Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime
Die Finanzaufsicht BaFin hat vor mehreren Internetplattformen gewarnt, über die angeblich Finanz-, Wertpapier- und Kryptodienstleistungen angeboten werden. Nach Angaben der Behörde verfügen die Betreiber jedoch nicht über die erforderliche Erlaubnis. Zudem soll es teilweise zu Identitätsdiebstahl zulasten real existierender Investmentfonds gekommen sein.
Betroffen sind unter anderem Websites wie alphaxle.com, axerdigital.com, vontrade.io, vectradx.com, mfxtech.com, qpbroker.com, qbitrex.com sowie die Plattform richmond365.com.
Wir haben mit Rechtsanwalt Jens Reime über die Hintergründe der BaFin-Warnung gesprochen.
„Solche Warnungen sind ein deutliches Warnsignal“
Frage: Herr Reime, was bedeutet eine solche BaFin-Warnung für Anleger?
Jens Reime:
Eine Warnung der BaFin ist ein sehr ernst zu nehmendes Signal. Die Aufsichtsbehörde teilt damit mit, dass nach ihren Erkenntnissen Finanz- oder Kryptodienstleistungen ohne die notwendige Erlaubnis angeboten werden. Für Anleger besteht in solchen Fällen ein erhöhtes Risiko, Opfer von Betrug oder unseriösen Angeboten zu werden.
„Identitätsdiebstahl ist ein häufiges Muster“
Frage: Die BaFin spricht auch von Identitätsdiebstahl. Was bedeutet das konkret?
Reime:
Dabei nutzen die Betreiber häufig den Namen seriöser und regulierter Investmentfonds oder Finanzunternehmen, um Vertrauen zu erwecken. In Wirklichkeit haben diese Plattformen aber nichts mit den echten Unternehmen zu tun. Für Anleger ist es deshalb oft schwer zu erkennen, dass es sich um ein Fake-Angebot handelt.
„Erlaubnis der BaFin ist zwingend erforderlich“
Frage: Welche Regeln gelten in Deutschland für solche Anbieter?
Reime:
Wer in Deutschland Bankgeschäfte, Wertpapierdienstleistungen oder Kryptodienstleistungen anbietet, benötigt grundsätzlich eine Erlaubnis der BaFin. Fehlt diese, darf das Angebot hier eigentlich nicht betrieben werden.
Anleger sollten daher immer prüfen, ob ein Anbieter in der BaFin-Unternehmensdatenbank registriert ist.
„Anleger sollten besonders vorsichtig sein“
Frage: Was raten Sie Anlegern, die auf solche Plattformen gestoßen sind?
Reime:
Mein Rat ist: Sehr vorsichtig sein und im Zweifel kein Geld überweisen. Häufig werden Anleger mit hohen Renditeversprechen oder aggressivem Telefonmarketing unter Druck gesetzt.
Wer bereits Geld investiert hat, sollte möglichst schnell handeln, Unterlagen sichern und sich rechtlich beraten lassen.
„Internetrecherche kann helfen“
Frage: Wie kann man sich vor solchen Angeboten schützen?
Reime:
Ein erster Schritt ist immer eine Recherche im Internet und in den offiziellen Registern der Aufsichtsbehörden. Wenn eine Plattform dort nicht auftaucht oder Warnungen existieren, sollte man unbedingt Abstand nehmen.
Die aktuellen Hinweise der BaFin zeigen einmal mehr, wie wichtig Vorsicht bei Online-Investments ist.
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