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Deutschland entdeckt den Überwachungsstaat 2.0: Jetzt mit Klicks, KI und Kryptonit – Palantir zieht ein

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Von unserem Redakteur für dystopische Frühwarnsysteme und digitale Daumenabdrücke


 Endlich ist es so weit: Nach Jahren des analog-digitalen Herumstocherns in Fallakten, Klingelbüchern und Faxgeräten hat sich das deutsche Innenministerium durchgerungen, dem Silicon-Valley-Zauber zu erliegen. Palantir, die Firma mit dem charmant-mystischen Namen aus dem Tolkien-Universum (Fun Fact: Die Palantiri waren kugelige Spähgeräte, mit denen sich dunkle Fürsten gegenseitig beobachteten), soll helfen, Deutschlands Verbrechen nicht nur aufzuklären – sondern gefälligst vorher zu verhindern. Minority Report lässt grüßen, aber bitte mit Datenschutz.

In Baden-Württemberg dürfen die Ermittler jetzt mit „Gotham“ arbeiten. Wer da direkt an Batman denkt, liegt gar nicht so falsch – nur dass hier nicht ein Mann im Fledermausanzug auftaucht, sondern ein Algorithmus in Rollkragenpulli, der sagt: „Diese Person hat 6,3 % Wahrscheinlichkeit, morgen einen Elektroscooter zu stehlen.“

Der Staat schaut jetzt auch auf deine Playlist

Kritiker fürchten, dass aus „Datenanalyse“ eine Art digitaler Gottmodus wird – nur ohne göttliche Gnade. Schließlich kann Palantir Daten zusammenführen, die nie für eine Beziehung gedacht waren: dein Instagram-Profilbild, der Buchtitel auf deiner Amazon-Wunschliste, dein letzter Pizza-Bestellort, deine Netflix-Vorlieben (Spoiler: Wenn du True-Crime magst, bist du vielleicht schon verdächtig). So entsteht ein psychogrammatisches, verhaltensoptimiertes, flächendeckend vernetztes Rasterduplikat deiner Existenz – powered by KI.

Der Chaos Computer Club spricht von einem „gläsernen Bürger“. Innenminister Dobrindt (der in dieser Realität anscheinend das Innenressort übernommen hat, Gott bewahre) nennt es: „digitale Durchblickkompetenz“.

Freiheit, die ich meine: Du darfst alles – solange Palantir zustimmt

Die Bundesregierung hat das System nicht etwa beauftragt, weil sie Lust auf Totalüberwachung hat (also offiziell), sondern weil es „leider kein europäisches Produkt mit denselben Fähigkeiten“ gibt. Oder anders gesagt: Wir haben verschlafen, was in den USA längst Realität ist – also kaufen wir jetzt eben gleich das Betriebssystem zur Gesellschaft dazu.

Natürlich kommt die Software von keinem Geringeren als Peter Thiel, Trump-Vertrauter, Tech-Milliardär, Libertärer mit Hang zum autoritären Datenfetischismus. Ihm zu Ehren plant man in Berlin angeblich bereits eine neue Straße: Thielweg 451, benannt nach der Temperatur, bei der Grundrechte in Flammen aufgehen.

Der Polizeigewerkschafter hat keine Zeit für Bedenken

Rainer Wendt von der DPolG hat wie immer klare Worte: Datenschutz ist ein „Luxusproblem von gestern“. Bedrohungslagen seien allgegenwärtig, und wer nicht überwacht werden wolle, solle halt nichts Falsches denken.

Kritik? Ja. Wirkung? Eher wie ein Bio-Brot in einem Panzerwerk

SPD und Grüne, eigentlich in der Regierung, zeigen sich not amused. Fraktionsvize von Notz meint, Dobrindt mache sich zum Lobbyisten eines US-Datenkraken. Die SPD nennt Palantir „nicht neutral“. Die Linke spricht vom „flächendeckenden Angriff auf die Privatsphäre“ – was sich ein bisschen anhört wie „massiver Regenschirmangriff auf den Himmel“.

Und irgendwo in Bayern liegt eine Verfassungsbeschwerde. Ob sie Wirkung zeigt? Vermutlich so viel wie ein USB-Stick im Kaminofen.

Fazit: Big Brother hätte sich Palantir nicht schöner ausdenken können

Deutschland tastet sich nicht an Palantir heran – es rollt dem System den roten Teppich aus, holt den Sektempfang und reicht ihm die Daten unserer letzten WhatsApp-Backups. Was schert uns Grundgesetz, wenn uns ein Algorithmus sagen kann, wer morgen gefährlich sein könnte?

Bleibt nur eine Frage: Wenn Palantir so gut ist – warum hat es uns nicht vor Palantir gewarnt?

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