Der Hausärztemangel in Deutschland wird sich nach einer neuen Prognose in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Eine Studie des Barmer-Instituts für Gesundheitsforschung in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass sich die derzeit noch bessere Versorgung in Westdeutschland zunehmend dem bereits angespannten Niveau der ostdeutschen Bundesländer angleichen wird.
Bis zum Jahr 2040 rechnen die Studienautoren mit einem Rückgang von rund 1.300 Hausärztinnen und Hausärzten im bundesweiten Vergleich. Während der Osten bereits heute mit einer älteren Bevölkerung und einem hohen Anteil pensionsnaher Mediziner zu kämpfen hat, steht diese Entwicklung dem Westen erst noch bevor.
Demografischer Wandel als Hauptursache
Laut der Untersuchung ist der demografische Wandel die zentrale Ursache für den absehbaren Mangel. Auf der einen Seite steigt die Zahl der älteren Menschen, die medizinische Betreuung benötigen, während auf der anderen Seite viele Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand treten.
Besonders in ländlichen Regionen wird der Versorgungsengpass spürbar werden. Schon jetzt fällt es dort schwer, Nachfolger für Arztpraxen zu finden. Im Westen Deutschlands könnte die Situation bis 2040 vergleichbar angespannt sein wie heute in Teilen von Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern.
Regionale Unterschiede schrumpfen – auf niedrigem Niveau
Die Forscher erwarten, dass die bisherigen Unterschiede zwischen Ost und West nicht durch Verbesserung, sondern durch eine Verschlechterung im Westen abgebaut werden. Damit droht langfristig eine flächendeckende Unterversorgung.
Die Studie unterstreicht, dass der ärztliche Nachwuchs trotz steigender Studienplatzkapazitäten nicht ausreichen wird, um die altersbedingten Abgänge zu kompensieren.
Handlungsbedarf für Politik und Gesundheitssystem
Die Autoren fordern gezielte Gegenmaßnahmen, um die hausärztliche Versorgung langfristig zu sichern. Dazu gehören:
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bessere Arbeitsbedingungen und flexiblere Modelle für Ärztinnen und Ärzte,
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Förderprogramme für ländliche Regionen,
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sowie digitale Lösungen zur Entlastung der Praxen.
Auch neue Versorgungsformen, etwa durch Arztassistenzen oder Gemeinschaftspraxen, könnten helfen, den Rückgang teilweise aufzufangen.
Fazit
Der Ärztemangel ist kein rein ostdeutsches Phänomen mehr – er wird in den kommenden Jahren bundesweit spürbar. Ohne frühzeitige Gegenmaßnahmen droht insbesondere der Westen, in eine vergleichbare Unterversorgung zu geraten wie sie im Osten bereits Realität ist.
Die Studie macht deutlich: Deutschland braucht dringend mehr Hausärzte, attraktivere Rahmenbedingungen und eine strategische Planung, um die medizinische Grundversorgung auch in Zukunft zu sichern.
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