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Bericht über die Mittelverwendungskontrolle zum Projekt „Solarenergie für Kolumbien“

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Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungsgesellschaft

Hamburg

Bericht über die Mittelverwendungskontrolle zum Projekt

„Solarenergie für Kolumbien“

Gemäß den Regelungen des § 5c Vermögensanlagengesetz (nachfolgend „VermAnlG“) berichten wir, die Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungsgesellschaft als Mittelverwendungskontrolleur, dass die Emittentin Ongresso Energy AG, ansässig in der Kreuzhofstrasse 29 in CH-9050 Appenzell, eingetragen im Handelsregisteramt des Kantons Appenzell Innerrhoden (Schweiz) unter der Registernummer CHE-496.451.937, seit Beginn des Projekts am 9. September 2025 mittels der Crowdfunding-Plattform „bettervest GmbH“ Anlegergelder in Höhe von insgesamt EUR 373.076,44 eingesammelt hat. Hiervon wurden EUR 50,00 aufgrund nicht erbrachter bzw. unvollständiger Legitimierungsunterlagen oder Gelder, die innerhalb der Widerrufsfrist storniert worden sind, an potenziellen Anleger zurückgezahlt.

Die Anlegergelder wurden in Höhe von EUR 248.564,00 für folgende Projekte verwendet:

Ebene 1: Weitergabe der Anlegergelder in Form eines Gesellschafterdarlehens durch die Emittentin an das kolumbianische Gemeinschaftsunternehmen Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. („Projektgesellschaft“) mit Sitz in der Carrera 11 #86-53, Büro 501, Bogotá, Kolumbien, eingetragen in der Handelskammer Bogotás, unter der Registrierungsnummer NIT°901.914.435-1, nach Abzug der Vermittlungsprovision, der Organisations- und Managementgebühren und den Kosten für die Mittelverwendungskontrolle, zur Durchführung des Projektes „Solarenergie für Kolumbien“

Ebene 2: Verwendung der Anlegergelder durch die Projektgesellschaft 1. zur Errichtung von zwei solaren Mini-Farmen bzw. Photovoltaikanlagen (Las Bateas und Las Delicias) in der Gemeinde Aguachica im Departamento Cesar, Kolumbien, und 2. für die Umsetzung der Anlagen San Rafael 1, San Rafael 2 und San Rafael 3 in San Rafael de Lebrija, Kolumbien, der Anlage Cencosud – Jumbo Las Vegas in Medellín, Kolumbien, der Anlage Cencosud – Jumbo Calle 80 in Bogotá, Kolumbien, der Anlage Cencosud – Metro Girón in Girón, Kolumbien, der Anlage Cencosud – Metro Palmira in Palmira, Kolumbien, der Anlage Cencosud – Easy Soacha in Soacha, Kolumbien und der Anlage Cencosud – Metro Simón Bolívar in Cali, Kolumbien

Eine detaillierte Aufstellung ist diesem Bericht als Anlage 1 beigefügt.

Weiterhin wurden die Anlegergelder in Höhe von EUR 28.136,00 verwendet, um folgende Kosten zu begleichen:

1)

Vermittlungsprovision

2)

Funding-Fee (Organisations- und Managementgebühren)

3)

Kosten für die Mittelverwendungskontrolle

Eine detaillierte Aufstellung der sonstigen Kosten ist diesem Bericht als Anlage 2 beigefügt.

Bislang wurden EUR 96.326,44 (davon noch EUR 32.061,00 innerhalb der Widerrufsfrist) der bereitgestellten Anlegergelder noch nicht investiert.

Als Mittelverwendungskontrolleur bestätigen wir, dass die Verwendung der Anlegergelder auf den oben genannten Ebenen planmäßig nach den uns vorliegenden Verträgen sowie dem am 19. August 2025 erstellten und am 21. Oktober aktualisierten BIB erfolgt ist.

