Die renommierte Columbia University in New York steht im Zentrum einer heftigen Debatte über Meinungsfreiheit und staatlichen Einfluss. Anlass ist ein umstrittenes 200-Millionen-Dollar-Abkommen mit der Trump-Regierung, das nach massiver Kritik von Journalisten und Bürgerrechtsorganisationen Fragen zur Unabhängigkeit der Hochschule aufwirft.
Das Abkommen wurde im Juli geschlossen, nachdem die US-Regierung der Universität zuvor 400 Millionen Dollar an Fördergeldern gestrichen hatte. Begründung: Columbia habe nicht entschieden genug gegen antisemitische Vorfälle im Zusammenhang mit Pro-Palästina-Protesten auf dem Campus reagiert. In dem neuen Vertrag verpflichtet sich die Universität, bestehende Regeln zu verschärfen, etwa ein Verbot von Protesten in Gebäuden und eine Ausweispflicht für maskierte Demonstranten. Columbia bestreitet jedoch jede Schuld und betont, die Vereinbarung bedeute keine Einflussnahme auf Lehrinhalte, Personalentscheidungen oder Zulassungen.
Besonders kritisch äußerte sich das Knight First Amendment Institute, das an der Universität angesiedelt, aber rechtlich unabhängig ist. Direktor Jameel Jaffer warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall: „Wenn eine Institution nachgibt, wird es für die nächste schwerer, Widerstand zu leisten.“ Er sieht in den Maßnahmen der Regierung einen Teil einer breiteren „Attacke auf die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung“, die auch Anwaltskanzleien, Medien und andere Universitäten betreffe.
An der Columbia Journalism School, die zu den weltweit führenden Journalistenschulen zählt, zeigen sich die Spannungen besonders deutlich. Nach der Festnahme eines Studentenführers während anti-israelischer Demonstrationen im März veröffentlichten die Dozenten eine Erklärung, in der sie die „Bedrohung der politischen Rede und der freien Presse“ scharf verurteilten. Dekan Jelani Cobb sprach später von einem „harten, aber lehrreichen Jahr“. Trotz der schwierigen Umstände habe die Schule ihre Werte nicht aufgegeben: „Wir haben unseren Auftrag, für Pressefreiheit einzutreten, nicht verändert.“
Für viele Studierende sei die Krise sogar „klärend“ gewesen, so Cobb. Sie hätten unmittelbar erfahren, wie fragil die Meinungsfreiheit auch in Demokratien sein kann. Lehrkräfte wie Anya Schiffrin berichten zugleich von einer zunehmenden Selbstzensur auf dem Campus, aber auch von lebhaften Diskussionen über Demokratie, Medienfreiheit und Desinformation.
Trotz politischem Druck hält die Universitätsleitung daran fest, dass Columbia „unter eigener Kontrolle bleibt“. Präsidentin Claire Shipman erklärte: „Die Bundesregierung wird nicht bestimmen, was wir lehren, wer bei uns lehrt oder wen wir aufnehmen.“
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