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„Die BaFin greift durch – Payone muss jetzt liefern“

styles66 (CC0), Pixabay
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Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bintschev über die Maßnahmen gegen die Payone GmbH

Die BaFin hat der Payone GmbH strengere Auflagen erteilt: Das Unternehmen muss höhere Eigenmittel vorhalten und Mängel in der Geldwäscheprävention beseitigen. Zudem wurde ein Sonderbeauftragter bestellt, der die Umsetzung dieser Maßnahmen überwacht. Die Probleme reichen von mangelhaften IT-Systemen bis hin zu unzureichendem Transaktionsmonitoring.

Wir sprechen mit Rechtsanwältin Kerstin Bintschev, einer Expertin für Finanzaufsichtsrecht und Geldwäscheprävention, über die Konsequenzen für das Unternehmen und die gesamte Branche.

„Die BaFin setzt ein klares Signal an die Finanzbranche“

Frau Bintschev, wie bewerten Sie die Maßnahmen der BaFin gegen Payone?

Kerstin Bintschev:
Die BaFin setzt hier ein deutliches Zeichen, dass sie Mängel in der Finanzbranche nicht länger duldet. Das ist besonders relevant für den Zahlungsdienstleistungssektor, der eine zunehmend wichtigere Rolle im Finanzsystem spielt.

Das Problem bei Payone sind systematische Defizite:

  1. Mangelhafte IT-Strukturen – hier geht es um die technische Infrastruktur, die Zahlungsflüsse verarbeitet und Risiken erkennt.
  2. Unzureichende Geldwäscheprävention – das betrifft vor allem Risikobewertungen und Transaktionsüberwachungen.

Diese Mängel sind nicht neu. Bereits 2022 gab es eine Sonderprüfung, die Schwächen aufgedeckt hat. Dass nun zwei Jahre später immer noch Probleme bestehen, zeigt, dass Payone die bisherigen Maßnahmen nicht konsequent umgesetzt hat.

„Höhere Eigenmittelanforderungen als Disziplinarmaßnahme“

Warum muss Payone nun mehr Eigenmittel vorhalten?

Kerstin Bintschev:
Die BaFin kann von einem Institut verlangen, dass es zusätzliche Eigenmittel vorhält, wenn gravierende Mängel in der Geschäftsorganisation festgestellt werden.

Das dient mehreren Zwecken:
Finanzielle Absicherung: Falls durch die Mängel wirtschaftliche Schäden entstehen, ist das Unternehmen widerstandsfähiger.
Druck auf das Management: Höhere Kapitalanforderungen können dazu führen, dass das Unternehmen schneller und effizienter Reformen umsetzt.
Risikominimierung für das Finanzsystem: Zahlungsdienstleister sind zentrale Akteure im Zahlungsverkehr. Fehlerhafte Systeme könnten Missbrauch für Geldwäsche oder Betrug begünstigen.

Das bedeutet für Payone: Solange die Probleme nicht behoben sind, bleibt das Unternehmen unter strenger finanzieller Kontrolle.

„Geldwäscheprävention ist kein Optionalprogramm“

Wie schwerwiegend sind die Mängel in der Geldwäscheprävention?

Kerstin Bintschev:
Sie sind sehr ernst. Die Finanzbranche steht in der Verantwortung, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Die gesetzlichen Vorgaben sind im Geldwäschegesetz (GwG) klar geregelt.

Bei Payone gab es laut BaFin Defizite in drei zentralen Bereichen:

  1. Transaktionsmonitoring (EDV-Überwachung):
    • Zahlungsflüsse müssen automatisch analysiert werden, um verdächtige Muster zu erkennen.
    • Offenbar war die Software nicht ausreichend leistungsfähig oder schlecht konfiguriert.
  2. Risikobewertung von Geschäftsbeziehungen:
    • Institute müssen einschätzen, wie hoch das Geldwäsche-Risiko einzelner Kunden oder Transaktionen ist.
    • Hier gab es Lücken, sodass möglicherweise riskante Geschäfte nicht erkannt wurden.
  3. Aktualisierung von Kundendaten:
    • Banken und Zahlungsdienstleister sind verpflichtet, regelmäßig Kundendaten zu überprüfen und zu aktualisieren.
    • Wenn das nicht geschieht, können Risiken übersehen werden.

Diese Versäumnisse sind hochproblematisch. Unternehmen im Finanzsektor sind ein beliebtes Ziel für Geldwäsche, weil sie enorme Geldströme verwalten.

„Der Sonderbeauftragte wird genau hinschauen“

Welche Rolle spielt der von der BaFin bestellte Sonderbeauftragte?

Kerstin Bintschev:
Der Sonderbeauftragte ist ein extern eingesetzter Kontrolleur, der sicherstellen soll, dass Payone die geforderten Maßnahmen umsetzt.

Seine Aufgaben sind:
🔍 Überwachung der Mängelbeseitigung
🔍 Regelmäßige Berichterstattung an die BaFin
🔍 Eingreifen bei Verzögerungen oder Verstößen

Das ist für Payone problematisch, weil der Sonderbeauftragte eine hohe Transparenz fordert. Das Management kann sich nicht mehr auf Verzögerungstaktiken verlassen – jede Maßnahme wird streng kontrolliert.

„Für die gesamte Branche ein Weckruf“

Welche Auswirkungen hat dieser Fall auf andere Finanzdienstleister?

Kerstin Bintschev:
Der Fall Payone ist ein Weckruf für die gesamte Branche. Zahlungsdienstleister stehen zunehmend im Fokus der Regulierungsbehörden, weil sie eine Schlüsselrolle im digitalen Finanzsystem spielen.

Konkret bedeutet das für die Branche:
Strengere Kontrollen durch die BaFin
Höhere Anforderungen an IT-Sicherheit und Geldwäscheprävention
Wachsende rechtliche und finanzielle Risiken bei Nichteinhaltung

Auch andere Unternehmen sollten genau prüfen, ob ihre Systeme und Prozesse gesetzeskonform sind, um nicht selbst ins Visier der BaFin zu geraten.

Fazit: Payone steht unter Druck – und die Finanzbranche unter Beobachtung

Frau Bintschev, was ist Ihre abschließende Einschätzung?

Kerstin Bintschev:
Payone steht jetzt massiv unter Druck, die Mängel schnellstmöglich zu beheben. Die BaFin zeigt mit diesen Maßnahmen, dass sie nicht mehr bereit ist, Nachlässigkeit zu tolerieren.

Die nächsten Monate werden entscheidend sein:

  • Gelingt es Payone, die IT-Systeme und Geldwäscheprävention auf ein gesetzeskonformes Niveau zu bringen?
  • Kann das Unternehmen die erhöhten Eigenmittelanforderungen erfüllen?
  • Wie engmaschig wird der Sonderbeauftragte kontrollieren?

Falls die Mängel nicht schnell beseitigt werden, könnten weitere Sanktionen bis hin zum Lizenzentzug drohen.

Die Botschaft an alle Zahlungsdienstleister ist klar: Geldwäscheprävention und IT-Sicherheit sind keine Formalitäten – sie sind essenziell für die Stabilität des Finanzsystems.

Über Rechtsanwältin Kerstin Bintschev

Kerstin Bintschev ist Expertin für Finanzaufsichtsrecht und Geldwäscheprävention. Sie berät Banken, Zahlungsdienstleister und Unternehmen zu regulatorischen Anforderungen und Compliance-Maßnahmen.

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