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Bilanzanalyse der BeWo – Die Berliner Wohnen GmbH

Leovinus (CC0), Pixabay
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Geschäftsjahr 2023

📌 1. Allgemeiner Überblick

Die Bilanz der BeWo GmbH weist zum 31.12.2023 eine Bilanzsumme von 3.913.867,54 EUR aus – im Vergleich zu 3.723.976,22 EUR im Vorjahr ein leichter Anstieg. Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich: Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist angespannt, mit strukturellen Schwächen und einem alarmierenden Eigenkapitalstatus.


⚖️ 2. Eigenkapital: Fehlanzeige

  • Eigenkapital 2023: 0,00 EUR

  • Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag: 515.453,11 EUR

  • → Vorjahr: 353.771,47 EUR

  • Der Fehlbetrag ist also um knapp +161.681 EUR gestiegen.

🟥 Kritikpunkt:
Das Unternehmen verfügt über kein ausgewiesenes Eigenkapital – stattdessen steht ein signifikanter, weiter wachsender Verlustvortrag in der Bilanz. Das bedeutet: Die Verbindlichkeiten übersteigen das Vermögen – bilanzielle Überschuldung.
Obwohl dies nicht automatisch eine insolvenzrechtliche Überschuldung nach §19 InsO bedeutet (es kommt auf Fortführungsprognose und Liquidität an), ist dies ein erhebliches Warnsignal für Investoren, Banken und Geschäftspartner.


💰 3. Verbindlichkeiten: Hoch, kurzfristig, gesellschafternah

  • Gesamtverbindlichkeiten: 3.905.304,31 EUR

  • Davon kurzfristig (< 1 Jahr): 3.057.056,52 EUR (78 %)

  • Davon gegenüber Gesellschaftern: 848.247,79 EUR

🟨 Einschätzung:
Die Finanzierung des Unternehmens erfolgt fast vollständig über Fremdkapital, mit einem erheblichen Teil durch Gesellschafterdarlehen. Fast alle Verbindlichkeiten sind kurzfristig – das erhöht das Risiko einer Liquiditätsklemme, falls Umsätze oder externe Finanzierungsmittel ausbleiben.


🏗️ 4. Vermögensstruktur

  • Anlagevermögen: 3.284.211,77 EUR (≈ 84 % der Aktiva)

  • Umlaufvermögen: 114.202,66 EUR

  • davon liquide Mittel? Nicht erkennbar aus der Bilanz

  • Forderungen an Gesellschafter: 1.642,10 EUR (vernachlässigbar)

🟧 Bewertung:
Der sehr hohe Anteil an Anlagevermögen lässt vermuten, dass die Liquiditätssituation angespannt ist – insbesondere bei kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen. Ohne Rücklagen oder Eigenmittel könnte schon ein kleiner Liquiditätsengpass kritisch werden.


🧾 5. Rückstellungen & Rechnungsabgrenzung

  • Rückstellungen: 5.392 EUR – gering

  • Rechnungsabgrenzungsposten: 3.171,23 EUR – ebenfalls gering

🟦 Kommentar:
Diese Positionen haben kaum Gewicht im Gesamtbild. Die niedrige Rückstellungssumme legt nahe, dass Risiken wie Gewährleistung, Prozessrisiken oder Personalaufwand wenig bis gar nicht bilanziell berücksichtigt wurden – was optimistisch oder realitätsfern sein könnte.


📉 6. Gesamteindruck & Ausblick

Kritische Punkte zusammengefasst:

  • Kein Eigenkapital vorhanden

  • Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag deutlich gestiegen

  • Hohe kurzfristige Verbindlichkeiten

  • Finanzierung primär über Fremdkapital (inkl. Gesellschafterdarlehen)

  • Geringe Liquiditätsreserven erkennbar

  • Operative Kennzahlen (z. B. Umsätze, Ergebnisrechnung) nicht vorhanden → keine Aussage über Rentabilität möglich


⚠️ Fazit: Vorsicht ist geboten

Die BeWo GmbH agiert – zumindest laut Bilanz – ohne finanzielles Polster. Für einen Bauträger, wie das Unternehmen sich offenbar versteht, ist das besonders heikel, da Projekte oft hohen Vorfinanzierungsbedarf haben und Risiken wie Bauverzögerungen, Preissteigerungen und Gewährleistungen tragen.

🗣️ Empfehlung:
Anleger, Käufer oder Projektpartner sollten größte Vorsicht walten lassen. Vor einer Beteiligung oder Geschäftsbeziehung sollte eine aktuelle BWA, ein Wirtschaftsprüfungsbericht oder zumindest ein aussagekräftiger Anhang zum Jahresabschluss vorliegen. Ein Totalverlustrisiko ist unter den gegebenen Umständen nicht von der Hand zu weisen.

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