Seit heute ist das ungefragte Versenden von Penisfotos, sogenannten „Dickpics“, in Österreich offiziell strafbar. Wer solche Bilder ohne Einverständnis verschickt, muss künftig mit einer Geldstrafe oder sogar mit bis zu sechs Monaten Haft rechnen.
Längst geforderte Gesetzesänderung
Frauenorganisationen, Betroffenenverbände und mehrere Parteien hatten seit Jahren ein strafrechtliches Verbot gefordert. Nun wurde diese Forderung umgesetzt: Die Bundesregierung brachte das Gesetz Mitte Juni auf den Weg, Nationalrat und Bundesrat stimmten noch vor der Sommerpause zu.
Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) begrüßte das Inkrafttreten des Gesetzes als „längst überfälligen Schritt“. Ungefragt intime Fotos zu erhalten, sei ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. „Viele Betroffene berichten von Gefühlen wie Ekel, Scham und Hilflosigkeit – das ist kein harmloser Spaß, sondern eine Form von Belästigung“, so Sporrer.
Klarer Rahmen: Wann es strafbar ist
Die neue Regelung stellt klar: Strafbar ist die Übermittlung von Genitalbildern über digitale Kommunikationsmittel, wenn dies ohne Einverständnis geschieht und eine Belästigung darstellt. Betroffen sind etwa Messenger-Dienste, soziale Netzwerke oder Datingplattformen.
Wichtig: Einvernehmlicher Austausch bleibt weiterhin erlaubt. Auch wer sich auf einer Dating-App registriert, gibt damit kein generelles Einverständnis zum Erhalt solcher Fotos.
Schutz vor digitaler Gewalt
Das Gesetz ist Teil einer größeren Debatte um digitale Gewalt und sexuelle Belästigung im Netz. Experten sehen darin ein wichtiges Signal: Online-Übergriffe sind real und können für Betroffene genauso belastend sein wie Belästigungen im öffentlichen Raum.
Internationale Einordnung
Andere Länder sind bereits ähnliche Schritte gegangen: In Großbritannien oder Australien ist das unaufgeforderte Versenden sexueller Bilder ebenfalls strafbar. Mit der nun beschlossenen Änderung reiht sich Österreich in diesen internationalen Trend ein.
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