Ein jetzt veröffentlichter Bericht der US-Küstenwache kommt zu dem Schluss, dass die Implosion des Tauchboots Titan im Juni 2023 auf gravierende Versäumnisse des Betreibers OceanGate zurückzuführen ist. Die 335 Seiten umfassende Untersuchung spricht von einem „vermeidbaren“ Unglück, das durch mangelhafte Konstruktion und ein gefährliches Betriebsklima begünstigt wurde.
Die Titan, ein 6,7 Meter langes Tauchboot aus Kohlefaser, war am 18. Juni 2023 während eines Tauchgangs zum Wrack der Titanic im Nordatlantik implodiert. Alle fünf Insassen kamen ums Leben, darunter OceanGate-CEO Stockton Rush, der britische Milliardär Hamish Harding, der französische Meeresexperte Paul-Henri Nargeolet sowie der pakistanische Unternehmer Shahzada Dawood und dessen 19-jähriger Sohn Suleman.
Schwere Vorwürfe gegen OceanGate
Der Untersuchungsbericht macht deutlich: OceanGate habe Sicherheitsstandards missachtet, auf Zertifizierungen verzichtet und Inspektionen vernachlässigt. Zudem habe das Unternehmen durch „Einschüchterungstaktiken“ und den Ruf als innovativer Anbieter behördliche Kontrollen systematisch umgangen.
Das Tauchboot war laut Bericht weder registriert noch durch eine anerkannte Organisation zertifiziert oder regelmäßig geprüft worden. OceanGate habe eine Unternehmenskultur gefördert, die Kritik unterdrückte und Risiken verharmloste.
Wäre OceanGate-Gründer Stockton Rush nicht selbst ums Leben gekommen, hätte er sich möglicherweise strafrechtlich verantworten müssen, so die Ermittler. Er habe durch fahrlässiges Verhalten zum Tod der anderen vier Personen beigetragen.
Detaillierter Zeitablauf der Tragödie
Der Bericht dokumentiert minutengenau die letzten Momente der Titan:
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8:30 Uhr: Die fünf Teilnehmer steigen in die Kapsel, das Boot wird verschlossen.
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9:14 Uhr: Die Tauchfahrt beginnt, das Boot beginnt den Abstieg zum Titanic-Wrack.
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9:28 Uhr: Die Crew bestätigt den Abstieg mit 33 Metern pro Minute.
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9:53 Uhr: Die Kommunikation zum Begleitschiff Polar Prince bricht für rund 15 Minuten ab.
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10:08 Uhr: Ein kurzes Signal („k“) bestätigt die Wiederherstellung des Kontakts.
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10:47:02 Uhr: Die Titan meldet das Abwerfen von Ballast zur Verlangsamung der Abfahrt.
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10:47:08 Uhr: Letzte Standortmeldung aus 3.346 Metern Tiefe.
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10:47:09 Uhr: Die Implosion ereignet sich. Laut Bericht hörte die Crew der Polar Prince zwei Sekunden später ein „Knallgeräusch“, das später eindeutig dem Unglück zugeordnet wurde.
Erst am Abend desselben Tages, um 19:10 Uhr, wurde offiziell Notlage gemeldet. Es folgte eine internationale Suchaktion, die am 22. Juni zur Entdeckung von Trümmerteilen führte.
Konsequenzen und Lehren
Jason Neubauer, Leiter des Untersuchungsausschusses der Küstenwache, betonte: „Der Verlust von fünf Menschenleben war vermeidbar. Die Untersuchung hat mehrere Faktoren offengelegt, die künftig ähnliche Tragödien verhindern können.“
Ob strafrechtliche Konsequenzen für das Unternehmen oder weitere Verantwortliche folgen, bleibt offen. Durch den Tod von CEO Rush wird keine Anklage mehr gegen ihn selbst erhoben.
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