Während sich die Bundesregierung noch fragt, wie man mit den Taliban umgehen soll, macht ein altgedienter Sicherheitsbeamter Nägel mit Köpfen – oder zumindest mit Gesprächsrunden im Berliner Luxushotel: August Hanning, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), hat sich jüngst mit Hamid Karsai, Ex-Präsident Afghanistans, über Abschiebungen unterhalten – offenbar ganz ohne offiziellen Auftrag, aber mit großem Gestaltungswillen.
Abschiebelager made in Germany
Die Vision des pensionierten Spitzenbeamten: ein deutsches „Abschiebedorf“ mitten in Afghanistan. Klingt wie ein humanitärer Albtraum mit WLAN. Dort sollen abgeschobene Afghanen „integriert“ werden – wohlgemerkt in ein Land, aus dem viele vor Gewalt, Willkür und einem Regime geflohen sind, das Mädchen Bildung verbietet und Kritiker verschwinden lässt.
Doch laut Hanning ist alles halb so wild – Karsai habe sich „durchaus aufgeschlossen“ gezeigt. Vielleicht, weil er selbst nicht dort wohnen muss?
„Keine offiziellen Verhandlungen“ – aber viel Fantasie
Hanning beteuert, dass er keinerlei Mandat hatte – und offenbar auch niemanden in der Bundesregierung über seine Gespräche informiert hat. Privatinitiative im Namen der Nation, könnte man sagen – oder diplomatisches Kamikazemanöver. Immerhin: Die afghanische Seite sei offen für Gespräche, und in Kabul „laufe man offene Türen ein“. Bei den Taliban, wohlgemerkt – einer Gruppierung, die in Deutschland auf der Terrorliste steht.
Koalition: Ratlos mit Nebelkerze
In Berlin herrscht unterdessen große Einigkeit im Uneinigsein. Während Hanning Abschiebelager plant, diskutiert die Ampelregierung weiter über Gespräche mit einem Regime, das Menschenrechte bestenfalls als Vorschlag betrachtet.
Fazit: Während Ex-BND-Männer Zukunftsvisionen von Rückführungsoasen in Talibanland entwickeln, bleibt die Politik vor allem eines: abwesend. Oder wie man beim BND vielleicht sagen würde: „gedeckt operativ.“
Kommentar hinterlassen