Hamburg, den 9. März 2026

Dr. Ralf Ellerbrok
– Geschäftsführer –

Rödl Treuhand Hamburg GmbH – Steuerberatungsgesellschaft

Anlage 1 – Aufzählung von Vorhaben oder Rechte an Vorhaben

Die Anleger vergeben ein Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre an den schweizerischen Projektinhaber Ongresso Energy AG, eingetragen im Handelsregister des Kantons Appenzell Innerrhoden, unter der Registrierungsnummer CHE-496.451.937. Die Emittentin vergibt mit den Nettoeinnahmen aus der Emission der Nachrangdarlehen ein Gesellschafterdarlehen an das kolumbianische Gemeinschaftsunternehmen Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. („Projektgesellschaft“) mit Sitz in der Carrera 11 #86-53, Büro 501, Bogotá, Kolumbien, eingetragen in der Handelskammer Bogotás, unter der Registrierungsnummer NIT°901.914.435-1. Die Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. steht zu 50% im Eigentum der schweizerischen Ongresso Energy AG und zu 50% im Eigentum der kolumbianischen EDF Colombia S.A.S. mit Sitz in der Calle 86 #10-88, Bogotá, Kolumbien, eingetragen im kolumbianischen Handelsregister, unter der Registrierungsnummer NIT°901-560-074-5. Die Projektgesellschaft Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. wurde von Ongresso Energy AG und EDF Colombia S.A.S. gegründet und ist spezialisiert auf die Entwicklung, den Bau, Besitz und Betrieb von Solar-Photovoltaik-Energieanlagen in Kolumbien. Die Zusammenarbeit ist durch ein Shareholder Agreement formalisiert und vertraglich geregelt. Die Projektgesellschaft beabsichtigt den Bau mehrerer solarer Mini-Farms. („Vorhaben“). Zunächst sollen zwei solare Mini-Farms errichtet werden: Las Bateas und Las Delicias:

Die Photovoltaikanlage Las Bateas befindet sich bei den Koordinaten 8.292560°, -73.654076° in der Gemeinde Aguachica im Departamento Cesar, Kolumbien. Für das Projekt ist ein Netzanschluss an das Mittelspannungsnetz mit einer Spannung von 13,8 kV vorgesehen. Die Anlage wird auf einer Fläche von 2,5 bis 3 Hektar errichtet und erreicht eine Nennleistung von 990 kW AC sowie eine installierte Spitzenleistung von 1.365 kWp DC. Als Technologie kommen monokristalline, bifaziale Solarmodule zum Einsatz. Die Module werden auf einachsigen Solartrackern installiert. Für die Umwandlung der erzeugten Energie werden Wechselrichter eingesetzt.

Die Photovoltaikanlage Las Delicias liegt bei den Koordinaten 8.290788°, -73.654213°, ebenfalls in Aguachica/​Cesar. Auch hier ist der Netzanschluss an das Mittelspannungsnetz mit 13,8 kV vorgesehen. Die Netzanschlussgenehmigung wurde bereits erteilt. Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von 2,5 bis 3 Hektar und verfügt über eine AC-Nennleistung von 990 kW sowie eine DC-Spitzenleistung von 1.365 kWp. Wie bei Las Bateas werden monokristalline, bifaziale Solarmodule eingesetzt. Die Module werden auf einachsigen Trackern installiert. Für die Umwandlung der Solarenergie werden Wechselrichter verwendet.

Die durch das Nachrangdarlehen finanzierten Kosten für den Bau von Las Bateas und Las Delicias betragen voraussichtlich EUR 699.750,00 (Las Delicias: EUR 349.000,00 – Las Bateas: EUR 350.750,00).

Nach dem Bau dieser beiden ersten solaren Mini-Farms beabsichtigt die Projektgesellschaft die Umsetzung der folgenden Anlagen:

 

