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Barcelonas Kampf gegen den Touristenansturm: Höhere Gebühren für Kreuzfahrtpassagiere geplant

dominickvietor (CC0), Pixabay
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Die katalanische Metropole Barcelona, bekannt für ihre atemberaubende Architektur und pulsierendes Stadtleben, sieht sich zunehmend mit den Schattenseiten des Massentourismus konfrontiert. In einem wegweisenden Schritt kündigte Bürgermeister Jaume Collboni nun an, die Touristensteuer für Kreuzfahrtpassagiere mit Kurzaufenthalten drastisch zu erhöhen.

In einem exklusiven Interview mit der renommierten spanischen Tageszeitung „El Pais“ erklärte Collboni: „Die derzeitige Gebühr von sieben Euro für Besucher, die weniger als zwölf Stunden in unserer Stadt verweilen, spiegelt bei weitem nicht die tatsächliche Belastung für unsere Infrastruktur wider.“ Der Bürgermeister, der seit seiner Amtsübernahme für eine nachhaltigere Tourismuspolitik eintritt, betonte die Notwendigkeit einer „deutlichen Erhöhung“ dieser Steuer.

Obwohl konkrete Zahlen noch nicht genannt wurden, lässt die Ankündigung aufhorchen. Experten spekulieren bereits über mögliche Verdopplungen oder gar Verdreifachungen der bisherigen Gebühr. Die finale Entscheidung wird in enger Abstimmung mit der katalanischen Regionalregierung getroffen werden, was die Komplexität und politische Sensibilität des Themas unterstreicht.

Die Begründung für diesen Schritt liegt auf der Hand: Kurzzeit-Kreuzfahrtpassagiere nutzen intensiv den öffentlichen Raum, historische Stätten und städtische Dienstleistungen, ohne einen angemessenen finanziellen Beitrag zu leisten. „Diese Besucher hinterlassen oft mehr als nur Fußabdrücke in unseren Straßen. Sie hinterlassen eine Belastung, die unsere Stadt und ihre Bewohner zu tragen haben“, erläuterte Collboni.

Barcelona reiht sich damit in eine wachsende Liste von Städten ein, die innovative Wege suchen, um den Massentourismus in geordnete Bahnen zu lenken. Venedig, die Lagunenstadt Italiens, gilt mit ihrem Eintrittsgeld für Tagesbesucher als Pionier in diesem Bereich. Doch auch andere spanische Touristenmagneten wie Mallorca und die Kanarischen Inseln sehen sich zunehmend mit Protesten der einheimischen Bevölkerung konfrontiert.

Die Klagen der Spanier sind vielschichtig: Überfüllte Straßen und Plätze, steigende Wohnungspreise und eine schleichende Verdrängung der lokalen Kultur stehen im Mittelpunkt der Kritik. Barcelona hatte bereits zuvor mit einem Verbot der Wohnungsvermietung an Touristen ein Zeichen gesetzt – ein Schritt, der von vielen Einheimischen begrüßt, von der Tourismusindustrie jedoch kritisch beäugt wurde.

Die geplante Erhöhung der Kreuzfahrt-Touristensteuer ist Teil einer umfassenderen Strategie, die darauf abzielt, die Balance zwischen wirtschaftlichem Nutzen und Lebensqualität für die Bewohner wiederherzustellen. „Wir wollen Barcelona nicht von der Landkarte des globalen Tourismus streichen“, betonte Collboni. „Unser Ziel ist es, einen nachhaltigen, respektvollen Tourismus zu fördern, der unsere Stadt bereichert, ohne sie zu überfordern.“

Während die Tourismusbranche mit gemischten Gefühlen auf die Ankündigung reagiert, sehen Umweltschützer und Stadtplaner darin einen notwendigen Schritt in Richtung eines ausgewogeneren Stadtlebens. Die kommenden Monate werden zeigen, wie Barcelona diesen Drahtseilakt zwischen Tourismusförderung und Einwohnerschutz meistert – und ob andere Städte diesem Beispiel folgen werden.

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