Der Münchner Agrarkonzern BayWa AG scheint trotz eines geplatzten Verkaufsplans für seinen niederländischen Getreidehändler Cefetra kurz vor einer Lösung zu stehen. Wie das Unternehmen mitteilte, sei der ursprünglich vorgesehene Käufer – der niederländische Unternehmer Peter Goedvolk und seine Investmentgruppe First Dutch – nicht in der Lage gewesen, die notwendige Finanzierung für den rund 125 Millionen Euro schweren Deal sicherzustellen.
Doch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss bleibt: Laut BayWa gebe es bereits einen neuen Interessenten, der im Wesentlichen zu den gleichen Konditionen einsteigen wolle. Insiderkreisen zufolge könnten dabei die niederländische Rabobank und die ING-Gruppe eine entscheidende Rolle spielen. Beide gelten als erfahrene Akteure im Agrar- und Rohstoffgeschäft – und als mögliche Stabilitätsgaranten für den künftigen Kurs von Cefetra.
🌾 Hintergrund: BayWa sucht seit Monaten nach Entlastung
Der geplante Verkauf von Cefetra ist Teil der Neuausrichtung der BayWa, die in den vergangenen Monaten mit finanziellen Engpässen und wachsendem Druck von Gläubigern zu kämpfen hatte. Der Verkaufserlös sollte helfen, Liquidität aufzubauen und die Bilanz zu stabilisieren, nachdem das Unternehmen unter anderem durch den Agrarpreisverfall und hohe Zinsen in Schwierigkeiten geraten war.
Cefetra, ein traditionsreicher Getreide- und Futtermittelhändler mit Sitz in Rotterdam, gehört zu den wichtigsten internationalen Beteiligungen des Konzerns. Das Unternehmen beliefert Abnehmer in ganz Europa und gilt als strategisch wertvoller, aber kapitalintensiver Geschäftsbereich.
💬 Offene Fragen um Finanzierung und Aufsicht
Die Gründe für das Scheitern des ursprünglichen Käufers liegen offenbar in der nicht gesicherten Kreditlinie von First Dutch. Branchenkenner sprechen von einem Finanzierungsloch im zweistelligen Millionenbereich. BayWa selbst betonte, dass man „alle Optionen sorgfältig prüfe“, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten und die Interessen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern zu schützen.
Eine offizielle Stellungnahme zu möglichen Verhandlungen mit Rabobank oder ING gibt es bislang nicht. Aus Finanzkreisen heißt es jedoch, beide Institute hätten „Interesse an einer langfristig tragfähigen Lösung“, insbesondere mit Blick auf die Agrarhandelsnetzwerke in den Benelux-Ländern.
📉 Druck auf BayWa bleibt hoch
Trotz der positiven Signale bleibt der Druck auf BayWa bestehen. Die BaFin hatte zuletzt auf Fehler im Konzernlagebericht 2023 hingewiesen – unter anderem wegen unzureichender Risikoberichterstattung im Zusammenhang mit Krediten und Finanzierungsrisiken. Zudem kämpft der Konzern mit steigenden Zinskosten und einem insgesamt schwachen Marktumfeld in der Agrar- und Energiewirtschaft.
Der mögliche Einstieg eines neuen Investors in Cefetra könnte daher ein wichtiger Befreiungsschlag sein – sowohl finanziell als auch strategisch.
🔍 Fazit: Hoffnung auf Stabilisierung
Mit einem neuen Investor an Bord könnte BayWa einen wichtigen Etappensieg in ihrer Restrukturierung erzielen. Die potenziellen Interessenten Rabobank und ING bringen nicht nur Kapital, sondern auch Branchenkenntnis und Vertrauen mit.
Ob der Deal tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten – doch die Signale deuten darauf hin, dass BayWa ihren Kurs Richtung Stabilität wieder aufnehmen könnte. Ein endgültiger Abschluss wird Branchenkreisen zufolge in den kommenden Wochen erwartet.
Kommentar hinterlassen