Anlage Region Produkttyp Anzahl Produkte und Anlagen Koordinaten Jährliche Stromer-zeugung in MWh Größe in kWp
San Rafael 1 San Rafael de Lebrija, Kolumbien Solarmodul,
LONGI Solar
(monokristallin /​bifazial 610 –
630 Watt
Modul)
2110 Module 1 Anlage 7.610298, -73.567987 2619,36 1298,265
San Rafael 2 San Rafael de Lebrija, Kolumbien 2110 Module 1 Anlage 7.610298, -73.567987 2619,36 1298,265
San Rafael 3 San Rafael de Lebrija, Kolumbien 2110 Module 1 Anlage 7.610298, -73.567987 2619,36 1298,265
Cencosud – Jumbo Las Vegas Medellín,
Kolumbien
1386 Module 1 Anlage 6.1868482830523, –
75.58242161992241
1407,04 852,39
Cencosud – Jumbo Calle 80 Bogotá, Kolumbien 1575 Module 1 Anlage 4.691214608445161,
-74.08391008965714
1425,69 968,625
Cencosud – Metro Girón Girón, Kolumbien 405 Module 1 Anlage 7.0641353400473825,
-73.16759654169354
430,82 249,075
Cencosud – Metro Palmira Palmira,
Kolumbien
372 Module 1 Anlage 3.539366405279695,
-76.296628703879
390,17 228,78
Cencosud – Easy Soacha Soacha, Kolumbien 275 Module 1 Anlage 4.58752067705842, –
74.1974396885031
281,33 169,125
Cencosud – Metro Simón Bolívar Cali, Kolumbien 526 Module 1 Anlage 3.39822640040612, –
76.52230208817197
541,22 323,49
Anlage Region Produkttyp EPC-
Vertragswert gesamt in US$
Durch NRD
finanzierter
Anteil in %
Durch NRD zu
finanzierende
Kosten in US$
Durch NRD zu finanzierende Kosten in €
San Rafael 1 San Rafael de Lebrija, Kolumbien Solarmodul,
LONGI Solar
(monokristallin /​bifazial 610 –
630 Watt
Modul)
$1.000.000,00 12% $119.468,09 102.646,98 €
San Rafael 2 San Rafael de Lebrija, Kolumbien $1.000.000,00 12% $119.468,09 102.646,98 €
San Rafael 3 San Rafael de Lebrija, Kolumbien $1.000.000,00 12% $119.468,09 102.646,98 €
Cencosud – Jumbo Las Vegas Medellín,
Kolumbien
$497.122,00 12% $59.390,22 51.028,07 €
Cencosud – Jumbo Calle 80 Bogotá, Kolumbien $737.371,00 12% $88.092,31 75.688,91 €
Cencosud – Metro Girón Girón, Kolumbien $167.219,00 12% $19.977,33 17.164,53 €
Cencosud – Metro Palmira Palmira,
Kolumbien
$158.665,00 12% $18.955,40 16.286,48 €
Cencosud – Easy Soacha Soacha, Kolumbien $116.691,00 12% $13.940,85 11.977,98 €
Cencosud – Metro Simón Bolívar Cali, Kolumbien $196.704,00 12% $23.499,85 20.191,07 €

Die durch das Nachrangdarlehen zu finanzierenden Gesamtkosten über alle Anlagen betragen EUR 1.200.028,00.

Für die Umsetzung des Vorhabens hat das Gemeinschaftsunternehmen Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. sog. EPC (Engineering-Procurement-Production) Verträge für den schlüsselfertigen Bau der Anlagen mit dem Bauunternehmen Grupo Energetico de Santander S.A.S. E.S.P., Cra. 37 #52-43, Cabecera del llano, Bucaramanga, Santander, Kolumbien abgeschlossen. Im Rahmen der EPC-Verträge übernimmt das EPC-Unternehmen alle Aufgaben von der Detailplanung, Beschaffung der Komponenten, Bau, Montage, Anschluss ans Netz, Inbetriebnahme bis hin zu Betrieb und Wartung der Anlage für zwei Jahre. Es trägt dabei alle Risiken und Kosten, die für die Fertigstellung und Funktionstüchtigkeit der Anlage notwendig sind. Die Joint Venture Partner EDF Colombia S.A.S. und Ongresso Energy AG beteiligen sich zu je 50% an den EPC-Kosten und finanzieren die Projektgesellschaft Brillo Renovables S.A.S. E.S.P. primär über Gesellschafterdarlehen.

