Donald Trumps verschärfter Kurs gegen Migranten sorgt zunehmend für Nervosität in der amerikanischen Wirtschaft. Während der US-Präsident seine angekündigten Massenabschiebungen vorbereitet, fürchten Unternehmen im ganzen Land den Verlust tausender Arbeitskräfte – mit möglicherweise dramatischen Folgen für Wirtschaftswachstum, Inflation und soziale Versorgung.
„Wir können auf diese Menschen nicht verzichten“, warnt Victor Moran, Chef eines Reinigungsunternehmens in Maryland mit über 1.200 Beschäftigten. Bereits 15 Mitarbeiter hat er verloren, nachdem Trump die Schutzmaßnahmen für Menschen aus Venezuela und Nicaragua aufgehoben hat. Sollte das Programm auch für andere Herkunftsländer gekippt werden, könnten hunderte weitere Beschäftigte betroffen sein.
Arbeitgeber schlagen Alarm
Moran ist nicht allein. Auch Pflegeunternehmer Adam Lampert aus Texas sieht dunkle Wolken aufziehen: „80 Prozent meiner Pflegekräfte sind aus dem Ausland. Sie beantworten den Ruf – nicht wir suchen gezielt nach Migranten.“ Wenn billige Arbeitskräfte fehlen, müssten höhere Löhne gezahlt werden – was letztlich die Preise für Pflege in die Höhe treibe.
Das größte Krankenhausnetzwerk in Texas, Harris Health, verlor bereits Personal infolge der neuen Maßnahmen. Vorstandschef Esmail Porsa warnt: „Wir brauchen Jahre, um Einheimische für diese Jobs auszubilden. Die Bevölkerung altert – und wir drosseln gleichzeitig die wichtigste Quelle neuer Fachkräfte.“
Von der Wirtschaftsmacht zum Wachstumsrisiko?
Laut US-Volkszählung war 2024 fast jeder fünfte Beschäftigte im Land ein Migrant – doppelt so viele wie noch 1994. Viele von ihnen arbeiten in Pflege, Gastronomie, Landwirtschaft oder auf dem Bau. Genau dort, wo Fachkräftemangel herrscht. Ökonomen wie Giovanni Peri von der Universität Kalifornien warnen vor einem strukturellen Schaden: „Wenn Firmen keine Leute finden, stagniert die Wirtschaft. Höhere Löhne führen zu Inflation, die Preise steigen.“
Die Politik Trumps könne das Land „von einem dynamischen Einwanderungsstaat zu einer stagnierenden Insel machen“, so Peri. Japans schrumpfende Wirtschaft, Resultat jahrzehntelanger Einwanderungsbeschränkungen, sei ein warnendes Beispiel.
Angst im Alltag
Viele Migranten leben seit Jahrzehnten legal im Land – mit befristeten Aufenthaltsgenehmigungen. Doch diese werden unter Trump zunehmend zurückgezogen. So wie bei Justino Gomez, 73, aus El Salvador. Seit über 30 Jahren lebt und arbeitet er in den USA – zunächst als Küchenhilfe, dann als Reinigungskraft. „Ich habe Angst, jedes Mal wenn ich das Haus verlasse“, sagt er. „Ich denke, ICE wartet an der U-Bahn, um uns zu verschleppen.“
Industrie im Schatten: Landwirtschaft, Bau, Pflege
Ob Farmarbeiter, Autowäscher oder Altenpfleger – Millionen Jobs hängen direkt oder indirekt an migrantischer Arbeit. Einige Sektoren, etwa der Hausbau, berichten bereits von fehlenden Arbeitskolonnen. Jim Tobin vom Bauverband NAHB schlägt Alarm: „Wenn wir keine Arbeiter haben, wird weniger gebaut – und die Preise steigen noch mehr.“
Trotz Protest – Trump bleibt hart
Zwar räumte Trump vergangene Woche ein, dass seine Politik insbesondere Landwirtschaft und Tourismus belaste – Branchen, die oft mit illegaler Arbeitskraft rechnen. Doch trotz internem Druck von Republikanern bleibt das Weiße Haus hart. Die Razzien, so das Heimatschutzministerium, seien „ein zentrales Element“ der Durchsetzungspolitik.
Fazit: Während Trump bei seinen Wählern mit harter Rhetorik punktet, geraten zentrale Sektoren der US-Wirtschaft ins Wanken. Die Frage, wie viele Abschiebungen das Wachstum verkraftet, wird zur ökonomischen Schicksalsfrage.
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