Costa Rica gilt seit Jahrzehnten als tropisches Idyll: atemberaubende Natur, friedliche Neutralitätspolitik und Vorreiter bei erneuerbaren Energien. Doch das Bild vom „Schweiz von Mittelamerika“ bekommt Risse. Immer mehr bestimmen Drogengewalt und Kriminalität das Leben im Land – und auch die politische Debatte vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen an diesem Sonntag.
Im Jahr 2023 erreichte die Mordrate mit 907 Tötungsdelikten einen historischen Höchststand – fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Zwar sanken die Zahlen zuletzt leicht, doch die Sicherheitslage bleibt angespannt. In vielen Regionen liefern sich Drogenkartelle erbitterte Kämpfe um Einflusszonen und Umschlagplätze für den Kokainhandel in Richtung USA und Europa.
Laura Fernandez, ehemalige Ministerin und Vertraute des scheidenden Präsidenten Rodrigo Chaves, gilt als klare Favoritin. Sie verspricht, mit harter Hand durchzugreifen – ganz nach dem Vorbild von El Salvadors autoritärem Präsidenten Nayib Bukele, den auch Chaves jüngst medienwirksam bei einer Gefängnisgrundsteinlegung hofierte.
Doch Chaves selbst konnte trotz markiger Worte keinen nennenswerten Rückgang der Gewalt verzeichnen. Stattdessen sah er sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert – ohne dass dies seiner Popularität schadete. Fernandez, die sich ebenfalls auf eine starke Führungsrolle beruft, möchte nun mit einer parlamentarischen Supermehrheit von 40 Sitzen nicht nur die Justiz reformieren, sondern auch die Wiederwahl des Präsidenten ermöglichen, die bisher in Costa Rica verboten ist.
Ob es ihr gelingt, eine Stichwahl zu vermeiden, hängt maßgeblich von der hohen Zahl unentschlossener Wähler ab. Sollte es dazu kommen, wäre Alvaro Ramos, Ökonom und Kandidat der traditionsreichen Nationalen Befreiungspartei, ihr stärkster Rivale. Auch Claudia Dobles, frühere First Lady, kandidiert – trägt aber die Hypothek der Regierung ihres Mannes Carlos Alvarado mit sich.
Costa Rica, einst ein Symbol politischer Stabilität, steht an einem Scheideweg: Setzt sich der autoritäre Kurs durch – oder findet das Land zurück zu seinem liberalen Selbstverständnis? Fest steht: Die Zukunft des Landes entscheidet sich nicht nur in den Urnen, sondern auch auf den Straßen – wo die Drogenkartelle längst ihren Schatten werfen.
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