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Der Krieg, den nur Donald Trump und Benjamin Netanjahu wollten – und für den die Welt den Preis zahlen muss

shawn1 (CC0), Pixabay
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Was sich derzeit im Golf abspielt, ist längst keine regionale Eskalation mehr. Es ist der nächste gefährliche Beweis dafür, wie schnell persönliche Machtpolitik, ideologische Härte und militärische Selbstüberschätzung die Welt an den Rand eines Flächenbrands treiben können. Und es ist ein Krieg, den vor allem zwei Männer politisch gewollt, rhetorisch befeuert und strategisch in Kauf genommen haben: Donald Trump und Benjamin Netanjahu.

Trump droht dem Iran in seiner inzwischen typischen Sprache der maximalen Eskalation mit der Zerstörung von Kraftwerken, also ziviler Infrastruktur. Ein 48-Stunden-Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus, verbunden mit der Ankündigung, „begonnen mit dem größten“ iranische Energieanlagen anzugreifen, ist keine Diplomatie. Es ist die öffentliche Inszenierung eines militärischen Ausnahmezustands. Wer zivile Energieversorgung zum legitimen Angriffsziel erklärt, nimmt bewusst in Kauf, Millionen Menschen ins Chaos zu stürzen.

Benjamin Netanjahu wiederum präsentiert den Konflikt erneut als existenziellen Endkampf – als ob es für jede Krise im Nahen Osten nur eine Antwort gäbe: mehr Härte, mehr Militär, mehr Eskalation. Doch das Ergebnis dieser Logik ist nicht Sicherheit. Das Ergebnis sind verletzte Kinder in Arad, zerstörte Häuser in Dimona, neue Raketen auf Jerusalem – und eine Region, die immer tiefer in einen Krieg hineingezogen wird, dessen Folgen weit über Israel und den Iran hinausreichen.

Denn die Rechnung zahlen nicht Trump und Netanjahu.
Die Rechnung zahlt die Welt.

Sie zahlt mit explodierenden Ölpreisen, mit Unsicherheit auf den globalen Märkten, mit bedrohten Handelsrouten, mit der Gefahr eines Flächenbrandes zwischen Golfstaaten, Israel, den USA und möglicherweise weiteren westlichen Staaten. Sie zahlt mit einer neuen Welle geopolitischer Instabilität in einer Zeit, in der die Welt bereits durch Kriege, Inflation, Energiekrisen und strategische Blockbildung erschöpft ist.

Die Straße von Hormus ist keine gewöhnliche Meerenge. Sie ist eine der wichtigsten Schlagadern der Weltwirtschaft. Wer dort militärisch eskaliert, spielt nicht nur mit regionaler Sicherheit, sondern mit der Stabilität des gesamten globalen Energiesystems. Jeder Angriff, jede Drohung, jede Gegenreaktion sendet Schockwellen durch Börsen, Lieferketten und Volkswirtschaften. Und genau deshalb ist Trumps Ultimatum so brandgefährlich: Es macht aus einer ohnehin hochriskanten Lage ein öffentliches Spiel mit maximalem Einsatz.

Natürlich trägt auch das iranische Regime Verantwortung. Raketenangriffe auf Israel, Drohungen gegen Schifffahrtsrouten und die bewusste Destabilisierung der Region sind durch nichts zu rechtfertigen. Wer zivile Ziele bedroht oder angreift, stellt sich außerhalb jeder legitimen Sicherheitslogik. Aber genau darin liegt der Unterschied zwischen Staatskunst und Eskalationspolitik: Verantwortung heißt nicht, den Gegner zu kopieren. Verantwortung heißt, den Abgrund nicht noch tiefer zu reißen.

Trump jedoch sucht nicht Deeskalation, sondern Dominanzbilder. Seine Botschaften auf Truth Social sind keine ernsthafte Außenpolitik, sondern Kriegsrhetorik in Großbuchstaben. Sie sollen Stärke demonstrieren, doch tatsächlich offenbaren sie vor allem eines: die Bereitschaft, internationale Ordnung durch Drohkulissen und Zerstörungsfantasien zu ersetzen. Dass ausgerechnet ein US-Präsident öffentlich die Zerstörung von Kraftwerken ankündigt, markiert eine erschreckende Verrohung politischer Sprache – und möglicherweise des politischen Handelns.

Netanjahu wiederum profitiert innenpolitisch seit Jahren von der Logik permanenter Bedrohung. Jeder neue Angriff, jede neue Eskalation, jede neue Sicherheitskrise stärkt das Narrativ des Mannes, der behauptet, nur durch kompromisslose Härte könne Israel überleben. Doch auch diese Strategie hat ihren Preis: eine Gesellschaft im Daueralarm, Kinder im Luftschutzkeller, geschlossene Schulen, wachsende internationale Isolation und eine Region, die sich immer weiter von jeder realistischen politischen Lösung entfernt.

Der gefährlichste Irrtum dieses Krieges ist die Vorstellung, man könne ihn kontrollieren. Dass ein paar gezielte Schläge, ein Ultimatum, ein Gegenschlag, eine Demonstration militärischer Überlegenheit ausreichen würden, um „Ordnung“ herzustellen. Die Geschichte des Nahen Ostens zeigt das Gegenteil. Kriege in dieser Region bleiben selten begrenzt. Sie weiten sich aus, sie ziehen Verbündete hinein, sie radikalisieren Gesellschaften und sie hinterlassen verbrannte Erde – politisch, wirtschaftlich und menschlich.

Und genau deshalb muss man diesen Moment klar benennen:
Dieser Krieg ist nicht einfach „passiert“. Er wurde politisch vorbereitet, rhetorisch angeheizt und strategisch forciert.

Trump und Netanjahu mögen sich als Verteidiger von Sicherheit inszenieren. Tatsächlich aber treiben sie eine Dynamik voran, die Sicherheit zerstört – in Israel, im Iran, in der Golfregion und letztlich weltweit. Wer in einer ohnehin brennenden Region noch mehr Öl ins Feuer gießt, handelt nicht entschlossen. Er handelt verantwortungslos.

Die Welt braucht jetzt keine Machtdemonstrationen, keine Social-Media-Ultimaten und keine apokalyptischen Drohungen gegen zivile Infrastruktur. Sie braucht Diplomatie, internationale Vermittlung, Druck auf alle Kriegsparteien und vor allem die Rückkehr zu einem Grundsatz, der in diesem Konflikt fast vollständig verloren gegangen ist:
Dass politische Führung nicht daran gemessen wird, wie schnell sie zuschlägt – sondern wie entschlossen sie verhindert, dass alles außer Kontrolle gerät.

Denn wenn dieser Krieg weiter eskaliert, wird am Ende niemand mehr sagen können, man habe die Warnzeichen nicht gesehen.

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