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Der Drache rüstet sich: Wenn Peking für „Frieden“ aufrüstet

Wphoto (CC0), Pixabay
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Es gibt Momente in der Weltpolitik, da wirkt die Realität wie eine Parodie ihrer selbst. Einer dieser Momente ist jetzt – mitten im pazifischen Machtpoker zwischen China und Taiwan.

Während die Volksrepublik China nach außen den Dialog beschwört, rüstet sie zur gleichen Zeit ihre Marine auf, lässt ihren neuen Super-Flugzeugträger „Fujian“ demonstrativ durch die Taiwanstraße dampfen, schickt regelmäßig Dutzende Kampfflugzeuge in Taiwans Luftraum – und erklärt der Welt, dass das alles selbstverständlich Teil einer „friedlichen Wiedervereinigung“ sei.

Was klingt wie eine Szene aus George Orwells 1984, ist für die 23 Millionen Taiwaner bedrohlicher Alltag. „Krieg ist Frieden“ – Peking scheint dieses Motto zu leben.

Taiwans Warnung: Der Krieg ist nicht mehr hypothetisch

Der taiwanische Spitzenbeamte Chiu Chui Cheng hat in Washington klargestellt, was viele lieber nicht hören wollen: China bereitet sich „aktiv“ auf einen Krieg vor. Nicht auf einen Konflikt, nicht auf einen „Zwischenfall“, sondern auf einen ausgewachsenen Krieg – mit dem erklärten Ziel, Taiwan zu „vereinigen“, notfalls mit Gewalt.

Und wozu das Ganze? Um die Einflusssphäre der USA im Pazifik zu zerschlagen. Um eine neue, autoritäre Weltordnung zu installieren, in der der „chinesische Traum“ bedeutet, dass Demokratien wie Taiwan unter den Panzerketten nationaler Einheit zermalmt werden.

Ein geopolitisches Erdbeben mit globalen Folgen

Taiwan ist nicht irgendeine Insel. Es ist der weltweit bedeutendste Hersteller von Hochleistungschips – die Basis für Smartphones, Supercomputer, moderne Autos, Militärtechnologie. Ein Fall Taiwans wäre nicht nur ein humanitäres Desaster, sondern auch ein technologischer Schock mit globalen Folgen.

Wenn China die Halbleitermacht übernimmt, bekommt Peking die Kontrolle über die digitale Wirbelsäule der Welt – und damit auch über westliche Verwundbarkeiten.

Ein Schauspiel der Doppelzüngigkeit

Während Peking also gebetsmühlenartig vom „Friedensprozess“ spricht, lassen sie gleichzeitig das Säbelrasseln dröhnen: 31 chinesische Kampfflugzeuge binnen 24 Stunden in Taiwans Luftverteidigungszone – ein Rekord. Gleichzeitig marschiert der neue Flugzeugträger, benannt nach der gegenüberliegenden Provinz Fujian, durch die strategisch hochsensible Meerenge.

Ach ja, und weil es noch nicht reicht, beschwert sich China dann auch noch darüber, dass britische und US-amerikanische Schiffe die Taiwanstraße durchqueren – ein internationales Gewässer, wohlgemerkt.

Peking sieht die Taiwanstraße als sein Hoheitsgebiet. Man kann nur hoffen, dass bald nicht auch noch der Pazifik selbst zur chinesischen Badewanne erklärt wird.

Was macht der Westen? Mehr Symbolik, weniger Substanz

Man könnte fast meinen, der Westen habe sich an die täglichen Provokationen gewöhnt wie an eine Wettervorhersage: „Heute: Leichte Spannungen über der Taiwanstraße, mit vereinzelten Luftverletzungen. Morgen: diplomatischer Nieselregen.“

Doch wie lange noch? Wann wird aus der schleichenden Eskalation ein Flächenbrand? Werden wir wachgerüttelt, wenn das erste Containerschiff mit westlichen Mikrochips aus „Neu-Peking“ kommt?

Taiwans verzweifelter Kraftakt

Taipeh hat längst erkannt, dass es sich nicht mehr nur auf gute Worte verlassen kann. Das Verteidigungsministerium plant ein neues Sonderbudget von bis zu 33 Milliarden Dollar, um die eigene Wehrfähigkeit zu stärken. Aber gegen eine der größten Armeen der Welt wird das bestenfalls zur Schadensbegrenzung reichen – und nicht zur Abschreckung.


Fazit: Wer heute schweigt, darf morgen nicht klagen

China testet nicht nur Raketen, sondern auch unsere Entschlossenheit. Taiwan ist nicht „weit weg“, nicht „irgendwo im Pazifik“. Es ist das Frontfenster zur Zukunft der Weltordnung: Demokratie gegen Diktatur, Offenheit gegen Kontrolle, Vielfalt gegen Einheitsdenken.

Wenn wir jetzt wegsehen – aus Angst, wirtschaftliche Interessen zu gefährden oder aus diplomatischer Bequemlichkeit –, dann könnten wir bald aufwachen in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren wieder über allem steht.

Und der nächste Schritt? Vielleicht nicht Taiwan. Vielleicht das Südchinesische Meer. Vielleicht irgendwo anders. Denn wer die Welt in Einflusssphären einteilt, kennt keine Grenze – nur nächste Ziele.

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