US-Behörden haben nach eigenen Angaben Kryptowährungen im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar beschlagnahmt, die im Zusammenhang mit einem massiven internationalen Betrugs- und Menschenhandelsnetzwerk stehen. Wie das Justizministerium am 14. Oktober mitteilte, handelte es sich um sogenannte „Pig-Butchering“-Betrugsmaschen, die in Zwangsarbeitslagern in Südostasien, vor allem in Kambodscha, betrieben wurden. In der nun veröffentlichten Anklage wird dem 37-jährigen Chen „Vincent“ Zhi, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Prince Holding Group, vorgeworfen, ein „Betrugsimperium im industriellen Maßstab“ aufgebaut zu haben.
Unter seinem Dach sollen Dutzende Unternehmen in mehr als 30 Ländern betrieben worden sein, offiziell im Bereich Immobilien, Finanzen und Konsumgüter – tatsächlich aber zur Geldwäsche und Durchführung groß angelegter Online-Betrügereien. Zhi wird wegen Verschwörung zum Drahtbetrug und zur Geldwäsche angeklagt. Er befindet sich laut US-Behörden weiterhin auf freiem Fuß und wird in Kambodscha vermutet. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 40 Jahre Haft.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden 127.271 Bitcoin, die aus den Betrugsaktivitäten stammen, sichergestellt. Damit handelt es sich um die größte Beschlagnahmung in der Geschichte des US-Justizministeriums. Die US-Regierung sowie das Vereinigte Königreich haben die Prince Holding Group offiziell als transnationale kriminelle Organisation eingestuft und Sanktionen gegen deren Führungskräfte und verbundene Unternehmen verhängt. Die Ermittler werfen Zhi vor, Hunderte Arbeiter unter falschen Versprechungen in die Lager gelockt zu haben.
Über fingierte Jobanzeigen seien Menschen in sogenannte „Komplexe“ verschleppt worden, wo sie hinter Stacheldraht und unter Gewaltandrohung gezwungen wurden, Online-Betrügereien zu begehen. Diese reichten von romantischen Online-Täuschungen bis zu gefälschten Krypto-Investmentplattformen, über die Opfer weltweit um ihr Geld gebracht wurden. Allein in den USA sollen laut Anklage mehr als 250 Menschen betroffen gewesen sein. Die Betrüger bauten in vielen Fällen über Wochen und Monate persönliche Beziehungen zu ihren Opfern auf, um sie schließlich zu immer höheren Einzahlungen zu verleiten.
Ein Netzwerk in Brooklyn, New York, soll anschließend die illegalen Erlöse in den USA gewaschen haben. Die Gewinne aus den Betrugsaktionen flossen laut Anklage in ein Luxusleben: Zhi und seine Komplizen kauften Yachten, Privatjets, Luxusuhren, Kunstwerke – darunter ein Picasso-Gemälde – sowie Immobilien weltweit. Gleichzeitig sollen sie in mehreren Ländern Politiker bestochen haben, um ihre Geschäfte vor Strafverfolgung zu schützen. Um die Herkunft der Gelder zu verschleiern, nutzte das Netzwerk komplexe Krypto-Laundering-Techniken wie sogenanntes „Spraying“ und „Funneling“, bei denen Kryptowährungen über Tausende Wallets verteilt und anschließend wieder zusammengeführt werden. Der stellvertretende US-Justizminister John Eisenberg sprach von einem „kriminellen Imperium, das auf menschlichem Leid aufgebaut ist“. Die Opfer seien nicht nur um ihr Geld gebracht, sondern auch buchstäblich versklavt worden. Mit der Milliardenbeschlagnahmung wollen die US-Behörden nun ein deutliches Zeichen gegen die wachsende Verbindung von Kryptokriminalität und Menschenhandel setzen.
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