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Bombenanschlag auf Millionär in Monaco: Ehemaliger ukrainischer Geheimdienstmitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Ein Bombenanschlag auf einen ukrainischstämmigen Millionär in Monaco, eine mutmaßliche Attentäterin, die wenig später erschossen in einem Wald aufgefunden wird, und schwere Vorwürfe gegen Angehörige des ukrainischen Militärgeheimdienstes: Ein internationaler Kriminalfall entwickelt sich zunehmend zu einer brisanten Geheimdienstaffäre. Nun hat ein in der Ukraine inhaftierter ehemaliger Sicherheitsbeamter erstmals ausführlich über die Hintergründe gesprochen. Seine Aussagen werfen neue Fragen auf, sind jedoch bislang nicht unabhängig bestätigt.

Bombenexplosion verletzt Millionär und seine Familie schwer

Im Juni 2026 wurde der aus der Ukraine stammende Geschäftsmann Vadym Yermolayev in Monaco Opfer eines Bombenanschlags. Der Millionär war gemeinsam mit seiner Familie auf dem Rückweg von einem Abendessen an der Küste, als sich vor dem Hauseingang eine Explosion ereignete.

Yermolayev und sein 13 Jahre alter Sohn erlitten schwere Verletzungen. Seine Lebensgefährtin wurde besonders schwer verletzt.

Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen eine Frau, die sich kurz vor dem Anschlag dem Eingangsbereich des Gebäudes nähert und dort eine Tasche abstellt. Als die Familie eintrifft, explodiert der darin befindliche Sprengsatz.

Die Wucht der Detonation war offenbar selbst für die Frau überraschend, die das Paket abgelegt hatte.

Bei der mutmaßlichen Attentäterin handelte es sich um die 39-jährige Ukrainerin Anastasia Berezovska.

Mutmaßliche Bombenlegerin wenig später erschossen aufgefunden

Nach der Explosion gelang Berezovska zunächst die Flucht.

Ihre Route führte nach bisherigen Erkenntnissen über Italien und Deutschland. Von Frankfurt am Main reiste sie schließlich mit einem Bus in die Ukraine.

Am 2. Juli veröffentlichten internationale Fahndungsbehörden Bilder der Frau, die aus den Überwachungsaufnahmen in Monaco stammten.

Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich bereits auf der Flucht.

Wenig später wurde ihre Leiche in einem Waldgebiet westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew entdeckt. Sie war durch Schüsse in den Kopf getötet worden.

Die Ermittlungen führten zu zwei Männern aus dem Umfeld ukrainischer Sicherheitsbehörden: dem ehemaligen Sicherheitsmitarbeiter Vitalii Zhykovych und dem aktiven Militärgeheimdienstoffizier Vladyslav Reut.

Beide wurden festgenommen und stehen im Verdacht, an der Ermordung der Frau beteiligt gewesen zu sein.

Ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter spricht aus dem Gefängnis

In einem Interview aus einem Gefängnis in Kiew äußerte sich Vitalii Zhykovych erstmals ausführlich zu dem Fall.

Der frühere Angehörige ukrainischer Sicherheitsstrukturen erklärte, er habe als freier Mitarbeiter für den ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU gearbeitet.

Berezovska bezeichnete er als eine von ihm geführte Agentin.

Nach seiner Darstellung soll nicht er selbst, sondern der Militärgeheimdienstoffizier Vladyslav Reut die Operation gegen den Millionär vorgeschlagen haben.

Reut sei für ihn eine vorgesetzte beziehungsweise maßgebliche Kontaktperson gewesen.

Besonders brisant ist Zhykovychs Behauptung, er sei davon ausgegangen, dass die Aktion von hochrangigen Verantwortlichen des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR genehmigt worden sei.

Ob dies tatsächlich zutrifft, ist ungeklärt.

Wurde der Bombenanschlag von Geheimdienstkreisen angeordnet?

Nach Darstellung des Inhaftierten habe Reut erklärt, der Anschlag auf Yermolayev sei mit Vorgesetzten innerhalb des ukrainischen Militärgeheimdienstes abgestimmt gewesen.

Zhykovych behauptet zugleich, er habe sich gegen den unmittelbaren Einsatz Berezovskas als Bombenlegerin ausgesprochen.

Die Frau sei seiner Einschätzung nach für eine derartige Operation nicht ausreichend ausgebildet gewesen.

Angeblich habe Reut daraufhin zugesichert, Berezovska lediglich zur Auskundschaftung des Tatorts einzusetzen.

Später soll Reut jedoch ohne weitere Beteiligung Zhykovychs direkt mit der Frau kommuniziert und ihr den Sprengstoff zur Verfügung gestellt haben.

