Wenn Donald Trump ein Mikrofon sieht, ist diplomatische Zurückhaltung ungefähr so wahrscheinlich wie Schneefall in der Negev-Wüste. Diesmal traf es Israels Präsidenten Izchak Herzog. Vor laufenden Kameras im Weißen Haus erklärte Trump, Herzog müsse sich „schämen“, weil er Premier Benjamin Netanjahu noch nicht begnadigt habe. Schließlich habe dieser „in Kriegszeiten Außergewöhnliches geleistet“. Zwischen den Zeilen klang es ein wenig wie: Heldentaten first, Justiz später.
In Jerusalem reagierte man mit der israelischen Spezialität: höflich, aber bestimmt. Herzogs Büro stellte klar, man habe – Überraschung – noch gar nichts entschieden. Der Begnadigungsantrag vom November werde ganz unspektakulär im Justizministerium geprüft. Mit Akten. Und Verfahren. Und allem, was in einem Rechtsstaat so dazugehört.
Man schätze Präsident Trump selbstverständlich „zutiefst“ für seine Unterstützung, ließ man wissen – aber Israel sei nun einmal ein souveräner Staat. Übersetzung: Danke für die Meinung, wir haben hier eigene Regeln.
Pikant: Kurz vor Trumps öffentlicher Schelte hatte er Netanjahu im Weißen Haus empfangen. Prompt wurde spekuliert, ob der Premier seinem amerikanischen Freund vielleicht einen kleinen diplomatischen Wink gegeben habe. Aus Netanjahus Umfeld hieß es jedoch umgehend: Nein, nein – Trumps Begnadigungs-Appell sei eine rein spontane Eingebung gewesen. Ganz ohne Souffleur.
Damit bleibt die Lage spannend: Ein Präsident, der noch prüft. Ein Premier, der hofft. Und ein US-Präsident, der schon mal laut „Schämt euch!“ ruft, bevor überhaupt entschieden wurde.
Internationale Politik – manchmal wie eine Talkshow, nur mit mehr Flaggen.
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