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Charithra Chandran glänzt bei Wimbledon – und wird zum Ziel sexistischer Hetze im Netz

LisaVanDorp (CC0), Pixabay
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Die britische Schauspielerin Charithra Chandran, bekannt aus der Netflix-Serie Bridgerton, wurde bei den Wimbledon Championships zur Überraschung des Tages – nicht wegen ihrer Leistung auf dem Tennisplatz, sondern wegen eines viralen Moments abseits des Rasens. In einem Clip, der Andrew Garfield beim Zuschauen zeigt, rückte Chandran, die hinter ihm saß, plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

„Alle Augen auf die braune Königin hinter ihm“, kommentierte ein Nutzer auf X (ehemals Twitter) – ein Post, der über 17 Millionen Mal angesehen wurde. Zahlreiche User feierten Chandran als „eine der schönsten Frauen überhaupt“. Doch wie so oft im Internet schlug die Begeisterung rasch in Häme um.

Kurz nach dem viralen Ruhm begannen Nutzer:innen, Chandrans Aussehen zu zerreißen: Gegenüberstellungen von Bildern mit und ohne Make-up, Spekulationen über Schönheitsoperationen und höhnische Kommentare häuften sich. Die Schauspielerin wurde prompt von einer Welle aus digitalem Spott und Hass überschwemmt.

„Alles, was sie getan hat, war: schön aussehen bei Wimbledon – und schon haben die Incels beschlossen, sie ins Visier zu nehmen“, schrieb ein User entsetzt.

Ein altbekanntes Dilemma: Zu viel oder zu wenig?

Das Phänomen zeigt ein bekanntes Muster: Frauen können es kaum richtig machen. Gehen sie ungeschminkt in die Öffentlichkeit, gelten sie als „ungepflegt“ – präsentieren sie sich gestylt und glamourös, wird ihnen Unechtheit oder Täuschung vorgeworfen.

„Das ist ein klassisches Beispiel für das sexistische Doppelmaß, nach dem Frauen bewertet werden“, erklärt Leora Tanenbaum, Autorin von Sexy Selfie Nation. „Ihr Aussehen wird ständig kontrolliert und bewertet – in einem Ausmaß, das Männern fast nie widerfährt.“

Die Debatte erinnert an ähnliche Fälle in den letzten Jahren: Schauspielerin Sydney Sweeney etwa brach 2021 in einem Instagram-Livestream in Tränen aus, nachdem sie auf X als „hässlich“ betitelt worden war. Und auch Pamela Anderson sorgte 2023 für Aufsehen – allerdings positiv – als sie sich konsequent ohne Make-up zeigte und erklärte: „Es ist einfach befreiend.“

Schminken als Kunst – oder als „Täuschung“?

Besonders perfide ist die Argumentation, dass Frauen sich mit Make-up „verkleiden“ oder gar „lügen“. Das Internet hat daraus längst eine Meme-Kultur gemacht – Stichwort: „Take her swimming on the first date“. Doch immer mehr Frauen widersprechen dem Narrativ.

„Make-up ist keine Lüge, es ist eine Kunstform“, heißt es von Userinnen, die sich für Selbstbestimmung beim Styling stark machen. Tanenbaum betont: „Die gesellschaftlichen Schönheitsideale sind so überhöht, dass sie ohne sichtbare Anstrengung schlicht nicht erreichbar sind – vor allem nicht für Frauen mit nicht-weißer Hautfarbe.“

Der toxische Nebeneffekt der Schönheitskontrolle

Was als vermeintlich harmlose Online-Debatte über Make-up und „Natürlichkeit“ beginnt, kann gefährliche Folgen haben. Frauen, deren Aussehen öffentlich abgewertet wird, erleben nicht nur einen massiven psychischen Druck – es entsteht auch ein gesellschaftliches Klima, in dem Frauen generell leichter diskreditiert werden.

„Wenn eine Frau als ‚nicht attraktiv‘ abgestempelt wird, zweifelt man später schneller an ihrer Glaubwürdigkeit – etwa, wenn sie Opfer von Gewalt geworden ist“, warnt Tanenbaum. „Denn in den Köpfen vieler gilt: Wer nicht begehrenswert erscheint, kann ja auch kein Opfer sein. Ein gefährlicher Irrglaube.“

Charithra Chandran selbst hat sich zu der Hetze bislang nicht öffentlich geäußert. Aber eines steht fest: Ihre Eleganz bei Wimbledon wurde von der Welt gesehen – und ihre Geschichte zeigt einmal mehr, wie dringend der digitale Umgang mit Frauen hinterfragt werden muss.

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