Die Nachrangdarlehen der Anleger an die Ongresso Energy AG werden genutzt, um das Gesellschafterdarlehen anteilig zu finanzieren. Der Anteil des Nachrangdarlehens an den gesamten Projektkosten der beiden ersten Projekte beträgt 34% (50% kommen vom Joint Venture Partner EDF, die restlichen 16% aus Eigenmitteln der Emittentin). Die Projektgesellschaft beabsichtigt die Darlehensforderung der Emittentin (Zins- und Rückzahlungen) durch seine Erlöse aus den Stromabnahmeverträgen mit Nitro Energy S.A.S. E.S.P. und Cencosud S.A. zu bedienen. Nitro Energy S.A.S E.S.P. ist einer der größten kolumbianischen Energiedistributoren. Cencosud S.A. ist der Betreiber einer der größten Supermarktketten in Südamerika. Die Stromabnahmeverträge regeln die Nutzung der durch die Solaranlagen erzeugten Elektrizität und garantiert deren Abnahme zu einem vordefinierten Preis, der an die kolumbianische Inflation gekoppelt ist. Der Stromabnahmevertrag mit Nitro Energy S.A.S. E.S.P. hat eine Laufzeit von 15 Jahren, der mit Cecosud S.A. hat eine Laufzeit von 10 Jahren.

Die Emittentin beabsichtigt die Nachrangdarlehensforderungen der Anleger aus den Erlösen des Gesellschafterdarlehens an die Projektgesellschaft zu bedienen.

Bericht für den Zeitraum vom 9. September 2025 bis 9. März 2026

Anlageobjekt Beschreibung Anlageobjekt Betrag Netto Betrag Brutto Freigegeben am Freigabe Grundlage

1

Photovoltaikanlage Las Bateas Photovoltaikanlage Las Delicias

Photovoltaikanlage Las Bateas Rechnungen EPC Vertrag Nr. 0210-2025-B2 Nr. 0210-2025-B3 > bisher EUR 200.023,48 von möglichen EUR 349.000,00 eingereicht Photovoltaikanlage Las Delicias Rechnung EPC Vertrag Nr. 0210-2025-D2 > bisher EUR 99.807,34 von möglichen EUR 350.750,00 eingereicht ZAHLUNGBESTÄTIGUNGEN LIEGEN VOR

146.628,00 €

146.628,00 €

01.12.2025

gem. BIB

2

Photovoltaikanlage Las Bateas Photovoltaikanlage Las Delicias

Photovoltaikanlage Las Bateas Rechnungen EPC Vertrag Nr. 0210-2025-B2 Nr. 0210-2025-B3 > bisher EUR 200.023,48 von möglichen EUR 349.000,00 eingereicht Photovoltaikanlage Las Delicias Rechnung EPC Vertrag Nr. 0210-2025-D2 > bisher EUR 99.807,34 von möglichen EUR 350.750,00 eingereicht ZAHLUNGBESTÄTIGUNGEN LIEGEN VOR

101.936,00 €

101.936,00 €

19.01.2026

gem. BIB

Total 248.564,00 €

Anlage 2 – Aufzählung sonstige Ausgaben

Bericht für den Zeitraum vom 9. September 2025 bis 9. März 2026

Datum Rechnung Dienstleister /​ Rechnungssteller VWZ Rechnung Ergänzung /​ Erläuterung zum VWZ Betrag Netto Betrag Brutto Freigegeben am Freigabe Grundlage
1 17.11.2025 bettervest GmbH Funding-fee: 3% of 165.900,00 € Organisations- und Managementgebühr: 3% von 165.900,00 4.977,00 € 4.977,00 € 01.12.2025 gem. Vertrag über die Mittel-
verwendungs-
kontrolle
2 17.11.2025 Effecta GmbH Vermittelte Zeichnungssumme: 165.900,00 EUR x 5% 8.295,00 € 8.295,00 € 01.12.2025 gem. Vertrag über die Mittel-
verwendungs-
kontrolle
3 19.11.2025 Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungs-
gesellschaft
Treuhandvergütung 6.000,00 € 6.000,00 € 01.12.2025 gem. Vertrag über die Mittel-
verwendungs-
kontrolle
4 12.01.2026 bettervest GmbH Funding-fee: 3% of 110.800,00 € (276.700,00 € revocation-free minus 165.900,00 € already invoiced) Organisations- und Managementgebühr: 3% von 110.800,00 € (276.700,00 € widerrufsfrei minus 165.900,00 € bereits in Rechnung gestellt) 3.324,00 € 3.324,00 € 19.01.2026 gem. Vertrag über die Mittel-
verwendungs-
kontrolle
5 13.01.2026 Effecta GmbH Vermittelte Zeichnungssumme: 110.800,00 EUR x 5% 5.540,00 € 5.540,00 € 19.01.2026 gem. Vertrag über die Mittel-
verwendungs-
kontrolle
Total 28.136,00 €

