Während in Washington die Lichter in vielen Bundesbehörden ausgehen, leuchten an der Wall Street die Rekordanzeigen. Der Dow Jones und der S&P 500 haben am Mittwoch neue Höchststände erreicht – trotz des am 1. Oktober gestarteten Regierungsstillstands in den USA.
Der Dow legte um 43 Punkte zu (+0,09 %), der S&P 500 stieg um 0,34 %, und auch der technologieorientierte Nasdaq gewann 0,42 %. Für den Dow und den S&P bedeutete dies Rekordschlüsse – bemerkenswert angesichts des politischen Stillstands.
Historisch gelassene Börsen
Analysten erinnern daran: Shutdowns sind für die Märkte nichts Neues. Seit 1976 gab es 20 Stillstände der US-Regierung, im Schnitt dauerten sie acht Tage. In der Regel blieben die Auswirkungen auf die Wirtschaft begrenzt. Im Gegenteil: In den Monaten nach dem Ende der Shutdowns legte der S&P 500 im Schnitt sogar leicht zu.
„Investoren konzentrieren sich stärker auf Unternehmensgewinne und die großen Wirtschaftstrends als auf haushaltspolitische Spielchen“, erklärte Adam Turnquist, Stratege bei LPL Financial.
Risiken im Hintergrund
Ganz so entspannt sehen es jedoch nicht alle. Vor allem Branchen, die stark von Staatsaufträgen abhängen – wie Verteidigung oder Gesundheitswesen – könnten bei längeren Ausfällen unter Druck geraten. Zudem drohen Verzögerungen wichtiger Konjunkturdaten, die für die Zinspolitik der US-Notenbank entscheidend sind.
Keith Buchanan, Portfolio-Manager bei Globalt Investments, warnt: „Wir glauben nicht, dass die Märkte das Risiko eines längeren, härteren Shutdowns vollständig eingepreist haben.“
Gold glänzt als sicherer Hafen
Während die Aktienkurse steigen, suchen Anleger zugleich Sicherheit: Gold kletterte auf ein neues Rekordhoch von 3.900 US-Dollar je Feinunze. Auch Silber legte deutlich zu. Beide Edelmetalle gelten als Fluchtwerte in politisch unsicheren Zeiten.
Mehr als ein politisches Theater?
Viele Marktbeobachter halten den Shutdown für ein politisches Ereignis ohne große Wirtschaftswirkung – solange er nicht Wochen oder gar Monate anhält. „Es ist eher ein Spektakel in Washington als ein Problem für die Börse“, meint Eric Teal von Comerica Wealth Management.
Entscheidend für die nächsten Wochen dürften vor allem die Quartalszahlen der Unternehmen und die weitere Zinspolitik der Fed bleiben. Solange Gewinne stabil bleiben und die Notenbank an ihrer Zinssenkungsstrategie festhält, könnte die Rallye trotz Shutdown weitergehen.
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