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Diese Maschen sind perfide – und leider wirkungsvoll

Visiventas (CC0), Pixabay
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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime zu aktuellen BaFin-Warnungen vor betrügerischen Finanzplattformen**

Redaktion: Herr Reime, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in den letzten Wochen gleich mehrfach vor betrügerischen Plattformen gewarnt – unter anderem vor Red Rock Kapital, TepraInvest Gen, GS Force und ZKTrade Pro. Was genau ist da los?

Jens Reime: Wir sehen derzeit eine massive Welle betrügerischer Online-Plattformen und App-Angebote, die Verbraucher mit vermeintlich lukrativen Finanzprodukten oder Kryptowerten ködern. Die Täter nutzen professionelle Webseiten, falsche Identitäten und sogar bekannte App-Stores oder Messenger-Dienste wie WhatsApp, um Seriosität vorzutäuschen. Doch hinter diesen Angeboten stecken in Wahrheit illegale Anbieter ohne jede Zulassung durch die BaFin.


Redaktion: Die BaFin warnt konkret vor Websites wie redrockkapital.com und mehreren teprainvest-gen-Domains. Was ist daran besonders problematisch?

Reime: Besonders perfide ist, dass diese Seiten suggerieren, es handle sich um regulierte Unternehmen – manche behaupten sogar, sie stünden unter Aufsicht der BaFin, was schlicht falsch ist. Im Fall von Red Rock Kapital geben die Betreiber sogar vor, Festgeldanlagen in die Niederlande zu vermitteln. Dabei existiert kein Zusammenhang zur realen Red Rock Capital AG in Düsseldorf. Es handelt sich hier eindeutig um Identitätsmissbrauch und gewerbsmäßigen Betrug.


Redaktion: Wie funktionieren solche Betrugsmaschen konkret?

Reime: Die Täter kontaktieren Interessenten meist über E-Mail oder soziale Netzwerke. Häufig werden gefälschte Dokumente, Screenshots von „Gewinnen“ oder falsche Impressumsangaben verwendet. In den WhatsApp-Gruppen, etwa bei GS Force oder ZKTrade Pro, wird der Eindruck erweckt, man könne schnell und einfach hohe Renditen erzielen. Die Realität ist: Verbraucher überweisen Geld an unbekannte Dritte – oft ins Ausland – und sehen ihr Kapital nie wieder.


Redaktion: Warum sind diese Warnungen der BaFin so wichtig?

Reime: Die BaFin informiert öffentlich nach § 37 Absatz 4 Kreditwesengesetz, sobald der Verdacht besteht, dass ohne Erlaubnis Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen angeboten werden. Diese Hinweise sind extrem wichtig, denn ohne BaFin-Erlaubnis sind solche Angebote illegal – und oft auch vollständig betrügerisch. Betroffene haben dann kaum eine Chance, ihr Geld zurückzuerhalten.


Redaktion: Wie können sich Verbraucher schützen?

Reime: Erstens: Immer auf der offiziellen Seite der BaFin prüfen, ob ein Anbieter eine gültige Lizenz hat. Zweitens: Misstrauisch werden, wenn hohe Gewinne bei geringem Risiko versprochen werden – das ist fast immer ein Warnsignal. Drittens: Keine persönlichen Daten, Bankverbindungen oder Ausweiskopien an unbekannte Anbieter senden. Und viertens: Wenn man unsicher ist, sollte man vor einer Investition rechtlichen Rat einholen – auch präventiv.


Redaktion: Was tun, wenn man bereits Geld überwiesen hat?

Reime: Schnell handeln! Die Chancen, das Geld zurückzubekommen, sind gering, aber je früher man reagiert, desto besser. Ich empfehle dringend, sofort Anzeige bei der Polizei zu erstatten, die Bank zu informieren und eine anwaltliche Prüfung der Ansprüche einzuleiten – auch gegenüber Drittbeteiligten, etwa Zahlungsvermittlern. Manchmal lassen sich zivilrechtliche Ansprüche oder Rückbuchungen durchsetzen, wenn man schnell genug reagiert.


Redaktion: Vielen Dank, Herr Reime, für die klaren Worte und die wichtigen Hinweise.

Jens Reime: Sehr gern – Aufklärung ist in diesen Fällen der beste Schutz.


Kurz gefasst: Das sollten Verbraucher:innen jetzt beachten

  • ❌ Keine Investitionen über nicht lizensierte Plattformen

  • ✅ Anbieter immer über die BaFin-Unternehmensdatenbank prüfen

  • ⚠️ Keine persönlichen Daten an unbekannte Kontakte weitergeben

  • 📞 Bei Verdacht: Anzeige erstatten & rechtlichen Beistand suchen

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