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Das war Olympia in Italien

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay
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Arrivederci, Italien. Nach 16 Tagen Eis, Emotionen und vermutlich klimatisch fragwürdiger Schneekanonen sind die „wahrhaft, wahrhaft magischen“ Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen. Um exakt 22.41 Uhr erlosch das olympische Feuer – was immerhin eine der wenigen CO₂-Quellen war, die man ganz offiziell benennen durfte.

In der fast 2.000 Jahre alten Arena von Verona – einem Bauwerk aus einer Zeit, in der Nachhaltigkeit noch schlicht bedeutete, dass Dinge sehr, sehr lange hielten – wurde mit viel Pathos gefeiert. Eine ironische Kulisse: Die Römer bauten für die Ewigkeit, wir bauen temporäre Event-Infrastrukturen mit Verfallsdatum.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry schwärmte von „Winterspielen der neuen Art“ und einem „neuen Standard für die Zukunft“. Man darf annehmen, dass damit nicht nur sportliche Höchstleistungen gemeint waren, sondern auch die logistische Meisterschaft, Wettkämpfe über mehrere Regionen zu verteilen – inklusive entsprechender Reisebewegungen für Athleten, Delegationen, Medien, Sponsoren und natürlich die 8.000 Gäste in Verona. Globalisierung kann eben auch Wintersport.

„Die Spiele werden weiterhin ein Ort sein, an dem Athleten die Welt inspirieren können: frei, sicher und stolz“, versprach Coventry. Frei vermutlich auch von der Sorge, ob es in 20 Jahren überhaupt noch ausreichend Naturschnee für Winterspiele gibt. Aber bis dahin hat man sicher eine „magische“ technische Lösung gefunden.

Organisationschef Giovanni Malagò bedankte sich bei Italien: „Du hast Wort gehalten.“ Das stimmt. Italien hat geliefert: große Bilder, große Emotionen, große Bühnen. Und vermutlich auch eine beachtliche Energiebilanz. Aber was sind schon ein paar tausend Flugbewegungen gegen den olympischen Geist?

Erstmals fand die Schlussfeier an einem Ort statt, an dem gar keine Wettkämpfe ausgetragen wurden – warum Dinge einfach machen, wenn man sie auch symbolträchtig inszenieren kann? Die Arena von Verona bot mit ihrer Operntradition den perfekten Rahmen für eine Inszenierung zwischen „Aida“ und „Klimabilanz“.

Während also Opernfiguren über die Bühne schritten und die Show in alle Welt übertragen wurde, zogen Athletinnen und Athleten ein – darunter Österreichs Fahnenträger Janine Flock und Alessandro Hämmerle, sichtlich bewegt von der monumentalen Kulisse. „Gänsehaut pur“, hieß es. Verständlich: So viel Geschichte, so viel Pathos – und so wenig Diskussion über die Zukunft des Wintersports.

Die letzten Medaillen gingen an die Langlauf-Stars Ebba Andersson und Johannes Hösflot Kläbo. 50 Kilometer durch Schnee, der mancherorts ohne technische Unterstützung vielleicht gar nicht mehr existieren würde. Sechs Olympiasiege für Kläbo – eine beeindruckende Zahl. Noch beeindruckender ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der Alpengletscher schmelzen.

Doch keine Sorge: Die nächsten Winterspiele kommen bestimmt. In vier Jahren in den französischen Alpen – solange sie noch winterlich genug sind. Und schon in wenigen Tagen folgen die Paralympics in Norditalien, erneut mit Athletinnen und Athleten aus aller Welt. Der friedliche Wettstreit geht weiter.

Die Frage ist nur: Wie lange noch auf echtem Schnee?

Magisch waren diese Spiele zweifellos. Fast so magisch wie die Vorstellung, ein globales Mega-Event könne völlig spurlos an einem Planeten vorbeigehen, der sich zunehmend erwärmt. Aber vielleicht ist genau das der größte Zaubertrick von allen.

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