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Deutsche Finance Group: Zwischen Hochglanzprospekt und Papierstau

geralt (CC0), Pixabay
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Es klingt wie eine Erfolgsstory aus dem Lehrbuch: Seit 2005 hat die Deutsche Finance Group rund 1,4 Milliarden Euro von über 50.000 Anlegerinnen und Anlegern eingesammelt. Klingt beeindruckend. Doch während Anleger träumen, scheint die Realität der Unternehmensgruppe eher an ein Büro voller überfälliger Aktenordner und Ausreden zu erinnern.

Jahresabschlüsse – die Fata Morgana der Finanzwelt

Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Jahresabschluss bis zum 30. September des Folgejahres. Seriöse Anbieter schaffen das locker. Die Deutsche Finance hingegen liefert Verspätung als Serviceleistung: 2023? Fehlanzeige. Bei manchen Fonds sucht man die Zahlen so vergeblich wie den ehrlichen Politiker.

Die Begründungen? Ein Potpourri an Kreativität: Anschlussfinanzierungen, Kapitalmaßnahmen, Verkäufe, Haltedauer … alles Dinge, die mit dem 2023er-Abschluss ungefähr so viel zu tun haben wie ein kaputtes Fahrrad mit der Deutschen Bahn.

Und die BaFin? Normalerweise verhängt sie Millionenstrafen wegen falsch gesetzter Kommas in Anlegerinformationen. Aber hier? Still ruht der See. Vielleicht wartet man ja selbst noch auf die eigenen Jahresabschlüsse.

Ein neuer Aktionär – mehr Glanz, weniger Substanz?

Ganz frisch im Boot: Ralph Winter, ein Investor mit Family-Office-Charme. Gemeinsam mit den bisherigen Gesellschaftern will er jetzt die „Plattform für innovatives Wohnen“ aufbauen. Innovativ wohlgemerkt – vermutlich Wohnungen, in denen der Jahresabschluss gleich mitgeliefert wird. Ob das zur bisherigen DNA der Deutschen Finance passt? Antwort: irgendwo zwischen „spannend“ und „wird schon keiner merken“.

Geschäftszahlen – Schrumpfen als neue Wachstumsstrategie

Der Platzierungsumsatz im Privatkundengeschäft fiel von 340 auf 109 Millionen Euro. Insgesamt schrumpfte der Umsatz von 1,1 Milliarden auf 536 Millionen Euro. Einbrüche, die andere Unternehmen nervös machen würden – hier verkauft man sie vermutlich als „gezielte strategische Anpassungen“.

Stabil blieben immerhin die Assets under Management. 1,13 Milliarden Euro – klingt solide. Doch ein genauer Blick offenbart: Über 70 Prozent der Einnahmen stammen aus Gebühren. Mit anderen Worten: Die Fonds arbeiten vor allem dafür, sich selbst zu bezahlen.

Gebühren: Die wahren Monster im Schrank

Die Deutsche Finance hat Gebührenstrukturen, die selbst Dracula neidisch machen würden. Beispiel: Ein Logistikfonds in Texas muss erst einmal 18,6 Prozent Rendite erwirtschaften, damit für Anleger am Ende mickrige 6,7 Prozent übrigbleiben. Zwei Drittel Rendite – einfach verdampft.

Man könnte sagen: Die Fonds sind wie eine All-you-can-eat-Pizza – nur dass Anleger am Ende die Rechnung für alle bezahlen und selbst mit einem Stück kalter Kruste nach Hause gehen.

Analysten – Lob mit Sternchen, aber unter Beobachtung

Jahrelang wurde die Deutsche Finance von Ratingagenturen wie Scope mit Bestnoten überhäuft. Doch nun wackelt das A+-Rating – es steht „under review“. Die Analysten prüfen noch, aber allein die Tatsache zeigt: Selbst die Daueroptimisten haben langsam Fragen.

Fazit: Glänzende Prospekte, matte Realität

Die Deutsche Finance Group wirkt derzeit wie ein Luxushotel, in dem das Wasser nicht läuft: außen Hui, innen Papiersalat. Anleger dürfen sich entscheiden: Ist das noch „strategische Anpassung“ – oder schon kreatives Chaos?

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