Hier ist eine Analyse aus Anlegersicht – also nicht aus Sicht der Emittentin oder des Mittelverwendungskontrolleurs, sondern mit dem Fokus auf: Wie gut ist meine Position als Investor, wo liegen die Risiken und was sagt der Bericht gerade nicht?


Anlegeranalyse: FMTG Crowdinvesting „Herbst 2025 – 5 Jahre“

1. Was der Bericht positiv belegt

Der Bericht bestätigt im Kern drei Dinge:

Erstens: Das eingesammelte Geld wurde formal so verwendet, wie es im Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) beschrieben war.
Zweitens: Die Zahlungswege und Verträge lagen dem Mittelverwendungskontrolleur vor.
Drittens: Das Geld ist vollständig abgeflossen, also nicht ungenutzt liegen geblieben.

Das ist besser als bei vielen schwächer dokumentierten Crowdinvesting-Fällen. Es zeigt, dass die Struktur nicht chaotisch, sondern formal nachvollziehbar ist.

Aber: Das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn eine Mittelverwendungskontrolle prüft im Wesentlichen, ob das Geld vertragsgemäß bewegt wurde – nicht, ob das Investment für Anleger wirtschaftlich attraktiv, sicher oder fair ist.


2. Was Anleger tatsächlich gekauft haben

Anleger haben hier kein Hotelanteil, keine Immobilie, keine Grundschuld und kein klassisches Darlehen mit starker Gläubigerposition gekauft.

Sie haben ein:

  • festverzinstes Nachrangdarlehen
  • mit qualifiziertem Rangrücktritt
  • und vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre

Das ist aus Anlegersicht der wichtigste Punkt.

Übersetzt bedeutet das:

Wenn es wirtschaftlich eng wird, kann die Emittentin sagen:
Wir zahlen nicht, weil die Zahlung eine Krise oder Insolvenz auslösen könnte.

Und der Anleger kann dann nicht einfach normal vollstrecken wie ein gewöhnlicher Gläubiger.

Das heißt:
Die Risiken ähneln wirtschaftlich eher Eigenkapital, die Rechte aber nicht.

Man trägt also viel Risiko – ohne die Kontrolle oder die Chancen eines echten Gesellschafters.


3. Der größte Denkfehler vieler Anleger: „Ich investiere in ein Hotel in Sizilien“

So klingt es oft marketingseitig. Tatsächlich ist die Struktur aber deutlich komplizierter.

Der tatsächliche Geldfluss:

  1. Anleger geben Geld an die FMTG AG
  2. Diese gibt das Geld als nicht rückzahlbaren Gesellschafterzuschuss an die FMTG Development GmbH
  3. Diese verwendet das Geld zur Tilgung interner Finanzierungen gegenüber der FMTG Financial Services GmbH
  4. Dahinter steht mittelbar das Projekt Falkensteiner Beach Resort Licata
  5. Zurückgezahlt werden Anleger aber nicht direkt aus Hotelcashflows, sondern aus Markennutzungsrechten

Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.


4. Was daran kritisch ist

a) Anlegergeld fließt nicht direkt ins Projekt, sondern zuerst in eine interne Refinanzierung

Das Geld wird wirtschaftlich verwendet, um bestehende gruppeninterne Finanzierungen zurückzuführen.

Das ist nicht per se unzulässig. Aber aus Anlegersicht heißt das:

  • Das Geld schafft nicht unmittelbar neues, freies Projektvermögen
  • Es dient zunächst der Bilanz- und Finanzierungsstruktur innerhalb des Konzerns

Das ist deutlich weniger greifbar als ein klares „Ihr Geld finanziert genau diese Baukosten“.


b) Der Gesellschafterzuschuss ist nicht rückzahlbar

Der Bericht sagt ausdrücklich:

„freiwillige, nicht rückzahlbare und unverzinsliche Zahlung“

Das ist aus Anlegersicht ein zentraler Punkt.

