Startseite Allgemeines Deutschland spart sich arm – Umfrage zeigt alarmierende Schwäche bei finanzieller Vorsorge
Allgemeines

Deutschland spart sich arm – Umfrage zeigt alarmierende Schwäche bei finanzieller Vorsorge

andibreit (CC0), Pixabay
Teilen

Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank legt schonungslos offen, wie angespannt die finanzielle Lage vieler Haushalte in Deutschland inzwischen ist. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Ein Großteil der Bevölkerung kann kaum noch Geld zur Seite legen, und viele zweifeln daran, jemals genug Rücklagen für Notfälle oder den Ruhestand aufzubauen.

Rund 40 Prozent der Befragten gaben an, höchstens 2.500 Euro pro Jahr zu sparen – also etwa 200 Euro im Monat. Für mehr als 60 Prozent der Teilnehmer reicht das nach eigener Einschätzung nicht aus, um finanzielle Engpässe abzufedern oder im Alter vorzusorgen. Besonders besorgniserregend: Ein Viertel der Befragten spart gar nichts mehr.

Die Hauptursache: Hohe Lebenshaltungskosten und stagnierende Einkommen

Als zentraler Grund für die sinkende Sparquote wurden die hohen Lebenshaltungskosten genannt. Steigende Mieten, Energiepreise, Versicherungen und Lebensmittelkosten fressen das verfügbare Einkommen vieler Menschen auf. Selbst bei Vollzeitbeschäftigten bleibt am Monatsende kaum Spielraum, um regelmäßig Geld zurückzulegen.

Hinzu kommt, dass die Löhne in vielen Branchen nicht im gleichen Maße steigen wie die Preise. Während die Inflation in den letzten Jahren das Konsumniveau drückt, geraten selbst mittlere Einkommen zunehmend unter Druck.

„Viele Haushalte in Deutschland sparen nicht zu wenig, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es schlichtweg nicht können“, sagt ein Postbank-Sprecher. Das zeige, dass die wirtschaftliche Realität den Sparwillen überholt habe.

Junge Menschen und Familien besonders betroffen

Am stärksten trifft es junge Erwachsene, Familien mit Kindern und Alleinerziehende. Diese Gruppen stehen oft am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn oder müssen hohe Ausgaben stemmen – für Kinderbetreuung, Miete, Mobilität oder Bildung.

Viele junge Menschen verfügen zudem über unsichere Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge oder Teilzeitstellen. Gleichzeitig sind größere Anschaffungen – etwa eine Immobilie oder ein Auto – kaum noch zu finanzieren. Damit fehlen langfristig stabile Vermögensaufbau-Strategien, was sich später im Rentenalter rächen könnte.

Sparen wird zum Luxus

Die Umfrage zeigt: Sparen ist in Deutschland längst kein Selbstverständnis mehr, sondern zunehmend ein Privileg der Besserverdienenden. Wer hohe Fixkosten hat, lebt oft von Monat zu Monat – Rücklagen entstehen kaum. Viele Haushalte müssen bei unerwarteten Ausgaben, etwa Reparaturen oder Nachzahlungen, sofort auf den Dispo oder Kredite zurückgreifen.

Auch die Inflation hat die klassischen Sparformen wie Tagesgeld oder Festgeld unattraktiver gemacht. Zwar bieten Banken wieder Zinsen, doch diese gleichen die Preissteigerungen kaum aus. Real verliert gespartes Geld weiterhin an Wert.

Private Vorsorge unter Druck

Angesichts dieser Entwicklungen warnen Experten vor einer wachsenden Vorsorgelücke. Die gesetzliche Rente allein werde in Zukunft kaum ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer heute nicht vorsorgen kann, droht morgen von Altersarmut betroffen zu sein.

„Die Deutschen gelten traditionell als sparfreudig, doch die Realität hat sich dramatisch verändert“, erklärt ein Finanzanalyst. „Ohne gezielte politische Maßnahmen – etwa steuerliche Entlastungen oder Anreize für kleine Sparer – wird sich diese Entwicklung weiter verschärfen.“

Finanzbildung und Reformen gefordert

Die Postbank sieht in den Ergebnissen einen klaren Handlungsauftrag: Finanzbildung müsse schon in Schulen beginnen, um jungen Menschen das Verständnis für Geldanlage, Budgetplanung und Vorsorge zu vermitteln. Gleichzeitig fordert sie vereinfachte Sparprodukte und staatliche Förderprogramme, die auch Menschen mit geringerem Einkommen den Aufbau von Vermögen ermöglichen.

Auch unabhängige Finanzexperten plädieren für eine Reform der staatlichen Sparförderung: Statt komplizierter Riester-Modelle oder bürokratischer Zuschüsse brauche es transparente, digitale und flexible Sparlösungen, die den neuen Lebensrealitäten gerecht werden.

Fazit: Das Vertrauen ins eigene Geld bröckelt

Die Ergebnisse der Umfrage sind ein Weckruf: Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich finanziell ausgeliefert, obwohl sie wirtschaftlich rational handeln wollen. Die Mischung aus steigenden Kosten, stagnierenden Löhnen und unzureichenden Sparmöglichkeiten führt zu einem gefährlichen Trend – einer Gesellschaft, in der Sparen zum Ausnahmefall wird.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, droht eine doppelte Krise: Einerseits ein Rückgang der privaten Investitionen, andererseits eine wachsende Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung im Alter. Deutschland steht damit vor einer zentralen Frage: Wie lässt sich Sparen wieder möglich machen – für alle, nicht nur für wenige?

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Berliner SPD will Bürger auf die Nase fallen lassen – wortwörtlich

Berlin rutscht. Nicht etwa in metaphorischer, politischer Hinsicht – das wäre ja...

Allgemeines

„Machtpolitik“ – Friedrich Merz und der Traum vom autoritären Charisma

Ein satirischer Versuch, ein großes Wort mit noch größerem Selbstbewusstsein zu sezieren...

Allgemeines

Trump will’s wissen: Mehr Termine, mehr Medien – weniger Zweifel an seiner Energie

Präsident Donald Trump lässt sein öffentliches Erscheinungsbild überarbeiten – und zwar auf...

Allgemeines

„Ein Hurrikan zieht auf“ – Kuba bereitet sich auf den Ernstfall vor, während die USA den Ölhahn zudrehen

Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben einen neuen Höhepunkt erreicht....