Für den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande ist ein weiteres Kapitel der Krise beendet: Nach fast 15 Jahren an der Börse wurde das Unternehmen nun vom Handelsplatz in Hongkong gestrichen. Der Schritt markiert das endgültige Ende der Aktiennotierung des hochverschuldeten Bauträgers, dessen Niedergang längst Symbol für die tiefen Verwerfungen in Chinas Immobiliensektor geworden ist.
Handelsaussetzung und Zerschlagung
Bereits seit dem 29. Januar 2024 war der Handel mit den Aktien von Evergrande ausgesetzt. Hintergrund war eine Entscheidung des Obersten Gerichts in Hongkong, das nach einer Klage internationaler Gläubiger die Zerschlagung des Konzerns angeordnet hatte. Damit war der Weg für ein Insolvenzverfahren frei, das sich voraussichtlich über Jahre hinziehen dürfte.
Schuldenberg von 300 Milliarden US-Dollar
Evergrande war über Jahre der größte Immobilienentwickler Chinas – und zugleich der am höchsten verschuldete. Der Konzern türmte einen Schuldenberg von rund 300 Milliarden US-Dollar auf. Die aggressive Expansionsstrategie basierte auf hohen Krediten und riskanten Finanzierungen, die spätestens mit der Abkühlung des Immobilienmarktes in China zum Verhängnis wurden. Als Peking zudem strengere Vorgaben für die Verschuldung von Bauunternehmen einführte, geriet Evergrande endgültig in eine Abwärtsspirale.
Folgen für Investoren und den Immobilienmarkt
Für die Aktionäre bedeutet die Löschung an der Börse den Totalverlust. Auch viele internationale Gläubiger müssen Abschreibungen in Milliardenhöhe verkraften. Der Fall hat weit über China hinaus für Erschütterungen gesorgt, da Evergrande als Sinnbild einer Immobilienblase gilt, die nicht nur in China, sondern auch an den globalen Finanzmärkten Risiken birgt.
Zugleich trifft die Pleite Millionen von chinesischen Wohnungskäufern. Viele Projekte des Konzerns sind unvollendet, Käufer warten bis heute auf die Fertigstellung ihrer Wohnungen. Für sie hat das Ende an der Börse keine direkte, aber eine symbolische Bedeutung: Die Hoffnung, dass der Konzern jemals wieder zu alter Stärke zurückkehrt, ist endgültig vorbei.
Signalwirkung für die Branche
Die Abwicklung von Evergrande könnte für andere Immobilienfirmen in China richtungsweisend sein. Schon heute stehen zahlreiche Konzerne unter Druck, die ähnlich wie Evergrande über Jahre hinweg auf Kreditexpansion gesetzt haben. Die Regierung in Peking versucht, mit Rettungspaketen und Vorgaben einen völligen Kollaps der Branche zu verhindern – ein Balanceakt zwischen Stabilisierung des Marktes und der Vermeidung weiterer Spekulationsblasen.
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