Denn das bedeutet:
Die Emittentin gibt das Anlegergeld auf der nächsten Ebene ohne Rückzahlungsanspruch weiter.

Damit hängt die Rückzahlung an die Anleger nicht daran, dass dieses Geld auf der Ebene der FMTG Development GmbH wieder zurückfließt, sondern daran, dass anderswo im Konzern später genügend Mittel vorhanden sind.

Das erhöht das Risiko klar.


c) Rückzahlung in 5 Jahren – aber zugrunde liegende Struktur teils deutlich länger

Hier fällt eine Fristeninkongruenz auf.

Die Anleger investieren für 5 Jahre.
Das zugrunde liegende Gesellschafterdarlehen an LICATA läuft aber bis 14.06.2033.

Das heißt:
Die Anlegerlaufzeit ist kürzer als Teile der wirtschaftlichen Projektlaufzeit.

Die Rückzahlung an Anleger soll also nicht aus einer vollständigen Rückführung des Hotelprojekts erfolgen, sondern aus anderen laufenden Einnahmen – nämlich den Markennutzungsrechten.

Das ist machbar, aber aus Anlegersicht riskanter, weil man auf ausreichende laufende Konzernzuflüsse angewiesen ist.


5. Der Rückzahlungsmechanismus: nicht Hotelrendite, sondern Markenlizenz-Einnahmen

Die Rückzahlung soll laut Bericht erfolgen aus:

Einnahmen der Emittentin für die Einräumung von Markennutzungsrechten

Also vereinfacht:
Die Emittentin bekommt 1 % der monatlichen Umsätze der von der FHM s.r.l. gemanagten Hotels in Italien.

Das ist interessant, aber auch riskant.

Positiv:

  • Es gibt mehrere Hotels, nicht nur das neue Projekt in Licata
  • Das verteilt das Risiko etwas breiter

Kritisch:

  • Die Rückzahlung hängt an Umsätzen, nicht automatisch an Gewinnen
  • Die Struktur ist konzernintern
  • Sie basiert auf fortlaufend funktionierenden Management- und Markenverträgen
  • Fällt die operative Performance schwach aus, wird die Zahlungsbasis dünner

Anleger finanzieren also nicht einfach ein Hotel und bekommen daraus Tilgung.
Sie hängen an einer mehrstufigen internen Konzernwertschöpfung.


6. Mittelverwendungskontrolle ist kein Qualitätssiegel für die Anlage

Viele Anleger lesen so einen Bericht und denken:
„Dann ist alles geprüft und sicher.“

Das ist falsch.

Die Mittelverwendungskontrolle sagt im Wesentlichen:
Das Geld wurde so weitergeleitet wie vorgesehen.

Sie sagt nicht:

  • Das Projekt wird sicher erfolgreich
  • Die Emittentin kann sicher zahlen
  • Die Struktur ist anlegerfreundlich
  • Das Risiko ist gering
  • Das Investment ist fair bepreist

Auch der Hinweis auf das „durch die BaFin genehmigte VIB“ wird oft missverstanden.

Die BaFin prüft beim VIB nicht die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Angebots.
Sie bestätigt nicht, dass es ein gutes oder sicheres Investment ist.


7. Die zentrale Risikobilanz aus Anlegersicht

Sehr klar vorhandene Risiken:

1. Totalverlustrisiko
Ja, eindeutig vorhanden.
Durch Nachrang, Rangrücktritt und fehlende Besicherung kann im Ernstfall das eingesetzte Kapital vollständig verloren gehen.

2. Keine dingliche Sicherheit
Es gibt keine Grundschuld auf das Hotel, keinen direkten Zugriff auf das Grundstück und keine klassische Sicherheitenstruktur zugunsten der Crowd.

3. Konzern- und Strukturabhängigkeit
Die Zahlungsfähigkeit hängt nicht nur an einem Hotel, sondern an mehreren internen Gesellschaften, Verträgen und Cashflow-Ketten.

