Es hat neun Zähne, ein diabolisches Grinsen und sieht aus wie eine Mischung aus Muppet, Gremlin und japanischem Gummiball: Labubu, die neueste Plüsch-Offensive aus China, sorgt für internationale Euphorie – und stille Panik in den Chefetagen von Barbie, Lego und Konsorten.
Der pelzige Exportknaller aus dem Hause Pop Mart ist zwar offiziell eine Puppe, wirkt aber eher wie ein Troll, der aus einem besonders seltsamen Traum von Tim Burton gefallen ist. Hässlich-süß, limitiert und verdammt teuer – also genau das, was der kapitalistische Sammlermarkt liebt.
Das Imperium der Blind Boxen schlägt zurück
Pop Mart, ein Unternehmen, das inzwischen mehr Geld druckt als die Notenbank von Simbabwe, hat dank Labubu seine Einnahmen im ersten Halbjahr verdreifacht. Das ergibt einen erwarteten Gewinnsprung von 350 Prozent – und das alles mit Puppen, die man nicht mal gezielt kaufen kann. Richtig gelesen: Labubu gibt’s fast nur in sogenannten Blind Boxes, also Überraschungspaketen, bei denen man kauft, ohne zu wissen, was drin ist. Ein bisschen wie Tinder, nur mit mehr Plüsch.
Wer Pech hat, zieht das achte Einhorn in Stramplerpose. Wer Glück hat, eine limitierte Version mit Goldzähnen – und gewinnt damit den NFT des Kuschelzeitalters.
Marketing mit Rihanna, Madonna und K-Pop-Göttinnen
Dass Labubu gerade die Herzen (und Geldbörsen) der westlichen Welt erobert, liegt nicht nur am fluffigen Wahnsinn der Figuren selbst, sondern auch am PR-Zauberstab von Pop Mart: Rihanna hat eins, Blackpink-Lisa auch, Madonna wahrscheinlich zwei. Die Influencer:innen überschlagen sich in Unboxings, als hätte man das Bernsteinzimmer in Kapselgröße wiederentdeckt.
Der Börsenwert von Pop Mart? Mehr als 40 Milliarden Dollar. Für Plüschpuppen mit Zähnen. Irgendwo in Dänemark weint ein Lego-Manager.
Von Plüschtieren zur Soft Power
Aber halt! Labubu ist mehr als nur Kinderspielzeug für Erwachsene mit zu viel disposable income. Laut Expert:innen ist es auch geopolitische Kulturwaffe, eine Art „Plüsch-Diplomatie“. Chinas Image im Westen? Früher Überwachung, jetzt Übergrößen-Elf mit Glubschaugen.
Der People’s Daily (inoffizielles Sprachrohr der KP Chinas) nennt Labubu bereits ein Symbol chinesischer Popkultur, das im Ausland Fuß fasst. Wie ein softer Mao in Pink. Oder wie TikTok, nur zum Anfassen.
Fashion mit Flokati
Zielgruppe? Vor allem Frauen, sagt die Spielwarenmesse Nürnberg. Also wurden die Biester flugs in die Lifestyle-Schiene umetikettiert. Schmuck, Accessoires, Handtaschen – alles mit Labubu-Ohren und dem berühmten Serienkiller-Grinsen. In Berlin eröffnet demnächst der erste Store – wer da nicht mit einem Designer-Elf am Schlüsselanhänger rausgeht, hat das Leben nicht verstanden.
Sondermodelle für Sonderpreise
Ab 19 Euro ist man dabei – aber die Sammlerpreise explodieren, vor allem auf dem Secondhandmarkt. Für ein Riesen-Labubu (1,30 Meter hoch, vermutlich mit eigener Steuererklärung) wurden rund 120.000 Euro gezahlt. Für das Geld bekommt man in Brandenburg ein Haus – oder eben einen haarigen Troll mit Investmentpotenzial.
USA im Rückspiegel
Laut Umfragen ist das internationale Image Chinas mittlerweile besser als das der USA. Trump dankt, Labubu winkt, und irgendwo in Washington fragt sich jemand, ob man vielleicht auch ein grinsendes Maskottchen bräuchte – vielleicht mit Cowboyhut und McDonald’s-Gutschein.
Fazit: Chinas Plüschwaffe trifft ins Herz des Westens
Während der Westen noch über TikTok-Verbot und Handelszölle diskutiert, kuschelt sich China via Labubu in Wohnzimmer, Instagram-Feeds und Geldbeutel. Was bleibt, ist ein leises „Awww“ – und der Verdacht, dass die nächste große Supermacht nicht mit Raketen kommt, sondern mit limitierten Überraschungsboxen.
Kommentar hinterlassen