Zelte in Parks, Notstrom aus Bayern, Helfer aus dem Saarland – während Berlin nach Tagen im Dunkeln noch immer um Normalität kämpft, wird die Hilfsbereitschaft im ganzen Bundesgebiet spürbar. Aber mit jeder Stunde ohne Strom wächst nicht nur die Solidarität – sondern auch der Frust. Und der richtet sich zunehmend gegen die Politik der Hauptstadt selbst.
Berlin ist nicht allein – noch nie war das so offensichtlich wie in diesen Tagen.
Seit dem flächendeckenden Stromausfall, der am Freitagmorgen das komplette Berliner Stromnetz lahmlegte, haben sich THW-Einheiten, Feuerwehrkräfte, mobile Versorgungszüge und Hilfskonvois aus ganz Deutschland auf den Weg in die Hauptstadt gemacht. In vielen Bezirken sichern Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg, Sachsen oder Niedersachsen inzwischen Trinkwasserstellen, betreiben Notunterkünfte und liefern Diesel für die wenigen noch funktionierenden Generatoren. Ohne diese Hilfe, so sagen viele Berliner offen, „wäre hier längst alles zusammengebrochen“.
Doch je länger der Ausnahmezustand anhält, desto lauter werden auch die Stimmen, die sich weniger über das Bundesland Berlin beklagen – als über seine politisch Verantwortlichen.
Krisenvorsorge? Offenbar nie ernst genommen.
„Was ist in all den Jahren eigentlich geplant worden?“, fragt sich nicht nur der Bundesverband für Bevölkerungsschutz. Tatsächlich offenbart die Krise in Berlin eklatante Versäumnisse:
- Keine flächendeckenden Notstromversorgungen bei Krankenhäusern oder Pflegeheimen
- Keine Warnsysteme, die ohne Strom funktionieren
- Kaum koordinierte Kommunikation – weder online (wegen Netzausfall) noch offline
Zwar spricht der Berliner Senat von „einem beispiellosen Angriff auf die Energieinfrastruktur“, doch Kritiker halten dagegen: Die Frage sei nicht, ob so etwas passiert, sondern warum man nicht darauf vorbereitet war.
Bundesweite Empörung über „Berliner Selbstzufriedenheit“
Besonders in anderen Bundesländern regt sich Wut. „Wir helfen gerne, aber wir erwarten auch, dass Berlin seine Hausaufgaben macht“, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Bayern gegenüber der diebewertung.de. Im Netz kursieren unter dem Hashtag #BerlinerBlindflug Videos von chaotischen Krisenstäben, leeren Tanklagern und hilflosen Bezirksbürgermeistern, die um Diesel betteln müssen.
Die Stimmung kippt. Während bundesweit Millionen in Hochwasserschutz, Katastrophenübungen und Blackout-Szenarien investiert wurden, hat Berlin offenbar auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Eine fatale Strategie – nun mit bundesweiten Konsequenzen.
„Kapitulation auf Raten“ – Opposition fordert politische Konsequenzen
Die Berliner Landesregierung steht zunehmend unter Druck. Die CDU-Fraktion spricht von einer „Kapitulation auf Raten“, die „Menschenleben gefährdet“ habe. Auch auf Bundesebene werden Stimmen laut, die eine Untersuchung fordern. FDP-Innenpolitikerin Marie-Jo Kranz sagte am Sonntagmorgen: „Wenn eine Hauptstadt von internationalem Rang tagelang ohne Strom ist, ohne Plan, ohne Führung, dann ist das ein sicherheitspolitisches Alarmsignal – nicht nur ein technisches.“
Fazit: Die Krise zeigt, wie verletzlich Berlin ist – und wie stark der Rest des Landes sein muss
So paradox es klingt: Berlin übersteht diese Krise bislang nicht wegen, sondern trotz seiner politischen Führung. Was den Kollaps verhindert, ist ein Kraftakt der Solidarität, Disziplin und föderalen Einsatzbereitschaft. Doch genau deshalb wird der Ruf nach Konsequenzen lauter.
Denn eines ist klar: Wer in der Mitte Deutschlands leben will, kann sich nicht auf Hilfe am Rand verlassen – erst recht nicht immer wieder.
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