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Bei uns kommt der Strom doch aus der Steckdose

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Zumindest könnte man das meinen, wenn man die Debatten verfolgt, die derzeit in Thüringen um neue Solarprojekte geführt werden. Ob in Buttstädt, Schloßvippach, Göritzberg oder Ohrdruf – überall geht es um Photovoltaikanlagen, Investoren, Bürgerbeteiligung und die Frage, wie unsere Energieversorgung künftig aussehen soll. Und fast überall formiert sich auch Widerstand.

Der Gemeinderat in Buttstädt hat jüngst die Weichen für eine umstrittene Solaranlage gestellt. In Schloßvippach stehen chinesische Investoren im Fokus. In Göritzberg wurde der Spatenstich für das bislang größte Thüringer Bürgerenergie-Projekt gefeiert. Und bei Ohrdruf sind bereits 9.000 Solarmodule auf 77.000 Quadratmetern in Betrieb gegangen.

Was all diese Projekte verbindet: Sie sind Teil eines grundlegenden Umbaus unserer Energieversorgung. Weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Quellen – dezentraler, regionaler, unabhängiger.

Widerstand vor Ort – Zustimmung beim Verbrauch

Gleichzeitig erleben viele dieser Vorhaben Gegenwind. Argumente reichen von Landschaftsbild über Flächenverbrauch bis hin zu Misstrauen gegenüber Investoren. Gerade bei Projekten mit internationaler Beteiligung – etwa aus China – werden geopolitische Fragen aufgeworfen.

Diese Bedenken sind legitim. Jede große Infrastrukturmaßnahme greift in gewachsene Strukturen ein. Doch wer grundsätzlich „dagegen“ ist, ohne Alternativen zu benennen, verkennt einen entscheidenden Punkt: Energie entsteht nicht von selbst – und sie kommt eben nicht einfach aus der Steckdose.

Wir alle erwarten eine stabile, bezahlbare Stromversorgung. Wir wollen Wärmepumpen betreiben, Elektroautos laden, Unternehmen im Land halten und neue Industrie ansiedeln. Gleichzeitig fordern wir Klimaschutz, weniger Abhängigkeit von autoritären Regimen und mehr regionale Wertschöpfung.

Das alles funktioniert nicht ohne Flächen, Investitionen und konkrete Projekte.

Solidarität heißt mitdenken

Gerade Bürgerenergie-Projekte wie in Göritzberg zeigen, dass es auch anders geht: Beteiligung vor Ort, wirtschaftlicher Nutzen für die Region, transparente Planung. Doch selbst dort gibt es Vorbehalte.

Solidarität bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, jedes Projekt kritiklos abzunicken. Solidarität heißt vielmehr, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung mitzudenken: Wenn Thüringen seinen Beitrag zur Energiewende leisten soll, kann nicht jede Kommune sagen: „Bei uns bitte nicht.“

Wer den Ausbau erneuerbarer Energien pauschal blockiert, verlagert die Last auf andere Regionen – oder verlängert die Abhängigkeit von Kohle, Gas und internationalen Lieferketten. Das ist weder nachhaltig noch fair.

Entscheidung vor Ort – Wirkung für alle

Die Beschlüsse in Gemeinderäten wie in Buttstädt sind deshalb mehr als lokale Bauentscheidungen. Sie sind Teil einer größeren Frage: Wie viel Veränderung sind wir bereit zu akzeptieren, um Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität zu sichern?

Solarparks verändern Landschaften. Aber auch Tagebaue, Gaskraftwerke oder Hochspannungsleitungen tun das. Der Unterschied: Photovoltaik ist rückbaubar, emissionsarm und zunehmend wirtschaftlich.

Die Energiewende findet nicht abstrakt statt. Sie findet auf Feldern, in Gemeinderäten und bei Spatenstichen statt.

Und sie gelingt nur, wenn aus dem reflexhaften „Dagegen“ ein konstruktives „Wie machen wir es besser?“ wird.

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