4. Laufzeit- und Refinanzierungsrisiko
Anleger wollen nach 5 Jahren Geld zurück; das wirtschaftliche Projekt lebt deutlich länger.

5. Related-Party-Risiko
Fast alle wesentlichen Transaktionen sind konzernintern:

  • Emittentin
  • Development
  • Financial Services
  • Hotelmanagement

Das ist typisch, aber aus Anlegersicht immer heikel, weil man als Außenstehender nur begrenzt beurteilen kann, ob Konditionen und Mittelströme wirklich anlegeroptimal sind.

6. Operatives Projektrisiko
Auch wenn das Hotel weit entwickelt ist, bleiben Risiken:

  • Eröffnung
  • Auslastung
  • Bau-/Anlaufkosten
  • Tourismusmarkt
  • Italien-spezifische Betriebs- und Rechtsrisiken

8. Was man der Struktur zugutehalten kann

Eine faire Analyse muss auch die positiven Punkte nennen.

Positiv ist:

  • Es handelt sich um eine bekannte Hotelgruppe und nicht um einen anonymen Kleinanbieter
  • Das Projekt ist konkret und greifbar
  • Die Mittelverwendung ist dokumentiert
  • Der Bericht zeigt keine zweckfremde Mittelverwendung
  • Es gibt bereits bestehende operative Hotelstrukturen in Italien, aus denen Lizenzzahlungen fließen können
  • Die Emittentin hat bestimmte Emissionskosten selbst getragen und nicht vollständig aus Anlegergeldern bedient

Das senkt das Risiko gegenüber völlig spekulativen Crowd-Projekten.

Aber:
Es macht aus dem Produkt trotzdem kein sicheres Zinsinvestment.


9. Die eigentliche Anlegerfrage: Passt Rendite zu Risiko?

Genau das ist die entscheidende Frage.

Wenn ich als Anleger ein Produkt habe mit:

  • Nachrang
  • Rangrücktritt
  • keiner Besicherung
  • komplexer Struktur
  • Konzernabhängigkeit
  • Projekt- und Refinanzierungsrisiko

dann muss die Verzinsung aus meiner Sicht spürbar höher sein als bei klassischen Anleihen oder gesicherten Finanzierungen.

Ob das hier ausreichend vergütet ist, hängt von der konkreten Zinszusage ab – aber grundsätzlich gilt:
Das Risiko ist deutlich höher, als der Begriff „festverzinst“ vermuten lässt.

„Festverzinst“ klingt sicher.
„Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt“ ist das genaue Gegengewicht dazu.


10. Mein nüchternes Fazit aus Anlegersicht

Das ist kein klassisches konservatives Investment.

Es ist ein unternehmerisches Hochrisiko-Investment im Crowd-Format.

Die Mittelverwendung wirkt formal sauber.

Aber wirtschaftlich finanziert die Crowd hier keinen einfachen direkten Hotelbau, sondern eine mehrstufige konzerninterne Refinanzierung mit Projektbezug.

Der entscheidende Schwachpunkt ist die Anlegerposition.

Man trägt viel Risiko, hat aber:

  • keine Sicherheit
  • keine starke Durchsetzungsposition
  • keine Kontrolle über die Mittel auf den nachgelagerten Ebenen

Deshalb ist das Produkt nur geeignet für Anleger,

die ganz bewusst sagen:

Ich weiß, dass ich hier ein Nachrangprodukt mit Totalverlustrisiko zeichne, und ich investiere nur einen kleinen, verzichtbaren Teil meines Vermögens.

Für sicherheitsorientierte Anleger oder für Geld, das fest eingeplant ist, wäre das aus meiner Sicht nicht passend.


Kurzfassung in einem Satz

Der Bericht zeigt, dass das Geld planmäßig geflossen ist – nicht, dass die Anlage sicher ist.

Wenn du möchtest, kann ich dir als Nächstes noch eine „Worst-Case-Szenario“-Analyse dazu schreiben: Was genau passiert, wenn das Hotel schwach läuft, der Konzern unter Druck gerät oder die Emittentin in fünf Jahren nicht zahlen kann.

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