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Diakoniewerk München-Maxvorstadt stellt Geschäftsbetrieb ein – Klinik und Therapiezentrum schließen zum Jahresende

IO-Images (CC0), Pixabay
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Anhaltende finanzielle Schwierigkeiten und strukturelle Probleme führen zur Schließung

München, 22. Oktober 2024 – Das traditionsreiche Diakoniewerk München-Maxvorstadt (DMM) muss nach über 150 Jahren den Geschäftsbetrieb einstellen. Diese Entscheidung wurde aufgrund anhaltender Defizite, niedriger Auslastung und eines erheblichen Investitionsstaus getroffen, wie der vom Amtsgericht München eingesetzte Insolvenzverwalter, Dr. Philip Heinke von JAFFÉ Rechtsanwälte Insolvenzverwalter, nach einer Mitarbeiterversammlung mitteilte. Die Klinik und das Therapiezentrum werden zum 31. Dezember 2024 geschlossen, gefolgt von der geriatrischen Rehabilitation am 31. Januar 2025 und dem stationären Altenpflegebereich bis spätestens Ende März 2025.

Ursachen der Insolvenz

Das Diakoniewerk, eine der ältesten evangelischen Einrichtungen Münchens, meldete im November 2023 Insolvenz an. Als Ursachen wurden die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen genannt. Diese umfassen eine zunehmend defizitäre Situation vieler Krankenhäuser in Deutschland – 2022 erwirtschafteten etwa 70 Prozent der Kliniken Verluste –, steigende Energie- und Sachkosten, die Folgen des Ukrainekriegs und die allgemein angespannte Personalsituation im Pflegebereich. Auch die stationäre Altenpflege verzeichnete massive Probleme, was sich in einer Rekordzahl von Insolvenzen im Jahr 2023 widerspiegelt: rund 783 Pflegeheime in Deutschland mussten schließen.

Zusätzlich litt das DMM unter einem starken Fachkräftemangel, der dazu führte, dass aufgrund der gesetzlichen Fachkraftquote die vorhandenen Kapazitäten nicht voll ausgelastet werden konnten. Die Klinik erreichte eine Auslastung von unter 50 Prozent und war damit weit entfernt von der Kostendeckung. Auch der Altenpflegebereich blieb trotz einer Auslastung von 85 Prozent defizitär.

Keine Zukunftsperspektive für den Betrieb

„In den letzten Wochen wurde deutlich, dass für keinen der Geschäftszweige des Diakoniewerks eine Fortführungsperspektive besteht. Es gab auch keine Interessenten für eine Übernahme“, erklärte Dr. Heinke. Eine Fortführung unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen sei nicht realisierbar gewesen, zumal die neuen Anforderungen aus der ab Januar 2025 geltenden Krankenhausreform und dem Krankenhauszukunftsgesetz nicht umgesetzt werden könnten.

Geordnete Schließung und Abwicklung

Die Schließung wird in Abstimmung mit der Mitarbeitervertretung durchgeführt. Das Ziel ist eine bestmögliche Berücksichtigung der Interessen der Patienten und Bewohner. Für die derzeit 73 Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen sollen alternative Wohn- und Versorgungsmöglichkeiten gefunden werden. Die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe bleibt vorerst geöffnet; die weitere Zukunft wird in Absprache mit der Schulbehörde geklärt.

Durch die Schließung verlieren alle 274 Beschäftigten des Diakoniewerks ihren Arbeitsplatz. Ein Abwicklungsteam wird jedoch über die Schließungstermine hinaus tätig bleiben, um den Betrieb geordnet herunterzufahren. Derzeit wird ein Insolvenzsozialplan ausgearbeitet, um die Folgen für die betroffenen Mitarbeitenden abzufedern.

Traditionsreiche Geschichte endet nach mehr als 150 Jahren

Das Diakoniewerk München-Maxvorstadt wurde 1867 gegründet und spielte seitdem eine wichtige Rolle in der Gesundheits- und Altenpflege Münchens. In den vergangenen Jahren erlebte die Einrichtung jedoch einen kontinuierlichen wirtschaftlichen Abwärtstrend, bei einem Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro verzeichnete das DMM zuletzt siebenstellige Verluste.

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