jährlichen Betriebskosten rund 320 Millionen Euro betragen.
Datenschutz, Alltagstauglichkeit und Vertrauen – die zentralen Fragen
Ob der digitale Euro im Alltag funktioniert, hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch vom Vertrauen der Bürger. Viele Menschen fürchten, dass der digitale Euro den Weg in eine bargeldlose Überwachungsgesellschaft ebnen könnte.
Die EZB betont dagegen, dass Datenschutz oberste Priorität habe. Der digitale Euro soll so gestaltet werden, dass Transaktionen offline und ohne vollständige Nachverfolgung möglich sind – ähnlich wie beim Bargeld.
Zudem soll die EZB selbst keine persönlichen Daten speichern. Stattdessen könnten Banken oder Zahlungsdienstleister die technische Abwicklung übernehmen, während die Zentralbank die Währung garantiert.
Bargeld bleibt – gesetzlich geschützt
Um Sorgen vor einer schleichenden Abschaffung von Scheinen und Münzen zu zerstreuen, hat die EU-Kommission angekündigt, Bargeld gesetzlich zu schützen. Ein entsprechendes Gesetz soll sicherstellen, dass Euro-Bargeld weiterhin überall akzeptiert und leicht verfügbar bleibt.
So soll der digitale Euro nicht das Bargeld ersetzen, sondern ergänzen – eine Art modernes Pendant im Zeitalter von Smartphones, Online-Shopping und Sofortüberweisungen.
Fazit: Europa wagt den Schritt in die digitale Geldzukunft
Mit dem digitalen Euro will die EZB ein Zeichen setzen: Europa soll beim digitalen Bezahlen nicht länger Zuschauer, sondern Taktgeber sein.
Bis 2029 könnte der digitale Euro Realität werden – als sicheres, europäisches Gegenstück zu den globalen Zahlungsriesen.
Doch die Herausforderung bleibt gewaltig: Technologie, Datenschutz, Vertrauen und politische Einigkeit müssen Hand in Hand gehen, damit der Euro auch digital überzeugt.
Ob der digitale Euro den Sprung vom Pilotprojekt zur Alltagswährung schafft, wird entscheiden, wie Europa in Zukunft bezahlt – und wem es dabei vertraut.
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