Diese Darstellung ist bislang nicht unabhängig überprüft.

Der ukrainische Militärgeheimdienst hat frühere Anfragen zu dem Fall mit dem Hinweis beantwortet, eine umfassende Untersuchung zu unterstützen und mit den zuständigen Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten.

Eine Bestätigung, dass die Führung des Militärgeheimdienstes den Anschlag angeordnet oder genehmigt habe, liegt nicht vor.

Widersprüchliche Aussagen zum Mord an der mutmaßlichen Attentäterin

Besonders undurchsichtig sind die Umstände des Todes von Anastasia Berezovska.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll sie nach ihrer Rückkehr in die Ukraine gemeinsam mit Reut und Zhykovych in ein Waldgebiet gefahren worden sein.

Dort wurde sie erschossen und in einem flachen Grab verscharrt.

Reut soll zunächst gegenüber den Ermittlern ein Geständnis abgelegt und sie zum Grab geführt haben.

Später änderte er seine Aussage und belastete stattdessen Zhykovych.

Dieser bestreitet seinerseits, die Frau erschossen oder ihre Ermordung angeordnet zu haben.

Damit beschuldigen sich die beiden Verdächtigen gegenseitig.

Wer Berezovska tatsächlich getötet hat und ob ihr Tod mit dem Ziel erfolgte, Mitwisser auszuschalten oder Spuren des Anschlags zu beseitigen, ist bislang nicht geklärt.

War der Millionär wegen Geschäften auf der Krim im Visier?

Eine mögliche Erklärung für den Anschlag lieferte Zhykovych ebenfalls.

Nach seiner Darstellung soll Reut die geplante Aktion mit angeblichen wirtschaftlichen Verbindungen des Geschäftsmannes zur von Russland besetzten Halbinsel Krim begründet haben.

Yermolayev habe demnach durch seine geschäftlichen Aktivitäten indirekt russische staatliche Einnahmen unterstützt.

Aus Sicht der mutmaßlichen Organisatoren könnte dies als Rechtfertigung für einen Angriff betrachtet worden sein.

Der Geschäftsmann selbst bestreitet jedoch, weiterhin geschäftliche Interessen mit Bezug zu Russland zu unterhalten.

Zudem ist bislang nicht erwiesen, dass wirtschaftliche Aktivitäten auf der Krim tatsächlich das Motiv des Anschlags waren.

Eine solche Behauptung würde unabhängig davon keinen Sprengstoffanschlag auf einen Geschäftsmann und seine Familie rechtfertigen.

Neue Aussage: Möglicherweise doch kein offizieller Geheimdienstauftrag

Zusätzliche Zweifel ergeben sich aus einer weiteren Äußerung Zhykovychs während einer Gerichtsanhörung in Kiew.

Dort erklärte er, Reut habe ihm zwischenzeitlich gesagt, die Operation in Monaco sei gerade nicht offiziell genehmigt gewesen.

Vielmehr habe eine Person aus dem zivilen Bereich den Angriff in Auftrag gegeben.

Um wen es sich dabei handeln könnte, sagte Zhykovych nicht.

Diese Aussage steht in einem wesentlichen Spannungsverhältnis zu seiner Behauptung, der Anschlag sei zuvor von hochrangigen Vertretern des Militärgeheimdienstes autorisiert worden.

Damit bleiben mehrere Erklärungen denkbar: eine tatsächlich genehmigte Geheimdienstoperation, eine eigenmächtige Aktion einzelner Geheimdienstangehöriger oder ein privat beziehungsweise kriminell motivierter Anschlag unter Beteiligung von Personen mit Geheimdienstkontakten.

Für keine dieser Möglichkeiten liegt bislang ein abschließender Nachweis vor.

Auch organisierte Kriminalität wird als möglicher Hintergrund untersucht

Eine weitere Spur führt zu mutmaßlich betrügerischen Callcenter-Netzwerken in der Ukraine.

Solche Strukturen werden mit internationalen Anlage- und Telefonbetrügereien in Verbindung gebracht, bei denen Geschädigte teilweise erhebliche Geldbeträge verlieren.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dieser Ansatz, weil ein Sohn des angegriffenen Geschäftsmannes namens Artur in Estland wegen Betrugs an dortigen Bürgern verurteilt wurde.

Dabei soll es um Schäden in Millionenhöhe gegangen sein.

Aus dieser familiären Verbindung lässt sich allerdings keine persönliche Beteiligung Vadym Yermolayevs an entsprechenden Straftaten ableiten.

Der Geschäftsmann weist einen Zusammenhang mit den betreffenden Geschäften zurück.

