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Debatte um Abnehmspritze: Niedersachsens Gesundheitsminister fordert Ozempic auf Rezept – Bund lehnt ab

viarami (CC0), Pixabay
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In Niedersachsen fordert Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD), das Diabetes-Medikament Ozempic künftig auch zur Gewichtsreduktion zuzulassen – und die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zu lassen. Damit stößt er eine bundesweite Diskussion über den medizinischen und gesellschaftlichen Umgang mit Adipositas an.

Nach Ansicht des Ministers sei der Einsatz des Mittels auch bei schwerem Übergewicht medizinisch sinnvoll und könne helfen, die Folgeerkrankungen von Adipositas wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes Typ 2 langfristig zu reduzieren.

Niedersachsen über Bundesdurchschnitt bei Übergewicht

In Niedersachsen gelten laut aktuellen Daten rund 18,4 Prozent der Erwachsenen als adipös – also stark übergewichtig mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30. Mehr als die Hälfte der Männer über 30 Jahre hat sogar einen BMI über 25, gilt also als übergewichtig. Damit liegt das Land deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Philippi sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Adipositas ist keine Charakterschwäche, sondern eine chronische Krankheit“, sagte der Minister. Medikamente wie Ozempic könnten daher ein „Baustein einer medizinischen Behandlung“ sein – neben Ernährung, Bewegung und psychologischer Begleitung.

Aktuell nur Off-Label-Einsatz möglich

Bisher darf Ozempic in Deutschland nur zur Behandlung von Diabetes Typ 2 verordnet werden. Der Einsatz bei Übergewicht ohne Diabetes gilt als sogenannter Off-Label-Use – also eine nicht zugelassene Anwendung, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet wird.

Zwar zeigen Studien, dass der Wirkstoff Semaglutid den Appetit hemmt und so zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen kann, doch bleibt der Einsatz umstritten. Auch mögliche Langzeitfolgen, etwa auf das Herz-Kreislauf-System, sind laut Fachleuten noch nicht ausreichend untersucht.

Bundesgesundheitsministerium lehnt Forderung ab

Das Bundesgesundheitsministerium weist Philipps Vorstoß entschieden zurück. Ein Sprecher erklärte, dass es keine ausreichende Studienlage gebe, um die Sicherheit und Nachhaltigkeit einer solchen Therapie zu beurteilen.

Zudem warnt das Ministerium vor einem Missbrauch des Medikaments: Der weltweite Hype um Ozempic habe bereits zu Lieferengpässen geführt, da immer mehr Menschen das Mittel ohne medizinische Notwendigkeit nutzen – häufig nur aus kosmetischen Gründen.

Medizinische und ethische Debatte

Fachleute sehen die Forderung gespalten. Befürworter argumentieren, dass Adipositas ein wachsendes Gesundheitsproblem sei, das mit Medikamenten effektiver bekämpft werden könne. Kritiker hingegen warnen, dass eine reine Medikamentenlösung die Ursachen – etwa ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und soziale Faktoren – verdränge.

Auch aus ethischer Sicht stellt sich die Frage, ob Krankenkassen teure Medikamente übernehmen sollten, solange deren Langzeitnutzen noch unklar ist.

Fazit

Mit seinem Vorstoß, Ozempic zur Kassenleistung für Adipositas-Patienten zu machen, hat Philippi eine kontroverse Debatte angestoßen. Während er darin eine Chance sieht, Betroffene medizinisch besser zu unterstützen, verweist der Bund auf offene Sicherheitsfragen und fehlende Studien.

Die Diskussion zeigt: Zwischen medizinischer Innovation und Gesundheitsökonomie verläuft eine schwierige Grenze. Ob die Abnehmspritze künftig zum Standardrezept wird, hängt letztlich davon ab, ob Nutzen und Risiken langfristig belegt werden können.

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