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Caritas-Präsidentin kritisiert Aktivrente als „teures Steuergeschenk“

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay
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Welskop-Deffaa warnt vor Ungleichbehandlung der Generationen – und fordert Rentenpflicht für Selbständige

Die geplante Aktivrente der Bundesregierung gerät zunehmend unter Beschuss. Nun meldet sich Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa zu Wort – mit deutlicher Kritik: Das Modell sei ein „teures Steuergeschenk zulasten der jüngeren Generation“, sagte sie im Interview mit t-online.

Konkret geht es um den Vorschlag, dass Rentnerinnen und Rentner künftig bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen dürfen – zusätzlich zur vollen Rente. Die Bundesregierung will damit dem Fachkräftemangel begegnen und ältere Menschen motivieren, länger im Berufsleben aktiv zu bleiben.

Doch für Welskop-Deffaa ist das ein fragwürdiger Anreiz auf Kosten der Fairness:

„Jeder Euro, den junge Arbeitnehmer mehr verdienen, unterliegt der vollen Steuerprogression“, kritisierte sie. Es sei nicht gerecht, wenn arbeitende Jüngere stärker belastet würden, während Ältere steuerfrei hinzuverdienen könnten.

Forderung: Selbstständige einbeziehen

Die Caritas-Präsidentin nutzte die Gelegenheit auch für eine grundsätzliche Forderung zur Rentenreform: Alle Erwerbstätigen – auch Selbstständige – müssten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, so Welskop-Deffaa. Nur so lasse sich langfristig eine stabile und solidarische Altersvorsorge sichern.

Die geplante Aktivrente ist Teil des aktuellen Rentenpakets der Bundesregierung, das unter anderem auch die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent und einen Generationenkapitalfonds vorsieht. Der steuerfreie Zuverdienst für Ältere ist als Anreiz gedacht, um Menschen im Ruhestand länger am Arbeitsmarkt zu halten – vor allem in Engpassberufen wie Pflege, Handwerk oder Bildung.

Kritik auch von anderen Sozialverbänden

Auch andere Sozialverbände und Ökonomen hatten sich bereits skeptisch zur Aktivrente geäußert. Sie sehen die Gefahr, dass das Steuerprivileg vor allem Besserverdienenden nützt, die ohnehin über hohe Rentenansprüche verfügen – während gering verdienende Rentner ohne Zusatzjob außen vor bleiben.

Die Ampel-Regierung verteidigt das Konzept als Beitrag zur Stärkung der Beschäftigung älterer Menschen und will damit auch dem demografischen Wandel begegnen.

Rechtlicher Hinweis: Der Gesetzentwurf zur Aktivrente befindet sich derzeit noch im parlamentarischen Verfahren. Änderungen am steuerlichen Freibetrag sind möglich. Eine abschließende Entscheidung durch Bundestag und Bundesrat steht noch aus.

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