Ob der Bombenanschlag mit Auseinandersetzungen innerhalb krimineller Netzwerke verbunden war, ist ebenfalls ungeklärt.

Angehörige der getöteten Frau zweifeln an Geheimdienstgeschichte

Für die Familie von Anastasia Berezovska ist der Fall besonders belastend.

Die 39-Jährige hatte die Ukraine Anfang 2022 mit ihrem kleinen Sohn verlassen und lebte seither in Deutschland.

Nach Angaben aus ihrem persönlichen Umfeld wollte sie Geld sparen, um eine Wohnung kaufen zu können.

Zhykovych behauptet dagegen, die Frau habe ein Doppelleben geführt und sei heimlich an Aktivitäten gegen Russland beteiligt gewesen.

Ihr Ehemann widerspricht dieser Darstellung ausdrücklich.

Er hält die Behauptung einer geheimdienstlichen Tätigkeit für unglaubwürdig und geht davon aus, dass seine Frau möglicherweise ohne vollständige Kenntnis der Hintergründe in die Ereignisse hineingezogen wurde.

Zhykovych wiederum schildert ein angebliches Telefonat mit Berezovska am Tag nach dem Anschlag.

Dabei soll sie ihm gesagt haben, Reut habe ihr für die Aktion 50.000 US-Dollar versprochen.

Eine unabhängige Bestätigung für dieses Gespräch oder die behauptete Geldzusage gibt es bislang nicht.

Ermittlungen in Monaco und der Ukraine dauern an

Der Fall beschäftigt Ermittlungsbehörden in mehreren Ländern.

Während in Monaco die Hintergründe des Bombenanschlags aufgeklärt werden müssen, konzentrieren sich die ukrainischen Ermittlungen auf den Tod der mutmaßlichen Bombenlegerin und die mögliche Beteiligung von Angehörigen staatlicher Sicherheitsstrukturen.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Fragen, wer die Tat geplant hat, woher der Sprengstoff stammte, wer die Zielperson auswählte und ob staatliche Stellen tatsächlich in den Anschlag verwickelt waren.

Auch die mögliche Existenz eines weiteren Anschlagsziels sorgt für Aufmerksamkeit.

Zhykovych erklärte, Reut habe ursprünglich von zwei Zielpersonen gesprochen. Den Namen der zweiten Person wollte er nicht nennen.

Andere Hinweise deuten auf einen prorussischen Blogger hin, der in der Ukraine wegen Landesverrats in Abwesenheit verurteilt worden sein soll. Auch dieser mögliche Zusammenhang ist bislang nicht abschließend bestätigt.

Fazit: Ein internationaler Kriminalfall mit zahlreichen offenen Fragen

Der Bombenanschlag von Monaco und der anschließende Tod der mutmaßlichen Attentäterin werfen schwerwiegende Fragen auf.

Ein Geschäftsmann und seine Familie wurden bei einer Explosion schwer verletzt. Die Frau, die den Sprengsatz nach den Überwachungsaufnahmen am Tatort abgelegt haben soll, wurde anschließend in der Ukraine erschossen.

Zwei Männer mit Verbindungen zu ukrainischen Sicherheits- beziehungsweise Nachrichtendiensten stehen im Verdacht, an ihrem Tod beteiligt gewesen zu sein.

Die jüngsten Aussagen eines Beschuldigten lenken den Verdacht auf mögliche Hintermänner innerhalb oder außerhalb staatlicher Geheimdienststrukturen.

Entscheidende Fragen sind jedoch weiterhin ungeklärt. Insbesondere gibt es bislang keinen gesicherten Beleg dafür, dass die ukrainische Staatsführung oder die Leitung des Militärgeheimdienstes den Anschlag angeordnet hat.

Für die Opfer und die Angehörigen der getöteten Frau bleibt deshalb vor allem eines entscheidend: eine umfassende und unabhängige Aufklärung der Hintergründe.

Sollten sich Hinweise auf eine Beteiligung staatlicher Geheimdienstangehöriger bestätigen, könnte der Fall weit über ein gewöhnliches Strafverfahren hinaus politische und diplomatische Folgen haben. Bis dahin müssen Anschuldigungen, Zeugenaussagen und nachgewiesene Tatsachen sorgfältig voneinander getrennt werden.

Redaktion diebewertung.de | 9. Oktober 2026

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ist eine eigenständig formulierte journalistische Aufbereitung der vorliegenden Berichterstattung und der dort wiedergegebenen Ermittlungsinformationen. Die Aussagen des inhaftierten Vitalii Zhykovych sind nicht abschließend überprüft. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Der Beitrag enthält keine Werbung und keine externen Verlinkungen.

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